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Amerika, Amerika, und am 6. Tag ...

aph am 17.03.2007 16:25 schrieb:
ElNonsk am 17.03.2007 14:56 schrieb:
Wenn du behauptest, dass die Existenz eines „historischen Gegenstands“ nicht schon für einen wie auch immer gearteten „Beweis“ (über die Natur von Beweisen habe ich ja schon geschrieben) langt, entziehst du den Geschichtswissenschaften ihren Boden.

Die Bibel ist kein historischer Gegenstand. Wenn du mir die Steintafel von Moses zeigen könntest, könnte man die ja wenigstens untersuchen. Aber von Jesus gibts auch nichts. Bibeln sind Abschriften von Abschriften von Abschriften von einer Sammlung von Schriften von Menschen.

Es gibt absolut keine Veranlassung, denen mehr zu glauben als einem Joseph Smith.
Nach dieser Definiton ist "De bello Gallico" von Cäsar ebenso wenig ein historischer Gegenstand wie Platons "Apologie" oder die Berichte von Flavius Josephus über die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. Alles Werke, die nur in Abschrift vorliegen- und deswegen unhistorisch?
 
aph am 17.03.2007 16:31 schrieb:
Boesor am 17.03.2007 00:14 schrieb:
Im religionsunterricht wird unter anderem über Gott geredet, jemand der selbst nicht an gott glaubt kann allerdings kaum entsprechende Antworten auf die immer wieder kehrenden Fragen der Heranwachsenden geben ("Warum lässt Gott das zu" etc.), zumindest nicht glaubwürdig.
Daher möchte ich höchste Zeifel anmelden das du im religionsunterricht "was zu suchen hättest"
Das magst du nicht ok finden, ist aber nicht nur von der Kirche, sondern auch vom Staat so gewollt.

Dann bin ich erneut der Meinung, dass der Staat das nicht wollen sollte, da es sein Neutralitätsgebot verletzt, wenn er sowas auf Kosten der Steuerzahler zulässt. Ein Ethiklehrer könnte die von dir genannte Frage beantworten. Was er nicht kann - und das finde ich wichtig: Er kann den zweifelnden Schüler nicht in seinem Glauben festigen, wenn der Zweifel an Gott hat. Und know what? Ich finde es absolut skanalös, wenn ein Lehrer das täte. Darüber reden wir hier doch die ganze Zeit. Wenn ein Schüler Zweifel hat, dann sollte er nicht von außen ermutigt werden, weiter an Gott zu glauben. Das ist die Stelle, wo die christliche Missionierung passiert.

Raus damit aus unseren Schulen!
Meine Schwierigkeit mit dem Fach Ethik: Von wem bekommt denn ein Ethiklehrer seinen Lehrplan? Der Staat darf meines Erachtens keinen solchen aufstellen, da er seine Neutralität damit verletzen würde! Daher deligiert der Staat doch die moralisch-ethische Erziehung der Bürger u.a. an die Kirche.
Du würdest vermutlich dem zweifelnden Schüler mit der überlegenen Weltanschauung des Atheismus die Augen öffnen wollen, gell? :rolleyes: Weil Dein Hass auf alles Religiöse nicht einzusehen vermag, dass Zweifel durchaus zum Glauben gehört (wie Boesor und ElNonsk schon schrienen), muss das den Religionsunterricht nicht überflüssig machen: Der Relilehrer sollte dann Rat und aus dem Glauben Antworten geben, keine Zwangsmissionierung betreiben!
 
ElNonsk am 17.03.2007 12:32 schrieb:
Ich stelle deshalb die Gegenfrage: Kannst du mir jemanden zeigen, der, ohne „indoktriniert“ worden zu sein (um es mit deinen Worten zu sagen), zum Atheisten oder Agnostiker wurde?
Natürlich: Jedes Neugeborene ist erst mal Atheist. Jeder Mensch, der ganz ohne soziale Kontakte aufwuchs, ist Atheist.

Deshalb habe ich ja so darauf gepocht, dass man sich von den herkömmlichen Vorstellungen eines „Beweises“ trennt. Und wir haben dann auch entsprechend lange darüber diskutiert, oder etwa nicht?
Dir scheint aber entgangen zu sein, dass diese deine Sichtweise in diesem Thread noch immer nicht allgemein akzeptiert ist. Hieran krankt dein "Beweis" nach wie vor. Der Punkt der Wiederholbarkeit ist noch immer nicht entkräftet. Es bleibt ein Rest an Unterschiedlichkeit der beiden Wissenschaftsbereiche.

3. Eigentlich hatte ich nur deshalb von den Gottesbeweisen gesprochen, weil TheSinner, der bis jetzt nicht mehr aufgetaucht ist, behauptet hatte, dass es keine gäbe.
War das so? Ich weiß es nicht mehr. Aber ja: Es gibt ja auch keine Gottesbeweise, die die Bezeichnung Beweis verdient hätten. Alles Bisherige hier im Thread hatte entweder logische Fehler oder hatte keine Intersubjektivität.

Mir aber dann zu unterstellen, dass ich versuchen würde, Mitglieder der PCGames-Community zu „indoktrinieren“ oder ihnen meine Gedanken aufzuzwingen, ist absoluter Blödsinn und grenzt fast an eine absichtliche Verleumdung.
Moment! Das war dann ein Missverständnis. Was meine Enttäuschung und Erbostheit hervorrief, war nur das Niveau deines Textes, der halt genauso gut auch zum Missionieren von Naturvölkern geeignet wäre, nicht aber zum Überzeugen logisch denkender Mitteleuropäer. Ich wollte dir keine missionierende Absicht dahinter unterstellen, aber ich fand's irgendwie bezeichnend, dass nicht mehr dabei heraus kommt, wenn ein Christ versucht Gott zu beweisen.

ElNonsk am 17.03.2007 13:36 schrieb:
Da wollte mir aph aber nicht glauben, dass eine Theorie v. a. dann akzeptiert wird, wenn sie „schlicht“, „schön“ oder, um es mit deinen Worten zu sagen, „pragmatisch“ ist.
Also wirklich ... schlicht/schön und pragmatisch sind nicht dasselbe.

Es ging um Anwendbarkeit, nicht um Schönheit.

Da kann ich dir aber als Katholik zum einen ganz einfach dagegenhalten, dass nur die Kirche die Bibel auslegen kann/darf. *gg*
Zum anderen kann diese Argumentation auch auf jedes andere historische Schriftstück angewendet werden. Dort könnte ja auch jeder „etwas anderes lesen“. Dass dem nicht so ist, dafür sorgt (hoffentlich) die Geschichtswissenschaft. Im Falle der Bibel wäre dies die Theologie.
Wieso sollte das nur die Theologie sein können? Nur weil sich eine Wissenschaftsdisziplin ausschließlich eines Themas annimmt, bedeutet das nicht, dass andere Wissenschaftler das nicht mehr dürfen oder nicht kompetent dafür sind. Das wäre ja, als würde man nur noch jenen erlauben die DNA zu untersuchen, die von der Evolutionstheorie überzeugt sind. Nein nein ... gerade wenn es um Gegentheorien geht, musst du abweichende, nicht christliche Analysen der Bibel zulassen - gerade wenn es dir um ein annähernd wissenschaftliches Herangehen geht.

ElNonsk am 17.03.2007 13:02 schrieb:
Darf ich das umkehren und sagen: Man kann nicht behaupten, dass Logik zum Atheismus und Agnostizismus führt?
Doch: Wenn man sich dem Grundsatz verpflichtet, nur zu glauben, was man sieht.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 16:34 schrieb:
Meine Schwierigkeit mit dem Fach Ethik: Von wem bekommt denn ein Ethiklehrer seinen Lehrplan? Der Staat darf meines Erachtens keinen solchen aufstellen, da er seine Neutralität damit verletzen würde! Daher deligiert der Staat doch die moralisch-ethische Erziehung der Bürger u.a. an die Kirche.
Du würdest vermutlich dem zweifelnden Schüler mit der überlegenen Weltanschauung des Atheismus die Augen öffnen wollen, gell? :rolleyes: Weil Dein Hass auf alles Religiöse nicht einzusehen vermag, dass Zweifel durchaus zum Glauben gehört (wie Boesor und ElNonsk schon schrienen), muss das den Religionsunterricht nicht überflüssig machen: Der Relilehrer sollte dann Rat und aus dem Glauben Antworten geben, keine Zwangsmissionierung betreiben!
Ich habe keine Hass auf alles Religiöse. (Weiß gar nicht, wieso manche darauf kommen. *g*) Und nein: Ich könnte dem Schüler sehr wohl Rat und Halt geben, ohne das Neutralitätsgebot zu verletzen. Es gibt genug Stoff, den man im Unterricht behandeln könnte, und man könnte den Schülern die Gedankengänge aufzeigen, die zu der ein oder anderen Einstellung führen können. Das würde ausreichen, um sie zu ihren eigenen Überzeugungen kommen zu lassen. Und mehr braucht der Staat nicht erreichen.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 16:31 schrieb:
Nach dieser Definiton ist "De bello Gallico" von Cäsar ebenso wenig ein historischer Gegenstand wie Platons "Apologie" oder die Berichte von Flavius Josephus über die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. Alles Werke, die nur in Abschrift vorliegen- und deswegen unhistorisch?

Würde ich so nicht sagen. Klar - es ist in diesen Fällen schwieriger nachzuweisen, dass die darin beschriebenen Ereignisse wirklich stattgefunden haben (wobei es leicht ist, sowas wie die Zerstörung einer Stadt auch mit anderen Quellen oder Funden zu untermauern).

Aber diese Werke berichten ja auch nicht von übernatürlichen Ereignissen, daher ist es kein Wunder, wenn an die Bibel höhere Ansprüche gestellt werden, wenn man sie wissenschaftlich als Zeugnis von historischen Ereignissen anerkennen will. Man darf dabei nicht die Art der bezeugten Ereignisse außer acht lassen.
 
aph am 17.03.2007 16:55 schrieb:
Ich habe keine Hass auf alles Religiöse. (Weiß gar nicht, wieso manche darauf kommen. *g*) Und nein: Ich könnte dem Schüler sehr wohl Rat und Halt geben, ohne das Neutralitätsgebot zu verletzen. Es gibt genug Stoff, den man im Unterricht behandeln könnte, und man könnte den Schülern die Gedankengänge aufzeigen, die zu der ein oder anderen Einstellung führen können. Das würde ausreichen, um sie zu ihren eigenen Überzeugungen kommen zu lassen. Und mehr braucht der Staat nicht erreichen.
Sorry, aph, aber gerade Dir werde ich sicher keine weltanschauliche Neutralität zubilligen. Atheismus ist eine Weltanschauung, und ich bin mir sicher, Du würdest, solltest Du Ethik oder Lebenskunde o.ä. unterrichten, ganz sicher in dieser Anschauung auf die (nicht nur zweifelnden) Schüler einwirken. Da ist mir doch ein Relilehrer lieber, er unterricht für seine und im Auftrag seiner Kirche, nicht für seine persönliche Eitelkeit, und ich merke wenigstens, wenn er indoktrinieren will ...
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 17:00 schrieb:
Sorry, aph, aber gerade Dir werde ich sicher keine weltanschauliche Neutralität zubilligen. Atheismus ist eine Weltanschauung, und ich bin mir sicher, Du würdest, solltest Du Ethik oder Lebenskunde o.ä. unterrichten, ganz sicher in dieser Anschauung auf die (nicht nur zweifelnden) Schüler einwirken. Da ist mir doch ein Relilehrer lieber, er unterricht für seine und im Auftrag seiner Kirche, nicht für seine persönliche Eitelkeit, und ich merke wenigstens, wenn er indoktrinieren will ...

Das werden wir wohl nicht herausfinden. Ich empfinde Atheismus nicht als Weltanschauung. Ohne Leute, die behaupten es gäbe Gott, wäre ich kein Atheist.

Ich würde die Schülern nicht beeinflussen. Ich finde es schade, dass du mir sowas unterstellst.
 
aph am 17.03.2007 16:58 schrieb:
Doc_Holiday am 17.03.2007 16:31 schrieb:
Nach dieser Definiton ist "De bello Gallico" von Cäsar ebenso wenig ein historischer Gegenstand wie Platons "Apologie" oder die Berichte von Flavius Josephus über die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. Alles Werke, die nur in Abschrift vorliegen- und deswegen unhistorisch?

Würde ich so nicht sagen. Klar - es ist in diesen Fällen schwieriger nachzuweisen, dass die darin beschriebenen Ereignisse wirklich stattgefunden haben (wobei es leicht ist, sowas wie die Zerstörung einer Stadt auch mit anderen Quellen oder Funden zu untermauern).

Aber diese Werke berichten ja auch nicht von übernatürlichen Ereignissen, daher ist es kein Wunder, wenn an die Bibel höhere Ansprüche gestellt werden, wenn man sie wissenschaftlich als Zeugnis von historischen Ereignissen anerkennen will. Man darf dabei nicht die Art der bezeugten Ereignisse außer acht lassen.
Wie oft denn noch: Die Bibel ist kein Geschichtsbuch und versteht sich auch gar nicht als solches (auch, wenn einzelne Ereignisse archäologisch belegt werden können)! Sie ist -grob gesagt- ein Erfahrungsbericht der Menschen mit Gott und erhebt nicht den Anspruch auf historische Faktizität. Aber in ihrer Darstellung der Personen ist sie wesentlich schonungsloser als jeder andere Hofberichterstatter der damaligen (oder gegenwärtigen) Zeit- warum also glaube ich den Aufzeichungen über Julius Cäsar mehr, als denen über König David?
 
aph am 17.03.2007 17:03 schrieb:
Doc_Holiday am 17.03.2007 17:00 schrieb:
Sorry, aph, aber gerade Dir werde ich sicher keine weltanschauliche Neutralität zubilligen. Atheismus ist eine Weltanschauung, und ich bin mir sicher, Du würdest, solltest Du Ethik oder Lebenskunde o.ä. unterrichten, ganz sicher in dieser Anschauung auf die (nicht nur zweifelnden) Schüler einwirken. Da ist mir doch ein Relilehrer lieber, er unterricht für seine und im Auftrag seiner Kirche, nicht für seine persönliche Eitelkeit, und ich merke wenigstens, wenn er indoktrinieren will ...

Das werden wir wohl nicht herausfinden. Ich empfinde Atheismus nicht als Weltanschauung. Ohne Leute, die behaupten es gäbe Gott, wäre ich kein Atheist.
Als was dann?

Ich würde die Schülern nicht beeinflussen. Ich finde es schade, dass du mir sowas unterstellst.
Deine Äußerungen in dieser (und anderen Debatten zu diesem Thema, die ich verfolgt habe), lassen mich zu diesem Schluss kommen.
Vielleicht habe ich mich ungenau ausgedrückt: Ein Mensch kann nicht völlig neutral sein, nicht in einer Geisteswissenschaft: Der Mathematiker kann Dir neutral, ohne Gefühlsregung, Rechenregeln beibringen. Aber ein Relilehrer kann nicht emotionslos über Glaubensinhalte dozieren, zumindest dann nicht, wenn er ernstgenommen werden will.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 17:04 schrieb:
Wie oft denn noch: Die Bibel ist kein Geschichtsbuch und versteht sich auch gar nicht als solches (auch, wenn einzelne Ereignisse archäologisch belegt werden können)! Sie ist -grob gesagt- ein Erfahrungsbericht der Menschen mit Gott und erhebt nicht den Anspruch auf historische Faktizität. Aber in ihrer Darstellung der Personen ist sie wesentlich schonungsloser als jeder andere Hofberichterstatter der damaligen (oder gegenwärtigen) Zeit- warum also glaube ich den Aufzeichungen über Julius Cäsar mehr, als denen über König David?
Weil du gläubig bist, nehme ich an. *g*
Naja, hier ging es aber auch gerade darum, ob man die Bibel als historisches Dokument betrachten kann. Du verneinst das, ich auch. ElNonsk aber nicht.

Doc_Holiday am 17.03.2007 17:08 schrieb:
aph am 17.03.2007 17:03 schrieb:
Ich empfinde Atheismus nicht als Weltanschauung. Ohne Leute, die behaupten es gäbe Gott, wäre ich kein Atheist.
Als was dann?
Es bräuchte diese Bezeichnung überhaupt nicht, wenn es nicht Leute gäbe, die an übernatürliche Wesen glauben. Das kommt ja nicht von mir. Ich habe also gar keine Veranlassung, mich als Atheisten zu bezeichnen. Das dient nur der Unterscheidung zum Gläubigen.

Doc_Holiday am 17.03.2007 17:08 schrieb:
Aber ein Relilehrer kann nicht emotionslos über Glaubensinhalte dozieren, zumindest dann nicht, wenn er ernstgenommen werden will.
Glaubwürdig kann er das meines Erachtens eh nicht. *fg*
Aber Spaß beiseite: Ich habe ja gar nichts dagegen, wenn Relilehrer gläubigen Kindern helfen (naja, im Prinzip sehe ich da eine Beeinflussung). Aber das darf halt nicht in der Schule stattfinden, sondern in der Sonntagsschule in der Kirche. Da gehört das hin.

Es kann und ist nicht die Aufgabe des Staates, Schüler aus Steuermitteln in ihrem Glauben zu festigen.
 
aph am 17.03.2007 17:29 schrieb:
Es bräuchte diese Bezeichnung überhaupt nicht, wenn es nicht Leute gäbe, die an übernatürliche Wesen glauben. Das kommt ja nicht von mir. Ich habe also gar keine Veranlassung, mich als Atheisten zu bezeichnen. Das dient nur der Unterscheidung zum Gläubigen.

Puh,
Das Thema hast du ja vorher schon mal angesprochen. Du siehst den Menschen also als von Natur aus Ungläubig, erst die gesellschaftliche Prägung führt den Menschen zu einem Glauben?

Das finde ich nicht sonderlich überzeugend. Gibt es überhaupt eine Kultur, die nicht an eine höhere Instanz glaubt? Gibt es Menschen, die ihre Werte nicht auf ein höheres Prinzip zurückführen?

Das geht für mich alles darauf zurück, dass der Mensch von Natur aus den Glauben an ein höheres Prinzip braucht. Auch wenn sich viele vom Glauben an das was sie Gott nennen distanzieren, suchen sie sich dann doch einen "Ersatzglauben". Sie glauben dann an die Wissenschaft, von der sie glauben sie könnte auf alles eine Antwort geben. Sie glauben an Demokratie, an Sozialismus, an Monarchie oder was auch immer. Sie suchen ein Prinzip auf das sie ihre Werte zurückführen - aber "Glaube" bleibt es im Grunde dennoch.
 
TBrain am 17.03.2007 18:05 schrieb:
Das Thema hast du ja vorher schon mal angesprochen. Du siehst den Menschen also als von Natur aus Ungläubig, erst die gesellschaftliche Prägung führt den Menschen zu einem Glauben?

Das finde ich nicht sonderlich überzeugend. Gibt es überhaupt eine Kultur, die nicht an eine höhere Instanz glaubt? Gibt es Menschen, die ihre Werte nicht auf ein höheres Prinzip zurückführen?

Das geht für mich alles darauf zurück, dass der Mensch von Natur aus den Glauben an ein höheres Prinzip braucht. Auch wenn sich viele vom Glauben an das was sie Gott nennen distanzieren, suchen sie sich dann doch einen "Ersatzglauben". Sie glauben dann an die Wissenschaft, von der sie glauben sie könnte auf alles eine Antwort geben. Sie glauben an Demokratie, an Sozialismus, an Monarchie oder was auch immer. Sie suchen ein Prinzip auf das sie ihre Werte zurückführen - aber "Glaube" bleibt es im Grunde dennoch.

Ich gebe zu, das ist ein interessantes Thema, das man wohl nicht abschließend beurteilen kann. Deinen Gedankengang kann ich jedoch nicht abnicken. Nur weil jede Gesellschaft Religion erfunden hat, heißt das nicht, dass der Mensch das braucht. Wie gesagt: Ein einzelner Mensch scheint Gott nicht zu erfinden. Wie ich schon ein paar Seiten vorher erläuterte, entsteht Religion oder der Glaube an verantwortliche Geister stets in Gesellschaften.

Dahinter stecken jeweils zwischenmenschliche Bedürfnisse:
- Der Schamane will seinen Angehörigen mit Erklärungen helfen in ihrer Verwirrtheit.
- Der Schamane will Ansehen erringen, weil er Dinge erklären kann.
- Der Schamane will kostenlos essen, indem er behauptet, man müsse ihm etwas opfern, um die Götter zu beruhigen.

Was mich betrifft: Ich finde diese Motive absolut ausreichend, um das Entstehen von Religionen in sozialen Umgebungen zu erklären.

Und wie ich schon mal sagte: Der Mensch neigt dazu, einfache, abschließende Erklärungen zu akzeptieren. Das erklärt den Siegeszug dieser Phantasien.

PS: Ich stimme auch nicht deiner These zu, dass man einen Ersatzglauben braucht. Ich habe keinen. Und ich führe meine Werte auch nicht auf ein höheres Prinzip zurück
 
aph am 17.03.2007 17:29 schrieb:
[...]
Es kann und ist nicht die Aufgabe des Staates, Schüler aus Steuermitteln in ihrem Glauben zu festigen.
Schön, dann möchte ich auch den Reli-Ersatzunterricht verboten wissen, denn Atheismus oder Humanismus oder was auch immer man für eine Weltanschauung (und ich bleibe dabei, auch den Atheismus darunter zu fassen) bzw. Normen und Werte unterrichtet, unterscheidet sich demnach nicht von Religion: Es wird Einfluss auf den Menschen genommen, auch der aufgeklärteste, neutralste, areligiöseste Pädagoge nimmt mit seinem Fach "Lebenskunde" o.ä. Einfluss und lehrt die Kinder u.U. das, was ich, ebenfalls Steuerzahler, vehement ablehne.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:11 schrieb:
Schön, dann möchte ich auch den Reli-Ersatzunterricht verboten wissen, denn Atheismus oder Humanismus oder was auch immer man für eine Weltanschauung (und ich bleibe dabei, auch den Atheismus darunter zu fassen) bzw. Normen und Werte unterrichtet, unterscheidet sich demnach nicht von Religion: Es wird Einfluss auf den Menschen genommen, auch der aufgeklärteste, neutralste, areligiöseste Pädagoge nimmt mit seinem Fach "Lebenskunde" o.ä. Einfluss und lehrt die Kinder u.U. das, was ich, ebenfalls Steuerzahler, vehement ablehne.

Du irrst dich, denn es wird keine Anschauung bevorzugt. Es wird über alle gleichberechtigt berichtet, und der gute Pädagoge würde auch keine Beeinflussung vornehmen.
 
aph am 17.03.2007 20:25 schrieb:
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:11 schrieb:
Schön, dann möchte ich auch den Reli-Ersatzunterricht verboten wissen, denn Atheismus oder Humanismus oder was auch immer man für eine Weltanschauung (und ich bleibe dabei, auch den Atheismus darunter zu fassen) bzw. Normen und Werte unterrichtet, unterscheidet sich demnach nicht von Religion: Es wird Einfluss auf den Menschen genommen, auch der aufgeklärteste, neutralste, areligiöseste Pädagoge nimmt mit seinem Fach "Lebenskunde" o.ä. Einfluss und lehrt die Kinder u.U. das, was ich, ebenfalls Steuerzahler, vehement ablehne.

Du irrst dich, denn es wird keine Anschauung bevorzugt. Es wird über alle gleichberechtigt berichtet, und der gute Pädagoge würde auch keine Beeinflussung vornehmen.
Tut mir leid, aber das glaube ich nicht! Ich hätte größte Bedenken, einem überzeugten Atheisten mein Kind zur moralisch-ethischen Erziehung anzuvertrauen- und zwar nicht, weil er eventuelle Zweifel an Gott und Religion nähren könnte.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:28 schrieb:
Tut mir leid, aber das glaube ich nicht! Ich hätte größte Bedenken, einem überzeugten Atheisten mein Kind zur moralisch-ethischen Erziehung anzuvertrauen- und zwar nicht, weil er eventuelle Zweifel an Gott und Religion nähren könnte.
Sondern?
 
aph am 17.03.2007 20:31 schrieb:
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:28 schrieb:
Tut mir leid, aber das glaube ich nicht! Ich hätte größte Bedenken, einem überzeugten Atheisten mein Kind zur moralisch-ethischen Erziehung anzuvertrauen- und zwar nicht, weil er eventuelle Zweifel an Gott und Religion nähren könnte.
Sondern?
Weil ich erhebliche Zweifel an der Neutralität eines solchen Lehrers hätte. Meiner Erfahrung nach ist die Gefahr einer Indoktrination von Überzeugungen unter sog. aufgeklärten Atheisten nahezu so hoch wie bei den christlichen Missionaren in den USA (Evangelikale)- der Atheismus als Heilslehre des mündigen Menschen ...
Ich möchte, dass mein Kind in den Religionsunterricht kommt, um Fragen der Moral zu erörtern und entsprechend geschult zu werden, aber auch, um etwas über den Glauben, die Kirche zu erfahren, und zwar einem Lehrer, der ebenfalls daran glaubt (alles andere bringt nichts). Glaube lebt vom Zeugnis anderer, nicht von Theorien und Lehren.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:37 schrieb:
Weil ich erhebliche Zweifel an der Neutralität eines solchen Lehrers hätte. Meiner Erfahrung nach ist die Gefahr einer Indoktrination von Überzeugungen unter sog. aufgeklärten Atheisten nahezu so hoch wie bei den christlichen Missionaren in den USA (Evangelikale)- der Atheismus als Heilslehre des mündigen Menschen
Du willst mir doch hoffentlich nicht weiß machen, dass ein religiöser Lehrer eher in der Lage wäre neutral zu sein? :o

Ich möchte, dass mein Kind in den Religionsunterricht kommt, um Fragen der Moral zu erörtern und entsprechend geschult zu werden, aber auch, um etwas über den Glauben, die Kirche zu erfahren, und zwar einem Lehrer, der ebenfalls daran glaubt (alles andere bringt nichts). Glaube lebt vom Zeugnis anderer, nicht von Theorien und Lehren.

Für ersten Grund ist ein Ethik-Lehrer 100% in der Lage, für zweiteren schick dein Kind gefälligst in die Kirche.

Eigentlich ganz klar unterscheidbar.
 
aph am 17.03.2007 20:50 schrieb:
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:37 schrieb:
Weil ich erhebliche Zweifel an der Neutralität eines solchen Lehrers hätte. Meiner Erfahrung nach ist die Gefahr einer Indoktrination von Überzeugungen unter sog. aufgeklärten Atheisten nahezu so hoch wie bei den christlichen Missionaren in den USA (Evangelikale)- der Atheismus als Heilslehre des mündigen Menschen
Du willst mir doch hoffentlich nicht weiß machen, dass ein religiöser Lehrer eher in der Lage wäre neutral zu sein? :o
Nein, aber von einem Reli-Lehrer erwarte ich das auch nicht. Von einem Ethik-Lehrer, so wie Du ihn charakterisierst, schon.

Ich möchte, dass mein Kind in den Religionsunterricht kommt, um Fragen der Moral zu erörtern und entsprechend geschult zu werden, aber auch, um etwas über den Glauben, die Kirche zu erfahren, und zwar einem Lehrer, der ebenfalls daran glaubt (alles andere bringt nichts). Glaube lebt vom Zeugnis anderer, nicht von Theorien und Lehren.
Für ersten Grund ist ein Ethik-Lehrer 100% in der Lage, für zweiteren schick dein Kind gefälligst in die Kirche.

Eigentlich ganz klar unterscheidbar.
Ohne Christentum keine Moral in unserer Gesellschaft. So einfach kann das sein. Und somit hat es selbstverständlich einen -auch bevorzugten- Platz in unserer Gesellschaft.
Ob es Dir gefällt oder nicht, der prägende Faktor für unser Verständnis von Menschenrecht und -würde war und ist das Christentum.

Und jetzt freue ich mich auf die Hasstiraden, die ob meiner Meinung zweifellos auf mich einbrechen werden.
 
Doc_Holiday am 17.03.2007 20:58 schrieb:
Ohne Christentum keine Moral in unserer Gesellschaft. So einfach kann das sein. Und somit hat es selbstverständlich einen -auch bevorzugten- Platz in unserer Gesellschaft.
Ob es Dir gefällt oder nicht, der prägende Faktor für unser Verständnis von Menschenrecht und -würde war und ist das Christentum.

Und jetzt freue ich mich auf die Hasstiraden, die ob meiner Meinung zweifellos auf mich einbrechen werden.
Nein, ich habe nur darauf gewartet, dass du diese disqualifizierende Begründung abgibst, damit ich weitere Argumente von dir ignorieren kann. ;)
 
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