Scholdarr
Spiele-Kenner/in
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Verstehe nicht ganz, was du meinst. Geht es in diesem Thread nicht um Migrationsgegner? Dann ist die AfD doch zentraler Punkt der Diskussion, oder etwa nicht?Die AfD wird aber nun von dir so stark thematisiert.
Wenn man wirklich differenziert, dann sind die meisten "Linken" nicht gegen Globalisierung an sich, sondern gegen Globalisierung unter einem libertär-neoliberalen Paradigma. Das ist ein zentraler Unterschied. Linke sind für Globalisierung und eine geeinte Welt, wenn dabei die Armen und Schwachen nicht unter die Räder kommen. Deshalb fordern die meisten Linken, dass Umverteilung, Armutsbekämpfung, Demokratisierung und die Einschränkung der Macht großer Konzerne Teil der Globalisierung werden und nicht davon behindert werden.Politisch ist es doch eher eine Auffassung der mitte, und auch der politisch Linken, ein geeintes Europa voranzutreiben. Mit unter etwas Schizophren, da linke gleichermaßen gerne als Globalisierungsgegner auftreten. (Muss man sicher differenziert und themenabhängig betrachten, das "wirtschaftlich geeinte Europa" ist aber in vielen Maßnahmen ein Schritt in RIchtung Globalisierung)
Da bin ich mir sicher. Nur ist eine einheitliche europäische Lösung ferner denn je, und das liegt nicht nur an Merkel, sondern auch an den Alleingängen vieler Ostländer und kürzlich von Österreich und Co. Zumal es nicht nur um ökonomische Interesse geht, sondern zentral um Wertekonflikte, die sich argumentativ sehr schwer beheben lassen. Ein deutscher Pro-Menschenrechte und Pro-Asyl Ansatz lässt sich mit dem Ethno-Nationalismus im europäischen Osten (und im deutschen Osten...) kaum vereinbaren.Möglicherweise wären viele frustrierte Merkelwähler auch eher an einer europäisch einheitlichen Lösung (inklusvie einheitlicher Standards für den Umgang mit Flüchtlingen), einen kleinsten gemeinsamen Nenner, als deutsche Alleingänge oder moralisch zweifelhafte Vereinbarungen mit der Türkei interessiert.
Wirklich traurig ist allerdings, dass sich nur noch alles um Begrenzung, Mauern usw. dreht und praktisch keiner mehr das komplexe Gesamtbild im Auge hat und versucht komplexe und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Und klar, Vereinbarungen mit der Türkei sind moralisch zweifelhaft - ebenso wie Mauern und Kontingente moralisch zweifelhaft sind. Zumal sie viele der tatsächlichen Probleme überhaupt nicht lösen. Es ist eben eine typisch populistische Alibi-Diskussion, die sich medial einfach ausschlachten lässt und die mit den diffusen Ängsten der Bevölkerung spielt. Und das ist sehr gefährlich.
Der typische Merkel-Wähler bekommt übrigens imo genau das, was er verdient: die Quittung für viele Jahre konservativer "Realpolitik" im In- und Ausland. Schade nur, dass die paar Nicht-Merkel-Wähler den ganzen Mist jetzt auch an der Backe haben...
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