Entschuldigt, dass es wieder länger gedauert hat.
aph am 05.07.2007 18:41 schrieb:
ElNonsk am 05.07.2007 18:22 schrieb:
Hmmm..., Meinereiner schien mir hier aber zuzustimmen. Siehe: Hallo,
ich hab dieses Thema entdeckt und dachte, es könnte dich ebenfalls interessieren:
AW: Amerika, Amerika, und am 6. Tag ...
Wenn es aber tatsächlich noch Probleme mit der Vorstellung gibt, dass auch Wissenschaft nur ein Glauben unter vielen ist, müssen wir das schleunigst nachholen. Und bitte versteht mich nicht falsch. Ich habe selbst vor im naturwissenschaftlichen Bereich zu studieren und viele der derzeitigen Theorien überzeugen mich aufgrund ihrer Plausbilität. Aber man darf trotzdem nicht die Grenzen jeder Wissenschaft übersehen.
Also komm, das ist doch genau der Punkt, an dem wir zuletzt stehen geblieben waren. Du und Doc wart die einzigen, die postuliert hatten, dass Naturwissenschaft nur Glaube sei, genau wie Geschichtswissenschaft und Theologie. Das von dir verlinkte von meinereiner war erst der Anfang der Diskussion.
Achtung, Gefahr in Verzug! Weder Doc_Holiday noch ich haben gesagt, dass Naturwissenschaften NUR Glaube ist. Vielmehr wurde darauf hingewiesen, dass die Naturwissenschaften, ebenso wie die Geisteswissenschaften (und somit auch die Theologie) auf Glauben basiert: Wissenschaft ohne Axiome (= unbewiesene Annahmen -> ergo Glaube) ist nicht möglich!
Ich wette fünfzig Kokosnüsse mit dir, dass mir in dem Punkt sowohl Meinereiner, als auch jeder andere Naturwissenschaftler, der etwas auf sich hält, sofort zustimmen wird.
Ich möchte in dem Kontext nochmals darauf hinweisen, dass ich nicht gesagt, dass Wissenschaft = Religion (so wie seishi-rin fälschlicherweise schrieb), sondern dass Wissenschaft = Glaube. Ein gewichtiger Unterschied. Und wenn du mir in dem Punkt nicht glauben willst, dann lies irgendein naturwissenschaftlich angehauchtes Buch (vorzugsweise über Spiegel- oder PM-Niveau) oder einen Artikel (z. B. in „Science“ oder in „Nature“) mit einem Kapitel über die verwendeten Methoden des jeweiligen Wissenschaftsgebiets. Auch der Naturwissenschaftler (!) wird hundertprozentig auf den Glauben in seinem Wissenschaftszweig hinweisen.
Und sonst lies doch einfach Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft“ mit den Naturwissenschaftlern als Metaphysikern (es sei denn, auch Nietzsche ist inzwischen in der Philosophie veraltet – Blick zu Meinereiner *gg* - was ich aber stark bezweifle, siehe: Umberto Eco, Gianni Vattimo oder Sloterdijk, wobei ich aber von letzterem eher wenig halte *gg*).
In unserer Diskussion ging es aber eigentlich darum herauszufinden, ob der „historische Beweis“ ebenso gut/schlecht wie der „naturwissenschaftliche Beweis“ (die, wie wir ja bereits erläutert haben eigentlich beides nur „Hinweise“ sind, da sie keinen zwingenden Charakter besitzen). Meine anfängliche Position dazu war, dass in der „allgemeinen Wahrnehmung“ der „historische Beweis“ weniger wert ist, als der „naturwissenschaftliche“.
Siehe:
AW: Amerika, Amerika, und am 6. Tag ...
Von diesem Punkt aus entwickelte sich unsere weitere Diskussion, bei der ich aber mehrmals darauf hinwies, dass es sich lediglich um eine Nebendiskussion handelt, da es für die Richtigkeit der „Gottesbeweise“ ja unerheblich ist, ob der „historische Beweis“ in den Augen vieler Menschen weniger wert ist, als der „naturwissenschaftliche“.
Die (Neben-)Diskussion ging ab diesen Zeitpunkt und es verfestigten sich die Gegenpositionen. Um euch ein bisschen zu necken (und darauf habe ich ja auch hingewiesen), ging ich soweit zu behaupten, dass der „naturwissenschaftliche“ gegenüber dem „historischen Beweis“ keinerlei Vorteile besitzt. Von daher entspann sich dann unsere längere Debatte darüber, inwiefern die Wiederholbarkeit von Experimenten gegeben ist (die aber, wie gesagt, recht wenig mit den eigentlichen Gottesbeweisen zu tun hat). Diese Diskussion endete (oder zumindest ich empfand sie für beendet) mit einem Zugeständnis meinerseits, dass es die Wiederholung und damit die Nachprüfbarkeit einiger Experimente durchaus gebe. Ich möchte aber nur darauf hinweisen, dass ich dieses Zugeständnis ohne logische Notwendigkeit gemacht habe – ich hätte also auch auf meinem Argument bestehen bleiben können und wir hätten noch stundenweise diese Diskussion führen können. Der Verweis auf die Nachprüfbarkeit, die größer als Null liegen soll, gilt nur bei diesem Zugeständnis. Dass ich der mir entgegengesetzten Argumentation in diesem Punkt INTUITIV zustimmen würde, steht zweifelsfrei fest (von daher das „Necken“ *gg*), aber ich wollte doch sehen, ob man nicht auch weiter als nur durch Intuition (z. B. durch Verweis auf andere Vorzüge der Naturwissenschaften) zur Klärung dieses Themas herankommen könnte. Dem war aber nicht so (auch wenn wir sehr nahe ran kamen).
Da wir aber eine Menge Zeit mit dieser Nebendiskussion verbrieten, und ich auch intuitiv der entgegengesetzten Argumentation zustimmte, machte ich dieses Zugeständnis (um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen), das aber – wie schon gesagt – nicht notwendigerweise entstand.
Meine letzte Position hierzu war, dass die Naturwissenschaften sich qualitativ immer noch unterscheiden durch ihre Experimente, und seien die Störgrößen noch so unkontrollierbar. Ihre Nachprüfbarkeit liegt immer noch über der der anderen Wissenschaften, und alles was größer als Null ist, beinhaltet auch einen qualitativen Unterschied.
Siehe oben.
Geht (hoffentlich) bald weiter.