Ich sehe darin kein Problem. Wenn es linke Politik gibt, warum soll es nicht auch rechte Politik geben? Es darf eben nur nicht auf beiden Seiten im Extremismus enden.
Im Grunde ist es vielleicht sogar wichtig, wenn es beide Seiten gibt. Droht ein Land zu sehr nach links zu kippen, dann pieksen die Rechten und versuchen es in die Mitte zu ziehen. Droht ein Land zu weit nach Rechts zu rücken, dann pieksen die Linken und versuchen es auch in die Mitte zu ziehen. Wenn es beide Seiten gibt, wird ein Land quasi im Gleichgewicht gehalten. So sehe ich das jedenfalls. Wenn es nur eine Seite gebe, das wäre schlecht.
Das ist übrigens auch ein Problem der aktuellen Bundesregierung, dass manche politische Richtungen schlichtweg fehlen und Leute sich nicht mehr vertreten fühlen. Es gibt auch keine richtige Opposition im Bundestag.
"Rechts" und "links" ist generell viel zu schwammig. Natürlich sollte es unterschiedliche Positionen geben, aber die müssen sich spezifisch auf einen Politikbereich beziehen und werden doch meist spezifisch bezeichnet. Und in der Tat sollte es keinerlei Toleranz für Extremismus und insbesondere Rassismus und Co. geben. Einen Ethno-Nationalismus halte ich in Deutschland mit seiner Geschichte schlicht für unerträglich, sorry. Das ist für mich keine politische Meinung, mit der ich gut leben kann oder die ich in irgendeiner Weise tolerieren kann. Zumal die "neue Rechte" an einem demokratischen Ausgleich oder Dialog gar nicht interessiert ist, ganz im Gegenteil. Man hält ja alles, was in der Presse geschrieben steht, für Lügen. Das ist demokratiefeindliches, dialogfeindliches und autokratisches Denken, also prinzipiell verfassungsfeindlich. Da ist also nichts mehr mit "in eine Richtung ziehen zum Ausgleich"...
Das mit dem Gleichgewicht funktioniert übrigens in zentralen politischen Themen (wie etwa der Wirtschafts- und Außenpolitik) schon lange nicht mehr, da gebe ich dir recht. In der Wirtschaftspolitik folgt fast die komplette westliche Welt seit gut 40 Jahren einem libertär-neoliberalen Paradigma, während in der Außenpolitik seit vielen Jahren eine aggressive Politik gegenüber viele Nicht-Demokratien oder schwache Demokratien gefahren wird in Gebieten, von denen man sich geopolitische oder ökonomische Vorteile verspricht. Und in beiden Punkten ist z.B. die AfD voll auf Linie der großen Parteien, also keineswegs eine Protestpartei.
Es ist vielmehr erschreckend und traurig, dass die linke Politik so dermaßen schwach ist und selbst die ganzen Krisen im In- und Ausland das libertär-neoliberale Paradigma und die aggressive, vom militärisch-industriellen Komplex angeheizte Außenpolitik nicht aufbrechen können. Aber anstatt die Politik wirklich mal wieder einen wichtigen Push zu geben, wendet man sich lieber Alibi-Diskussionen wie der Flüchtlingspolitik zu, wo es rein um die Bewältigung von Symptomen, nicht aber der Frage nach den Ursachen geht.
Warum stellt sich z.B. keiner die Frage, warum wir scheinbar kein großes Problem damit haben, mit hunderten Milliarden Euro Banken zu retten, während wir scheinbar große Probleme damit haben, ein paar Milliarden für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen aufzutreiben? Warum kommt keiner auf die Idee, das Budget des UNHCR derart aufzubessern, dass sie anständige Unterkünfte für Flüchtlinge im Libanon bauen können und die Flüchtlinge dort anständig ernähren können? Warum kommt niemand auf die Idee, dass die Verkäufe von Waffen in die arabische Welt zu noch mehr Flüchtlingen führt? Warum kommt niemand auf die Idee, dass der vom Westen unterstütze Regime-Change in der arabischen Welt die Flüchtlingskrise in seiner jetzigen Form erst ausgelöst hat? Warum kommt niemand auf die Idee, politischen und wirtschaftlichen Druck auf die arabische Welt und insbesondere die Golfstaaten auszuüben, ihrerseits Flüchtlinge aufzunehmen?
Aber klar, soweit denkt normal keiner. Einfach eine Mauer aufbauen, das ist ein viel einfacheres Konzept, das auch der Dümmste und Ahnungsloseste verstehen kann. Willst du mit solchen Parteien die deutsche Demokratie wieder in irgendeine positive und konstruktive Richtung lenken? Sorry, aber imo macht die AfD vieles schlimmer, aber nichts besser.