AW: News - Jugendschutz: "Killerspiele"-Verbot wieder im Gespräch
Diese Reaktion oder besser gesagt erneute Aktion der Politik war fast schon vorraus zu sehen.
Es ist das übliche und zu erwartende Handeln der heutigen Politik, egal um welche Felder es sich dreht.
Die Ausgangslage ist, dass ein Problem vorherrscht. Die weitere Aktion ist, dass eine Lösung gesucht wird. Die Lösung wird gefunden, bewertet und im Regelfall für zu teuer, aufwendig oder zu langwierig, als dass sie den Erfolg der jetzigen Legislaturperiode zuschreiben liese, befunden.
Der nächste Schritt ist der Kompromissschritt, im Volksmund auch gern als Mogelpackung oder fauler Kompromiss dargestellt.
Das Problem wird nicht an der Wurzel gepackt, sondern die Symptome werden überdeckt. Die Folge in diesem Fall ist die, dass Spiele, in denen Gewalt in irgendeiner Form dargestellt und aktiv praktiziert wird, als faule Lösung gefunden wurde, bzw. als Schuldigen für einen Umstand, der um so ein Vielfaches größer ist, als das Computerspiele einen derart großen Einfluss haben könnten.
Man kann diese Vorgehensweise gut und gerne weiterspinnen. Nehmen wir die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die Kassen sind leer, Geld muss her, ach, erhöhen wir die Steuern. Wer dabei glaubt, dass dann automatisch 3% mehr an Mehrwertsteuer reinkommt muss ein sehr falsches Verständnis für wirtschaftliche Vorgänge haben. Die eher wirkungstragende Lösung ist aber zu aufwendig und würde wohl einige Wähler verärgern, was in der heutigen Politik sowieso eine weitaus größere Rolle spielt. Die Legislaturperiode geht nunmal nur 4 Jahre und in dieser Zeit müssen Dinge geschehen und vorallem dem Bürger richtig verkauft werden. Und damit tut sich die Politik heute sowieso denkbar schwer. So traurig es auch klingen mag oder soviel Pessimismus mir man vorwerfen zu können glaubt, die Politiker von heute haben nicht mehr den Mut, die Entscheidungen zu treffen, die nötig sind, um möglichst schnell gewisse Probleme zu lösen.
Um wieder auf unser spezifisches Thema zurück zu kommen.
Besonders unter Jugendlichen und da wieder besonders im Osten von Deutschland ist die Stimmung mehr schlecht als Recht und das zu Recht. Das Leben unserer Kinder steht unter denkbar schlechten Sternen. Es ist für einen Großteil der Menschen hier im Land nicht möglich, dass ein Elternteil auf eine Beschäftigung verzichtet. Schließlich wird alles nicht nur teurer, man will seinen Kindern auch etwas bieten können. Und bei vielen Löhnen ist es schlicht und ergreifend nicht möglich, dass ein Ernährer ausreicht. Das klassische Familienbild, welches vorallem die CDU/CSU noch immer gerne propagiert, kann nicht mehr existieren. Dazu kommen oft nur unzureichende Betreuungen für arbeitende Eltern mit Kindern. Kindergartenplätze mangelhaft, in vielen westdeutschen Bundesländern zuwenig Ganztagsschulen oder ähnliche Möglichkeiten, um Kinder zu betreuen.
Viele Kinder und später Jugendliche werden oft den ganzen Tag über allein gelassen. Der Kontakt des erziehenden Elternteils zum Kind ist heutzutage wesentlich geringer als früher. Damit nimmt der Anteil der Erziehung durch Freunde entsprechend zu. Und damit der Einfluss von schlechtem Umgang um es mal so zu formulieren. Dann die Ausbildungsmisere und der Mangel an Arbeitsplätzen. Es sitzen viele Jugendliche auf der Strasse oder stehen kurz vor ihrem Schulabschluß mit der Gewissheit, danach auf der Strasse zu sitzen, weil sie einfach keinen Ausbildungsplatz bekommen. Damit entsteht Perspektivlosigkeit und das wiederrum radikalisiert betroffene Massen schnell. Und aus jeder Radikalisierung entsteht eine erhöhte Gewaltbereitschaft. Seien es Hooligans, Skinz, oder Ökoterroristen, das spielt kaum eine Rolle. Damit sind wir bei der Gewalt angekommen und ich musste noch nichtmal einen PC anschalten geschweige denn ein Spiel starten.
Um meine Computerkarriere mal zu umreißen. Ich bin mit dem C64 aufgewachsen und schon damals als kleiner 7 jähriger wusste ich, wie ich sämtliche Spiele starte, auch wenn niemand zu Hause war. Entsprechend kam ich auch an Spiele wie Diktator ran (wer es kennt, weiß was man dort unter anderem tat) . Ich würde mich aber niemals als braun angehaucht bezeichnen, geschweige denn als Neo-Nazi.
Dann kam die PC-Zeit, vom 286er an alles mitgenommen. Und damit auch Wolfenstein 3D, Doom, CS, Unreal, DFLW, MoHAA etc...
Ich bin nicht vorbestraft, und, obwohl ich wahnsinnig gern Autorennen fahre, am liebsten Gran Tourismo4 auf der PS2, habe ich keine Punkte in Flensburg und meine 3 Strafzettel waren nie teurer als 25 Euro, davon 2mal Falschparken ^^.
Haben demnach Computerspiele überhaupt keinen Einfluss auf Menschen?
Doch, den haben sie. angenommen, man sperrt ein Kind sein Leben lang ein ohne Kontakt zu anderen Menschen, es bekommt essen, trinken und einen PC. Es spielt bis zu seinem 18. Lebensjahr jeden Tag alle auffindbaren Gewaltspiele und lernt nichts anderes. Er kann gerade so lesen und schreiben, aber ansonsten kann er nur virtuell töten. Keine ethische Erziehung, keine Moralvorstellungen... ja, dieser Mensch würde meiner Meinung nach einen anderen Menschen töten können, ohne sich seiner Tat bewusst zu sein. Dieser Umstand wird aber nie vorkommen.
Ansonsten beeinflussen uns Spiele eher auf vielfältige Weise. Mein kleiner Bruder z.B. hatte lange Zeit eine Schreibschwäche was sich gern in sauschlechten Diktaten wiederspiegelte. ab einem gewissen Alter beschäftigte er sich mehr und mehr mit dem Internet, Spielen im Internet, Chatten etc... und immerhin hat sich seine Schreibschwäche gebessert. Was früher vielleicht durch viel Lesen erreicht wurde, hat er durch das viele Chatten und lesen in Spielen erreicht. Bravo...
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Spiele können nicht nur einen negativen Einfluss auf die Spieler haben, egal um welches Genre es sich handelt. Seien es Echtzeit-Strategiespiele die taktisches Verständnis und Logik erfordern, seien es Teambasierte Egoshooter, in denen man als Egoist keine 5 Meter weit kommt.
Der springende Punkt ist, dass Spiele mehr und mehr erzieherische und soziale Kompetenzen bekommen und diese mit jedem Spiel auch unterbewusst umsetzen. Ganz zu schweigen von den Lerneffekten, wenn es um Fremdsprachen geht etc... Die Politik muss endlich einsehen, dass Computerspiele nicht grundsätzlich schlecht sind und es gibt auch keine Spiele die gut und keine die schlecht sind. Ein Egoshooter, der ohne Rahmenhandlung und ohne Mission nur verlangt, ziele und schiesse würde den Markt sowieso nicht überleben.
Die Politik ist hier gefordert zum einen den Jugendlichen bessere Perspektiven zu geben und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich Beruf und Familie besser vereinbaren lässt. Dann und nur dann kann auch erwartet werden, dass Menschen in ihrer Entwicklung nicht vorschnell fehlgeleitet werden durch falsche Freunde.
Ein Verbot von Spielen würde die Symptome nur überdecken und unterm Strich neue Probleme schaffen, die dann wieder nicht kontrolierbar sind.
Als Beispiel: angenommen jemand hat ein kleines Furunkel im Gesicht. Ich gebe ihm eine Salbe, die das Furunkel sofort verschwinden lässt. Aber in Wahrheit ist es nicht weg, sondern wird nur überdeckt und es kommt am nächsten Tag wieder und wird größer. Irgendwann ist das Furunkel über dem ganzen Gesicht verteilt, die Salbe verliert an Wirkung und man braucht mehrere Tuben am Tag. Dabei müsste man die Salbe nur weglassen und das Furunkel verschwindet wieder von ganz allein. Das selbe würde mit den Symptomen bei einem Spieleverbot passieren. Es wird mehr unterm Ladentisch gehandelt, mehr kopiert, mehr eingeschleust, mehr importiert etc... dann kommt wieder die Spieleindustrie und beschwert sich über die Absatzverluste, weil in Deutschland ja mehr und mehr raubkopiert wird. Dann werden die Kopierer noch drastischer verfolgt, man lässt sich neue Sachen einfallen um an die Spiele zu kommen und entweder die Spieleindustrie bricht überraschend zusammen und es gibt keine Spiele mehr oder aber der Schwarzmarkt und die Ermittlungen der Behörden laufen aus dem Ruder und werden irgendwann unüberschaubar. Das dabei die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen nicht abnimmt, dass sie sich vielleicht sogar verschlimmert, weil die Jugendarbeitslosigkeit noch stärker wurde, fällt irgendwann untern Tisch und eines Tages weiß nichtmal mehr jemand, warum diese Spiele verboten wurden, es ist halt so und bleibt so. Schließlich weiß man ja nicht, welche Botschaft man dem Bürger vermitteln will mit einer Legalisierung der Gewaltspiele (Kommentar aus dem Bundesgesundheitsministerium zum Thema Legalisierung von Cannabis

).
So, nu langst aber erstmal
