• Aktualisierte Forenregeln

    Eine kleine Änderung hat es im Bereich Forenregeln unter Abschnitt 2 gegeben, wo wir nun explizit darauf verweisen, dass Forenkommentare in unserer Heftrubrik Leserbriefe landen können.

    Forenregeln


    Vielen Dank

Amerika, Amerika, und am 6. Tag ...

Boesor am 16.03.2007 17:32 schrieb:
Religionsunterricht ist kein Geschichtsunterricht, du kannst nicht einfach erzählen wie es "nach der christlichen Lehre" gewesen ist.
Damit wirst du den Fragen der Schüler, welche unweigerlich kommen werden, nicht gerecht.
Und das im Religionsunterricht davon ausgegangen wird das es Gott gibt und somit der Lehrer auch an Gott glauben muss(sollte) ist auch klar und liegt nunmal im Wesen des Religionsunterrichts. Daher gibt es ja auch die Möglichkeit sich abzumelden.
Nein, das finde ich nicht in Ordnung. Es sollte nicht in einem Schulfach welcher Art auch immer, für das Steuergelder ausgegeben werden, von Gottes Existenz "ausgegangen" werden. Welche Fragen würden denn bitte von Schülern kommen, die man nur mit einer solchen Exposition beantworten könnte? "Liebt mich Gott?"?

Ich zitiere mal eben aus dem Buch "Didaktik des Religionsunterrichts" zur Begründnung des RU
"Der Religionsunterricht trägt zu einer humanen Schule bei, vermittelt Schlüsselqualifikationen, dient der Integration der versch. Kulturen und der Bildungsaufgabe der Schule, weil er den Schülerinnen und Schülern Hilfe zur Menschwerdung anbietet."
Wenn das der Zweck ist, dann ist besagtes Fach Ethik/Religion 1. besser geeignet, 2. absolut ausreichend. Ein gläubiger Lehrer ist zur Erfüllung dieser Zeile nicht nötig.

Ich denke, gerade der letzte Punkt ist im besonderen Maße nur durch den RU zu leisten.
Bitte? Ich hoffe du meinst nicht den Punkt Menschwerdung, sonst werd ich boeser! ;)

Zur anderen Frage: Ein Lehrer kann nicht immer objektiv sein, aber er muss in der Lage sein auch abweichende Meinungen zu erörtern, ohne sie zu diffamieren. Und er muss seinen Schülern auch klar machen, dass sie ihm nicht immer Glauben schenken sollen.
Ich bin mir sicher, ich könnte an Religion interessierten Schülern alle Fragen beantworten (mit entsprechender vorangegangener Lektüre versteht sich).
 
ElNonsk am 16.03.2007 17:57 schrieb:
Doch schon die pure Existenz eines Buches ist ein „Zeugnis“. Angenommen, wir haben keinerlei „Zeugnisse“ zum Leben Karls des Großen. Nun wird aber ein Schriftstück gefunden, das behauptet, dass Karl am 25. Dezember 800 zum Kaiser gekrönt wurde. So können wir daraus schließen, dass Karl existierst hat und dass er Kaiser wurde, es sei denn jmd. kann das Gegenteil beweisen.
Wie weit nun die Existenz eines Textes „Beweis“ oder „Zeugnis“ ist, ist eine andere Frage. Im Falle der Bibel gibt es aber sehr wohl eine Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, eben die Theologie.
Und nebenbei bemerkt: Das Neue Testament besteht aus 4 Evangelien, nicht einem.

Also stimmt es, dass die Weißen die Ureinwohner Amerikas sind, und Amerika das gelobte Land, und dass jeder Mann mehrere Frauen haben sollte? Steht alles in einem existierenden Buch. Beweis doch mal das Gegenteil? Kannst du nicht? Na bitte - also stimmt es.
 
aph am 16.03.2007 14:42 schrieb:
Boesor am 16.03.2007 13:32 schrieb:
er bietet eine Orientierung an, zum einen natürlich in ethischen moralischen Fragen (was natürlich auch ein anders genannter Unterricht z..B. Ethik könnte).
aber in unserer Gesellschaft ist es nunmal so das man mit Gott, bzw dem Glauben an Gott konfrontiert wird, dass lässt sich nicht vermeiden und soll auch nicht vermieden werden.
Und für die dadurch aufkommenden Fragen bietet der Unterricht ebenfalls eine Orientierung.

Aber warum gibt's von christlicher und konservativer Seite dann immer so einen Aufstand, wenn Brandenburg oder Berlin statt Reli halt Ethik/Religion einführen? Nach deiner Beschreibung ist das die perfekte Unterrichtsform für die genannten Ziele.
Weil sich der Staat zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet und die Erziehung seiner Bürger in diesen Belangen in die Händer der Kirche gelegt hat. Der Kirche geht es in ihrer Kritik eben genau darum, dass der Staat mit diesem Lebenskunde-Schulfach in Brandenburg diese Neutralität verletzt. Daher wohl auch die bald anfallenden Verfassungsklagen gegen diesen Unterricht.
Aber aph: Ich stimme Dir zu, der Reliunterricht, der zur Zeit gehalten wird, sollte tatsächlich abgeschafft werden und durch Philosophie o.ä. ersetzt werden- nur fordere ich dies vermutlich aus anderen Motiven als Du: Der Lehrplan ist eine Katastrophe und produziert fast so viele Atheisten wie ein Theologiestudium!
Worüber redet man denn im Reliunterricht bis zur Oberstufe? Über Buddhismus und Hinduismus, warum Drogen schlecht sind, ein wenig über den Islam und dann wieder vom Buddhismus. Vom Glauben an Gott oder Christus oder seiner Kirche keine Spur. So wichtig diese Themen wie andere Religionen etc. auch sind, aber wie kann ich mir Gedanken über andere Werte- und Religionssysteme machen, wenn ich nicht mal die Position meiner Religion, meiner Kirche, kenne? Was in unseren Schulen in Reli gelehrt wird ist, bestenfalls, mit zwei zugedrückten Augen, vergleichende Religionswissenschaft!
Ich bin sicher nicht dafür, die Kinder wie früher den Katechsimus oder -Gott bewahre!- den CIC auswendig lernen und Bibelverse rezitieren zu lassen. Aber es sollte doch wohl nicht zu viel verlangt sein, sich ein wenig mit Kirchengeschichte, ihrem Selbstverständnis, ihrer Heilslehre usf. zu befassen, bevor man in die Oberstufe kommt, denn dann ist es zu spät und Reli dient bestenfalls noch als Fach zum Ausgleich der 5 in Geschichte.
Der Religionsunterricht muss dringend reformiert werden, in seiner jetzigen Form hat er meiner Meinung nach keine größere Daseinsberechtigung.
 
Doc_Holiday am 16.03.2007 18:53 schrieb:
Weil sich der Staat zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet und die Erziehung seiner Bürger in diesen Belangen in die Händer der Kirche gelegt hat. Der Kirche geht es in ihrer Kritik eben genau darum, dass der Staat mit diesem Lebenskunde-Schulfach in Brandenburg diese Neutralität verletzt.

Warum gibt es dann überhaupt Religionsunterricht an staatlichen Schulen? Um mal den Bogen zum Thread-Titel zu spannen: in den USA gibt es Aufgrund der Trennung von Staat und Religion staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht. Sind die USA etwa in der Richtung fortschrittlich im Vgl. zu uns?


Aus meiner Erfahrung mit dem Religionsunterricht muss ich sagen, dass ich ihn für 10x nützlicher halte als Ethik-Unterricht. Gerade das was man über andere Religionen lernt finde ich sehr wichtig.
 
TBrain am 16.03.2007 19:10 schrieb:
Doc_Holiday am 16.03.2007 18:53 schrieb:
Weil sich der Staat zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet und die Erziehung seiner Bürger in diesen Belangen in die Händer der Kirche gelegt hat. Der Kirche geht es in ihrer Kritik eben genau darum, dass der Staat mit diesem Lebenskunde-Schulfach in Brandenburg diese Neutralität verletzt.

Warum gibt es dann überhaupt Religionsunterricht an staatlichen Schulen? Um mal den Bogen zum Thread-Titel zu spannen: in den USA gibt es Aufgrund der Trennung von Staat und Religion staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht. Sind die USA etwa in der Richtung fortschrittlich im Vgl. zu uns?
Weil der Staat dennoch ein Interesse daran hat, ethisch handelnde Bürger zu bekommen, er aber selbst nicht erzieherisch einwirken darf. Die USA sehe ich das sicher nicht als Vorbild, Frankreich ebenso wenig.

Aus meiner Erfahrung mit dem Religionsunterricht muss ich sagen, dass ich ihn für 10x nützlicher halte als Ethik-Unterricht. Gerade das was man über andere Religionen lernt finde ich sehr wichtig.
Ethik-Unterricht, so wie ich ihn erlebt habe, besteht daraus, einen Artikel aus der "Zeit" oder, schlimmstenfalls, der "taz" zu lesen, der sich mit moralischen Problemen der aktuellen Tagespolitik befasst und dann darüber zu debattieren (=ein Schüler redet mit dem Lehrer). Das kann es sicher auch nicht sein, aber wenn man dem Reliunterricht nur als vergleichende Religionswissenschaft sieht, braucht man ihn eigentlich gar nicht, denn das Fach Ethik kann dies sicher ebenso gut leisten.
 
Doc_Holiday am 16.03.2007 18:53 schrieb:
Weil sich der Staat zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet und die Erziehung seiner Bürger in diesen Belangen in die Händer der Kirche gelegt hat. Der Kirche geht es in ihrer Kritik eben genau darum, dass der Staat mit diesem Lebenskunde-Schulfach in Brandenburg diese Neutralität verletzt. Daher wohl auch die bald anfallenden Verfassungsklagen gegen diesen Unterricht.

Ich freue mich über deine teilweise Zustimmung, auch wenn sie anders motiviert ist, aber ...

Weltanschauliche Neutralität bedeutet nicht, dass man nicht über Religionen reden kann. Und ich glaube nicht, dass der Staat die Erziehung seine Bürger delegiert hat. Der Wunsch nach Religionsunterricht kommt doch von den Kirchen. Können sie ja gern machen ... aber halt nicht in der Schule!
 
aph am 16.03.2007 20:25 schrieb:
[...]
Weltanschauliche Neutralität bedeutet nicht, dass man nicht über Religionen reden kann.
Kein Widerspruch.

Und ich glaube nicht, dass der Staat die Erziehung seine Bürger delegiert hat.
Doch, hat er. Er darf, wie gesagt, keine Normen und Werte vermitteln.

Der Wunsch nach Religionsunterricht kommt doch von den Kirchen.
Nein, er kommt vom Staat!
 
Doc_Holiday am 16.03.2007 21:46 schrieb:
Und ich glaube nicht, dass der Staat die Erziehung seine Bürger delegiert hat.
Doch, hat er. Er darf, wie gesagt, keine Normen und werte vermitteln.
Kommt drauf an, was du unter vermitteln verstehst. Er zwingt ja die Kinder nicht, diese Werte zu übernehmen. Wenn es sich um staatsbürgerliche Pflichten handelt, sollte er das. Bei Werten wie Gleichberechtigung sollte er das auch.
Bei allem darüber hinaus kann er aber mindestens davon berichten, und es auch unterrichten. Nur halt mit dem Hinweis, dass dies keine Lehrmeinung ist, sondern von vielen Menschen so gesehen wird und vielleicht auch warum.

Nach deiner Definition dürfte er Relilehrern, die darüber hinaus gehen wollen, auch nicht den Zugang zu öffentlichen Schulen erlauben.

Der Wunsch nach Religionsunterricht kommt doch von den Kirchen.
Nein, er kommt vom Staat!

Nein, was du meinst, sind die Rechtfertigungsversuche christlicher Politiker für den Reli-Unterricht. Die wissen natürlich genau, dass es eigentlich nicht rechtens ist, den christlichen RL so zu bevorzugen. Aber es sind dieselben Politiker, die das Kreuz im Klassenraum verteidigen. Die sind für mich nicht relevant.

Ihre offizielle Begründung für RL, und das wissen sie ganz genau, wird durch den RL nicht erfüllt. Die offiziellen Ziele sind mit Ethikunterricht ebenso zu erreichen.
 
aph am 16.03.2007 21:53 schrieb:
Doc_Holiday am 16.03.2007 21:46 schrieb:
Und ich glaube nicht, dass der Staat die Erziehung seine Bürger delegiert hat.
Doch, hat er. Er darf, wie gesagt, keine Normen und Werte vermitteln.
Kommt drauf an, was du unter vermitteln verstehst. Er zwingt ja die Kinder nicht, diese Werte zu übernehmen. Wenn es sich um staatsbürgerliche Pflichten handelt, sollte er das. Bei Werten wie Gleichberechtigung sollte er das auch.
Bei allem darüber hinaus kann er aber mindestens davon berichten, und es auch unterrichten. Nur halt mit dem Hinweis, dass dies keine Lehrmeinung ist, sondern von vielen Menschen so gesehen wird und vielleicht auch warum.
Der Staat möchte aufgeklärte, mündige und vor allem ethisch-moralische Bürger haben, ich denke, darüber dürften wir uns einig sein. Selber zu solchen erziehen darf der Staat seine Bürger aber nicht, das erledigen zuerst mal die Eltern, dann die Lehrer. Natürlich greift der Staat ein, wenn gewisse staatliche Normen und Werte, kurz: Gesetze, überschritten werden. Aber nicht vorher.

Nach deiner Definition dürfte er Relilehrern, die darüber hinaus gehen wollen, auch nicht den Zugang zu öffentlichen Schulen erlauben.
Religionsunterricht sollte noch viel mehr bieten als bloße Staatsbürgerkunde. Die Schüler sollen etwas über ihre Religion erfahren, ihre Geschichte, ihre Lehre usf. Natürlich nicht in Form sturer Indoktrination.

Der Wunsch nach Religionsunterricht kommt doch von den Kirchen.
Nein, er kommt vom Staat!
Nein, was du meinst, sind die Rechtfertigungsversuche christlicher Politiker für den Reli-Unterricht. Die wissen natürlich genau, dass es eigentlich nicht rechtens ist, den christlichen RL so zu bevorzugen. Aber es sind dieselben Politiker, die das Kreuz im Klassenraum verteidigen. Die sind für mich nicht relevant.
Ich hätte nichts gegen islamischen oder jüdischen Religionsunterricht an deutschen Schulen (und die Kirche übrigens auch nicht!). Und gezwungen wird ja niemand, daran teilzunehmen, ein kurzes Schreiben des Schülers bzw. dessen Eltern reicht aus. Jede Schule hat Ersatzfächer für Reli anzubieten, etwa Ethik oder Philosophie.

Ihre offizielle Begründung für RL, und das wissen sie ganz genau, wird durch den RL nicht erfüllt. Die offiziellen Ziele sind mit Ethikunterricht ebenso zu erreichen.
Ich schrieb ja schon, dass der Reliunterricht mehr zum Ziel hat als Staatbürgerkunde.
 
aph am 16.03.2007 18:26 schrieb:
Bitte? Ich hoffe du meinst nicht den Punkt Menschwerdung, sonst werd ich boeser! ;)

Ach, ich weiß gar net warum wir eigentlich immer wieder davon anfangen.
Im religionsunterricht wird unter anderem über Gott geredet, jemand der selbst nicht an gott glaubt kann allerdings kaum entsprechende Antworten auf die immer wieder kehrenden Fragen der Heranwachsenden geben ("Warum lässt Gott das zu" etc.), zumindest nicht glaubwürdig.
Daher möchte ich höchste Zeifel anmelden das du im religionsunterricht "was zu suchen hättest"
Das magst du nicht ok finden, ist aber nicht nur von der Kirche, sondern auch vom Staat so gewollt.

Nochmal im Klartext: Der Religionslehrer ist nicht vom Fach distanziert, er glaubt an Gott weil er nur so die Inhalte des Unterrichts glaubwürdig vermitteln kann.
Wer das nicht gut findet kann sich abmelden, alle anderen dürfen sich durch den Input im Unterricht ihre Meinung bilden und hoffentlich ihren Weg zu Gott finden oder im anderen Fall für sich selbst begründet Gott, oder seine Existenz ablehnen.
Das ist in unserer Kultur ein Teil der Menschwerdung, da in unserer Kultur das, was wir Gott nennen, nunmal eine Rolle spielt.

Ich bin mir allerdings schon sicher das du auch das ablehnen wirst, aber so ist es nunmal.

Und da wir uns sowieso nur im Kreis drehen werden würde ich sagen wir setzen das schöne Thema Gott demnächst in einem anderen Thread fort, wir kommen ja eh immer wieder darauf!
 
aph am 14.03.2007 16:54 schrieb:
ElNonsk am 14.03.2007 16:34 schrieb:
So könnte man hier auch sagen, dass seine Mutter Monica, die in der Tat streng katholisch war, ihn zu diesem Schritt veranlasst hat. Oder, dass er gerade aus der Opposition zu seinem Vater, der bis kurz vor seinem Tod Heide war, Christ wurde.

Eben. Ich bezweifle ja auch nicht, dass es Leute gibt, die von sich behaupten, sie seien aus freien Stücken und aus Überzeugung Christ. Aber wie du schon selbst anmerkst, kann eine Beeinflussung nie ausgeschlossen werden. In deinem Fallbeispiel war Christentum schon weit verbreitet, und hat ihn mit Sicherheit beeinflusst. Mich würde auch interessieren, ob seine Beurteilung seiner Jugend als liderlich und verkommen erst später so ausfiel oder ob er sich schon währenddessen bewusst war, ziemlich unchristlich zu handeln.

Für mich hört sich die Story so an, als sei er ganz einfach ein besonders egoistisches Arschloch gewesen, der irgendwann beschloss, dass es so nicht weitergehen kann und daher Orientierung und Halt suchte.
Nun ja, als weit verbreitet, würde ich das Christentum von damals nicht bezeichnen. In Augustinus’ Jugendzeit fällt noch ein römischer Kaiser, der dem alten Götterglauben anhing. Die Beurteilung seiner Jugend fiel erst später so aus.

Was du aber von mir verlangst, ist unmöglich: Ich soll dir einen Menschen liefern, der ohne jede soziale Bindung war (obwohl, ein Beispiel aus der Geschichte gibt’s ja doch: Friedrich II soll angeblich einige Kinder von mehreren Ammen aufziehen lassen. Sie durften aber nicht zu den Kindern sprechen. Das Ende vom Lied: Die Kinder sind aufgrund mangelnder menschlicher Zuwendung frühzeitig gestorben. -> so schreibt zumindest Salimbene).
Ich stelle deshalb die Gegenfrage: Kannst du mir jemanden zeigen, der, ohne „indoktriniert“ worden zu sein (um es mit deinen Worten zu sagen), zum Atheisten oder Agnostiker wurde?
Es geht hier keinesfalls darum zu leugnen, dass das soziale Umfeld eine Rolle bei der Wahl einer Religion oder „Nichtreligion“ spielt. Du schiebst diesem aber die Hauptrolle zu: Und damit bin ich nicht einverstanden.
Weitere Beispiele, die mir spontan einfallen würden, wären ein buddhistischer Mönch, der zum Christentum konvertiert ist, sowie eine große Anzahl von Atheisten und Agnostikern. Aber wie gesagt, wenn man will, kann man immer das soziale Umfeld für „schuldig“ erklären. Deshalb warte ich erst auf die Beantwortung meiner Frage.


aph am 14.03.2007 16:54 schrieb:
Wir werden es nicht herausfinden. Nichtsdestotrotz bestärkt mich insbesondere deine Offenbarung in meiner Ansicht, dass logisches Denken nicht zu christlicher Religiösität führen kann. Ich hatte wirklich mehr erwartet. Von wem sonst, wenn nicht von dir - nach der Ankündigung!

Und noch immer sehe ich nichts als die Kernaussage "Du musst halt dran glauben." Na toll.

Verstehst du wirklich nicht, warum ich das so enttäuschend finde?
1. Ehrlich gesagt, nein. Ich hatte doch von Anfang an gesagt (und auch mehrmals wiederholt), dass man zum Glauben an Gott nur dann kommen kann, wenn man die „Beweise“ auch akzeptiert (es sei denn sie werden logisch widerlegt). Ich kann ja auch hundert „Beweise“ dafür anführen, dass die Erde keine Scheibe ist. Wenn du diese nicht akzeptieren willst, wirst du weiterhin auf deiner Position beharren. Über die Natur zwingender Beweise haben wir schon zuvor (und hetzt wieder) ausführlich diskutiert.
2. crackajack und du hatten von mir verlangt, dass ich „Beweise“ für den christlichen Gott erbringe. Ich weiß ja nicht, wie du dir das vorstellst, aber dass ich dabei auf die Bibel (was keineswegs rationales Denken ausschließt -> siehe dazu auch meine Antworten auf Meinereiners Argumente)zu sprechen gekommen wäre, war wohl offensichtlich. Willst du aber wieder zurück zum philosophischen Gott, kann ich dir wieder andere „Beweise“ präsentieren. Anbei bemerkt: Der philos. Gottesbeweis, den ich zuvor angeführt habe, ist in diesem Thread (meines Wissens) noch nicht widerlegt worden. Ehrlich gesagt, ist er meiner Ansicht nach aber eher ein Hinweis auf die Existenz Gottes, als ein „Beweis“. Da sind aber sämtliche hier angeführten „Beweise“. Wieso das so ist, liegt in der Natur des naturwissenschaftlichen bzw. historischen Beweises. Er ist nicht zwingend! Deshalb habe ich ja so darauf gepocht, dass man sich von den herkömmlichen Vorstellungen eines „Beweises“ trennt. Und wir haben dann auch entsprechend lange darüber diskutiert, oder etwa nicht?
3. Eigentlich hatte ich nur deshalb von den Gottesbeweisen gesprochen, weil TheSinner, der bis jetzt nicht mehr aufgetaucht ist, behauptet hatte, dass es keine gäbe. Ich hätte sie also auch rein aus rein historischer Sicht und ohne weiteren Kommentar aufzählen können, aber das wäre ja nicht lustig gewesen … *gg*
Mir aber dann zu unterstellen, dass ich versuchen würde, Mitglieder der PCGames-Community zu „indoktrinieren“ oder ihnen meine Gedanken aufzuzwingen, ist absoluter Blödsinn und grenzt fast an eine absichtliche Verleumdung. Mir könnte das eigentlich egal sein, das Problem dabei ist aber, dass die gesamte Diskussion unter diesen unberechtigten Vorwürfen leidet. Wenn du meine Person verunglimpfen willst, mach bitte einen eigenen Thread auf, und schreib dort was du von mir denkst. Sachliche Gegenargumentationen zu dem, was ich schreibe, sind hingegen in diesem Thread hochwillkommen.
War diese ganzen Vorwürfe aber nur ironisch gemeint, so bitte ich um Entschuldigung, bitte aber auch, dass sie in Zukunft besser gekennzeichnet werden.
So, bevor du jetzt im Affekt antwortest, bitte kurz durchatmen und überlegen, ob ich mit dem hier geschriebenen nicht doch (zumindest ein kleines bisschen *g*) Recht habe.

P. S.: Ich habe (zusätzliche zu meinem üblichen Zeitproblem) einige Routerprobleme. Wenn meine Antworten also etwas zeitverzögert erscheinen, die Technik hat Schuld *gg*! (jaja, oder der hinter dem Comp. sitzt *g*)
 
aph am 14.03.2007 17:36 schrieb:
TBrain am 14.03.2007 17:34 schrieb:
Demzufolge betrachtest du gläubige Menschen entweder als "dumm" oder als bösartig. Entweder sie sind zu "dumm" um nach "komplizierten" Antworten zu suchen (Anmerkung: Wenn "Gott" die Antwort ist, ist die Antwort dann wirklich die einfachere?) oder sie benutzen "Gott" um Macht über die "Dummen" ausüben zu können.

Man ist nicht gleich dumm, nur weil man aufhört gewisse Dinge zu hinterfragen. Für mich wär das nix, aber es ist ausgesprochen menschlich. Daher möchte ich das auch gar nicht negativ gewertet wissen. Es ist halt nur nicht möglich zu behaupten, Logik führe zu Gott.
Darf ich das umkehren und sagen: Man kann nicht behaupten, dass Logik zum Atheismus und Agnostizismus führt?
 
Meinereiner am 14.03.2007 19:20 schrieb:
@ElNonsk

Zum Thema Güte historischer und naturwissenschaftlicher Beweise/Theorien:

Wenn man Beweise lediglich als Verweise auf Tatsachen (für die Formalwissenschaften gilt das im übertragenen Sinne als Verweis auf Axiome und Schlussregeln) betrachtet, sind historische wie naturwissenschaftliche Beweise freilich gleich zu bewerten: nämlich als nutzlos, da sie gar nichts beweisen, ja nicht einmal Beweise sind. Hiervon ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu den durch die jeweiligen Beweise gestützten Theorien, über deren Wahrheitsgehalt wir aufgrund nutzloser Beweise ebenfalls nichts sagen können. Aus dieser Perspektive gilt dann freilich für jede Theorie, ob nun aus den Geschichtswissenschaften oder den Naturwissenschaften, dass sie gleich gut bewiesen sind: nämlich nicht.
Stimmt. Aber das habe ich ja auch geschrieben, oder nicht? Und wenn du nun „beweisen“ mit „hinweisen“ ersetzt, kommen wir auf den gemeinsamen Nenner.

Meinereiner am 14.03.2007 19:20 schrieb:
@ElNonsk
Wenn du allerdings die pragmatische Dimension mit einbeziehst (was in diesem Thread bisher, soweit ich das überblicken kann, noch nicht ernsthaft getan wurde), dann gibt es von Theorie zu Theorie Unterschiede. So ist z.B. die Theorie, dass die Erde etwa kugelförmig ist, gewiss nützlicher als diejenige, wonach sie eine Scheibe ist. Was wir aber über die Wahrheit der beiden Theorien wissen, das ist für beide noch immer dasselbe: nämlich nichts.

Da jedoch Anwendbarkeit (welche sich in der pragmatischen Dimension entfaltet) ebenso ein Kriterium für die Güte einer Theorie ist wie auch ihre Richtigkeit, kannst du nicht schreiben, dass historische Beweise bzw. Theorien genauso gut wären wie naturwissenschaftliche und dabei einzig auf die Möglichkeiten der Verifikation verweisen.

Sollte das hier in dem Thread doch schon irgendwo stehen, dann müssten wir die Zusammenfassung jetzt komplett haben. Oo

Siehe hier: http://www.pcgames.de/?menu=0901&s=thread&gid=81&bid=10&tid=4234796&page=29
Da wollte mir aph aber nicht glauben, dass eine Theorie v. a. dann akzeptiert wird, wenn sie „schlicht“, „schön“ oder, um es mit deinen Worten zu sagen, „pragmatisch“ ist.



Meinereiner am 14.03.2007 19:20 schrieb:
@ElNonsk
Das Problem ist aber, dass man nur von Störvariablen ausgehen kann, die zum Zeitpunkt des Experiments bekannt sind.

Freilich unterliegt man in naturwissenschaftlichen Experimenten dieser und noch vieler weiterer Einschränkungen; dennoch hat man mehr Möglichkeiten der Theoriebewährung als in den Geschichtswissenschaften, denn dort kann man nicht einmal bekannte Störvariablen kontrollieren, nur hinnehmen.
Welche Möglichkeiten der Theoriebewährung meinst du damit (die Wiederholbarkeit ist ja äußerst wackelig)?
Meinereiner am 14.03.2007 19:20 schrieb:
@ElNonsk
Stimmt, aber zumindest letzteres gilt auch für die Naturwissenschaften. Auch hier können plausible (und auch unplausible *g*)Theorien koexistieren.

Natürlich gibt es in den Naturwissenschaften unzählige koexistierende aber inkompatible Theorien, jedoch hat man in den Naturwissenschaften die Möglichkeit, Experimente zu entwickeln, um zwischen den Alternativen zu entscheiden. Diese Möglichkeit hat man in den Geschichtswissenschaften nicht: da muss man, wie schon erwähnt, hoffen, dass die Archäologen etwas für die Debatte brauchbares zutage fördern.
Da gebe ich dir Recht. Nur bleibt das Problem der Wiederholbarkeit; bzw. der Wandel von naturwissenschaftlichem zu historischen Beweis.

Stimmt, aber dasselbe Problem haben die Naturwissenschaften mit ihrer (notwendigen) Fixierung auf äußerst genaue Daten. Diese können nicht immer erbracht werden, ebenso wie manche Geschichtsquellen zuverlässiger als andere sind.

Man hat in den Naturwissenschaften jedoch die Möglichkeit, einfachere Hilfstheorien zu entwickeln oder den Versuchsaufbau zu ändern, sodass immer genügend Möglichkeiten bleiben, Theorien zumindest ansatzweise zu überprüfen. Die Geschichtswissenschaften können wieder nur auf die Archäologie hoffen.
Die Möglichkeit der Änderung des Versuchaufbaus basiert aber auf der Grundlage der Wiederholbarkeit des Versuchs. -> siehe oben
Einfachere Theorien können auch von den Geschichtswissenschaften entwickelt werden (sonst würden man sich doch gerade in dem Bereich nicht so sehr darüber streiten, wieweit z. B. die alten Hochkulturen waren). Überdies können sich die Geschichtswissenschaften auch auf die Psychologie verlassen (es sei denn du sprichst dieser ab, eine Wissenschaft zu sein *g*).

Ohne exakte Kriterien anführen zu können, dünkt es doch intuitiv einsichtig, dass die Naturwissenschaften in Sachen Methodik den Geschichtswissenschaften weit voraus sind.
Das würde ich nicht so ohne weiteres (u. a. aus den oben genannten Gründen) unterschreiben. Das Problem an der Sache ist vielleicht, dass wir eine Wertung durchführen. Wer kann schon sagen, ob ein bestimmtes verfälschtes Ergebnis bei einem naturwissenschaftlichem Experiment oder ein verfälschtes historisches Dokument größere Auswirkungen auf die daraus folgende Theorie hat?

Es geht ja nicht darum, wie stark sich falsche Ergebnisse (sprich Messfehler oder ungenaue historische Aufzeichnungen etc.) auf unsere Theorien auswirken, sondern darum, dass man in den Naturwissenschaften durch die Möglichkeit der Durchführung eines Experiments eine recht gute Methode zur Verfügung hat, Störvariablen unter Kontrolle zu halten. In den Geschichtswissenschaften muss man hingegen mit dem leben, was man zur Verfügung hat. Wenn der Physiker die Vermutung hat, dass der Ziegelstein in seinem Experiment gen Himmel fliegen wird, statt, wie es seine Theorie nahe legt, gen Erde, wenn unter dem Ziegelstein eine auf Hochbetrieb laufende Flugzeugturbine steht, kann er den Versuchsaufbau so gestalten, dass er sich von Flugzeugturbinen fernhält, um diese Störquelle zu eliminieren. Wenn der Historiker hingegen die Vermutung hat, dass in seiner antiken Schriftrolle nur darum eine AK-47 erwähnt wird, weil sich irgendwer mal einen Spaß erlaubt hat, so kann er die Zeit nicht einfach zurückdrehen. Er muss dann zusehen, ob er nicht in seinen andere Fundstücken Antworten findet.
Die Kontrolle von Störvariablen basiert aber immer auf der Annahme der Wiederholbarkeit wissenschaftlicher Experimente.
Das Geschichts- wie auch Naturwissenschaft bei der Überprüfung von Theorien mit argen Problemen zu kämpfen haben, ist freilich nichts überraschendes. Dennoch sollte man nicht den Fehler begehen, das Experiment zu unterschätzen: es ist vor allem der Praxis des Experimentierens zu verdanken, dass die Naturwissenschaften uns in so kurzer Zeit dahin gebracht haben, wo wir heute sind (im Positiven wie im Negativen). Wie wirr es in der Wissenschaft vor Bacon zuging, sollte dir als jemandem, der sich mit scholastischer Philosophie beschäftigt, bekannt sein.
Da hast du vollkommen Recht (aber überschätze nicht mein Wissen in Bezug auf die Scholastik *gg*, ich habe nichts studiert, nur ein bisschen gelesen).
Zum Thema Popper:

Danke für den ausführlichen Bericht. Mir hätte zwar schon eine kurze Quellenangabe gereicht, aber wenn ich es so haben kann, umso besser. :top:
 
Meinereiner am 14.03.2007 19:20 schrieb:
Ohne spitzfindig sein zu wollen, das „normalerweise“ steht in meinem Text nicht umsonst. Deine Kritik trifft hier ein nichtvorhandenes Ziel. Wozu sich also streiten? *gg*
Neben Frege gibt es noch viele weitere Fälle: Gödel selbst (aber da gibt’s glaublich unterschiedliche Ansichten), Giacomo Leopardi usw. Zur Norm würde ich diese Fälle aber trotzdem nicht erheben.

Jaja, der gute alte Joker in Klammern :P

Ich glaube, du unterschätzt hier zu sehr die Arbeit und das Herzblut, die bzw. das in einer Theorie steckt. Dass eine Theorie von Idee bis Fertigstellung schon einmal 20 Jahre braucht, ist keine Besonderheit. Wenn dann so eine knallharte Widerlegung dieser Theorie kommt, wie es die Gödelschen Unvollständigkeitssätze für das Programm der vollständigen Axiomatisierung der Mathematik waren, bleibt niemand, der an der entsprechenden Theorie gebastelt hat, unberührt. Um zu sehen, wie Leute darauf reagieren, wenn ihre Theorien angegriffen oder widerlegt werden, musst du nicht einmal viel suchen. Du hast bereits besagten Alvarez genannt, weitere Beispiele sind die Reaktionen, die Einstein und Planck mit ihren Theorien hervorbrachten und selbst in Internetforen wird mehr als deutlich, wie böse Leute werden können, wenn man ihre Theorien für falsch hält (und in Internetforen kann man noch nicht einmal behaupten, dass die Leute viel Herzblut und Arbeit in ihre Theorien stecken würden). Von einem reinen Beobachterstandpunkt kann man immer behaupten, dass doch nichts emotionales dabei sei, wenn eine Theorie widerlegt wird; von einem teilnehmenden Standpunkt aus wird hingegen deutlich, wie falsch das ist. Wie ich bereits schrieb: Du musst auf die Leute gucken, denen die fragliche Theorie nicht am Arsch vorbei geht.
Wenn ich mir aber deine Forderung zu Herzen nehme, verfälsche ich das Ergebnis eines Statistik, weil ich eine bestimmtes Ergebnis erzielen will (und darum geht es ja, wenn wir von „Norm“ sprechen).
Angenommen ich untersuche die Färbung von Schwanfedern. Als Ausgangspunkt nehme ich eine Herde von 100 Tieren. 90 Schwäne haben weiße Schwanzfedern, 10 Schwäne haben schwarze Federn. Nun mache ich eine Stichprobe mit 10 Testschwänen. Deinem Vorschlag nach müsste ich die 10 Tiere mit schwarzen Federn heraussuchen, um dann postwendend zu erklären, dass die Schwanzfedern von Schwänen in der Regel schwarz sind (in diesem Fall sogar zu 100%). In Wirklichkeit besitzen aber nur 10% der Schwäne schwarze Federn, während die übrigen weiß sind. Ich habe also das Ergebnis der Statistik verfälscht, weil ich auf ein bestimmtes Ergebnis „hingearbeitet“ habe.
Diese Fälle entsprechen also nicht der Norm. Weiters müsste (wie bereits zuvor schrieb) untersucht werden, ob ihre emotionalen Reaktionen wirklich mit den Forschungsergebnissen zu tun haben, oder ob es nicht andere Gründe dafür gibt (Minderwertigkeitskomplexe, usw.). Womit wir wieder bei dem wären, was ich bzw. du ebenfalls geschrieben haben. Man kann einen möglichen „Beweis“ akzeptieren und ablehnen, solange er nicht logischer/mathematischer Natur ist.

Nein, worum es geht, ist der historische „Beweis“, eben die Bibel (wozu hätte ich denn sonst den ganzen Schmarrn zu Beweisen & Co. geschrieben). Ich glaube, dass es offensichtlich ist, dass sie von Gott erzählt. Ebenso, dass sie einen intersubjektiven Charakter hat (inwieweit kann/soll in dieser Diskussion geklärt werden).

Die Bibel verletzt aber so ziemlich jedes Kriterium, was man mit einem Beweis verbindet, selbst das der Intersubjektivität: Sie kann zwar von jedem gelesen werden, aber jeder liest etwas anderes (das ist so ähnlich wie mit Heidegger :oink: ).
Da kann ich dir aber als Katholik zum einen ganz einfach dagegenhalten, dass nur die Kirche die Bibel auslegen kann/darf. *gg*
Zum anderen kann diese Argumentation auch auf jedes andere historische Schriftstück angewendet werden. Dort könnte ja auch jeder „etwas anderes lesen“. Dass dem nicht so ist, dafür sorgt (hoffentlich) die Geschichtswissenschaft. Im Falle der Bibel wäre dies die Theologie.
Die Intersubjektivität ist also sehr wohl gegeben.


Auch als historischer Beweis kommt die Bibel nicht mehr in Frage. Es ist zwar nicht entscheidbar, ob nun die Theorien, welche die Bibel ausbreitet, alternative Theorien aus Physik und Co. oder keine davon wahr sind, aber von einem pragmatischen Standpunkt aus ist die Bibel, was zumindest ihre Tauglichkeit für die Wissenschaften angeht, völlig überholt. Was in der Bibel steht, ist womöglich nicht falsch, aber es ist als wissenschaftliche Theorie schlichtweg unhandlich (und das liegt noch nicht einmal nur daran, dass sie im schlimmsten Maße metaphysisch ist).
Der pragmatische Standpunkt, den du nennst, geht aber davon aus, dass die Bibel naturwissenschaftliche Aussagen treffen will. Dem ist aber nicht so. Vielmehr soll das Leben Jesu und das Wirken Gottes dargestellt werden. Insofern kommt die Bibel als historischer Beweis weiterhin in Frage.


Was ich mit dem Schlusssatz meinte, ist, dass, auch wenn alles für die Existenz Gottes (oder vice versa) sprechen würde, es immer noch auf den Einzelnen ankommt, ob er an Gott glaubt bzw. glauben will oder nicht (eigentlich steht es ja auch so in deinem Text -> siehe oben).

Das stimmt natürlich und erinnert nicht von ungefähr an Sartres Bemerkung, wonach der Mensch zur Freiheit verdammt sei. Hier ist das Hauptproblem eben, dass wir gar nicht wissen, welche Eigenschaften Gott besitzt und das liegt freilich daran, dass wir uns auf einer bösartig metaphysischen Ebene bewegen: hier kann man keinen Beweis erwarten, der den Namen auch verdient. Insofern kannst du das Pferd vom Schwanze her aufzäumen und genau diesen Punkt stark machen, dass es einem zuletzt doch freigestellt ist, zu glauben, woran man will. Interessanter (siehe Reaktionen in diesem Thread) und auch von einem pragmatischen Standpunkt angebrachter ist es aber allemal, den "Beweis" am Anfang zu beginnen und diesen letzten, problematischen Punkt dann einfach offen zu lassen, denn so hättest du in jedem Falle wesentlich mehr gezeigt – nicht bewiesen zwar, aber gezeigt.
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Dass wir nicht alle Eigenschaften Gottes kennen, darin stimme ich mit dir vollkommen überein. Dass wir überhaupt keine kennen, sehe ich als Christ natürlich anders (Bibel -> Beschreibung vom Wirken Gottes). Aber da trifft sich wieder das Problem philosophischer Gott <-> christlicher Gott.
Zu „bewiesen“ und „gezeigt“: Ich glaube da treffen sich unterschiedliche Vorstellungen von Beweis. Bei dir sehe ich eher eine Verengung des Begriffs, bei mir eine Erweiterung. Im Grunde genommen trifft es aber dasselbe: Ich spreche hier von „Beweisen/Hinweisen“ auf Gottes Existenz. Ich habe nie behauptet, dass diese „zwingend“ sein würden (das liegt schon in der Natur der „Beweise/Hinweise“). Außerdem würde ich dann wohl kaum hier im PCGames-Forum darüber rumdiskutieren *gg*.
Es kommt eben darauf an, ob man dieses „Beweis/Hinweise“ annimmt oder nicht. Beides hat seine Berechtigung. Dann aber zu sagen, dass es irrational sei, wenn man an Gott glaubt, halte ich für falsch.
Zum letzten Punkt: Da stimme ich dir zu, aber geschehen ist nun mal geschehen.
 
aph am 15.03.2007 01:09 schrieb:
Boesor am 14.03.2007 20:54 schrieb:
Aber zum Glauben gehört auch immer Zweifeln
Kannst du das näher ausführen? Klingt für mich nach nem Widerspruch. Zweifeln zu dem Zwecke, sich seines Glaubens immer wieder zu versichern? Oder echte Verunsicherung?
Der Zweifel, der zum Glauben gehört, ist ganz natürlich. Das sag nicht nur ich so, sondern auch Papst Bendikt XVI. Ich zitiere noch einmal aus seinem Buch "Einführung in das Christentum", das er noch als Kardinal Ratzinger schrieb:

"Zunächst: Im Gläubigen gibt es die Bedrohung der Ungewissheit, die in Augenblicken der Anfechtung mit einem Mal die Brüchigkeit des Ganzen, das ihm gewöhnlich so selbstverständlich scheint, hart und unversehens in Erscheinung treten lässt."
[...]
So wie also der Gläubige sich fortwährend durch den Unglauben bedroht weiß, ihn als seine beständige Versuchung empfinden muss, so bleibt dem Ungläubigen der Glaube Bedrohung und Versuchung seiner scheinbar ein für allemal geschlossenen Welt. Mit einem Wort – es gibt keine Flucht aus dem Dilemma des Menschseins. Wer der Ungewissheit des Glaubens entfliehen will, wird die Ungewissheit de Unglaubens erfahren müssen, der seinerseits doch nie endgültig gewiss sagen kann, ob nicht doch der Glaube die Wahrheit sei. Erst in der Abweisung wird die Unabweisbarkeit des Glaubens sichtbar.
[…]
Niemand kann dem andern Gott und sein Reich auf den Tisch legen, auch der Glaubenden sich selbst nicht. Aber wie sehr sich auch der Unglaube dadurch gerechtfertigt fühlen mag, es bleibt ihm die Unheimlichkeit des „Vielleicht ist es doch wahr“. Das „Vielleicht“ ist die unentrinnbare Anfechtung, der er sich nicht entziehen kann, in der er in der Abweisung die Unabweisbarkeit des Glaubens erfahren muss. Anders ausgedrückt: Der Glaubende wie der Ungläubige haben, jeder auf seine Weise, am Zweifel und am Glauben Anteil, wenn sie sich nicht vor sich selbst verbergen und vor der Wahrheit ihres Seins. Keiner kann dem Zweifel ganz, keiner dem Glauben ganz entrinnen; für den einen wird der Glaube gegen den Zweifel, für den anderen durch den Zweifel und in der Form des Zweifels anwesend.“
 
aph am 16.03.2007 18:30 schrieb:
ElNonsk am 16.03.2007 17:57 schrieb:
Doch schon die pure Existenz eines Buches ist ein „Zeugnis“. Angenommen, wir haben keinerlei „Zeugnisse“ zum Leben Karls des Großen. Nun wird aber ein Schriftstück gefunden, das behauptet, dass Karl am 25. Dezember 800 zum Kaiser gekrönt wurde. So können wir daraus schließen, dass Karl existierst hat und dass er Kaiser wurde, es sei denn jmd. kann das Gegenteil beweisen.
Wie weit nun die Existenz eines Textes „Beweis“ oder „Zeugnis“ ist, ist eine andere Frage. Im Falle der Bibel gibt es aber sehr wohl eine Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, eben die Theologie.
Und nebenbei bemerkt: Das Neue Testament besteht aus 4 Evangelien, nicht einem.

Also stimmt es, dass die Weißen die Ureinwohner Amerikas sind, und Amerika das gelobte Land, und dass jeder Mann mehrere Frauen haben sollte? Steht alles in einem existierenden Buch. Beweis doch mal das Gegenteil? Kannst du nicht? Na bitte - also stimmt es.
Doch kann ich :-D
Anhand von DNA-Analysen schätzt man, dass die ersten „Siedler“ vor ca. 10.000 bis 20.000 Jahren, aus dem asiatischen Raum kommend, den amerikanischen Kontinent betreten haben.
Letzteres ist eine Forderung und kann somit gar nicht bewiesen werden.
Die Existenz eines Schriftstücks „beweist“ solange etwas, solange nicht historische Funde etwas anderes belegen können bzw. die Wissenschaft das Geschreibsel mit welchen Methoden auch immer als Fälschung enttarnen kann.
Wenn du behauptest, dass die Existenz eines „historischen Gegenstands“ nicht schon für einen wie auch immer gearteten „Beweis“ (über die Natur von Beweisen habe ich ja schon geschrieben) langt, entziehst du den Geschichtswissenschaften ihren Boden.
 
Meinereiner am 17.03.2007 01:13 schrieb:
@ElNonsk

http://www.karl-leisner-jugend.de/Gottesbeweise.htm

Du = Peter? :confused:

Maybe… *gg*

Nein im Ernst, ich habe die Website großzügig als Quelle benutzt und wollte sie am Ende der Diskussion als solche angeben (aber du hast mir ja jetzt meine Freude verdorben *ggg*). Das Zitieren am Anfang schien mir nicht angebracht, da dadurch mehr über bestimmte Themen der Quelle diskutiert worden wäre, die mit dem Inhalt dieser Diskussion wenig zu tun hat. In der Tat gibt’s auf der Website auch einige Punkte denen ich nicht zustimme. Das hätte unsere Diskussion noch weiter vom eigentlichen Thema entfernt. Wo ich also mit der Quelle übereinstimme, habe ich Inhalte übernommen, und solches, das mir nicht passte, habe ich modifiziert. Ich wollte eigentlich die meisten Partien ganz umschreiben, aber ich sollte ja unbedingt zum Stichdatum Ende Februar/Anfang März was vorweisen. Um die Diskussion nicht ganz versanden zu lassen (und da ich ja auch keine Facharbeit schreibe *g*) habe ich manche Passagen, denen ich mich anschließen kann, übernommen.

Anbei bemerkt: Wenn ich Peter wäre, glaubst du dann wirklich ich würde mich im I-net zu erkennen geben?
 
ElNonsk am 17.03.2007 14:56 schrieb:
Wenn du behauptest, dass die Existenz eines „historischen Gegenstands“ nicht schon für einen wie auch immer gearteten „Beweis“ (über die Natur von Beweisen habe ich ja schon geschrieben) langt, entziehst du den Geschichtswissenschaften ihren Boden.

Die Bibel ist kein historischer Gegenstand. Wenn du mir die Steintafel von Moses zeigen könntest, könnte man die ja wenigstens untersuchen. Aber von Jesus gibts auch nichts. Bibeln sind Abschriften von Abschriften von Abschriften von einer Sammlung von Schriften von Menschen.

Es gibt absolut keine Veranlassung, denen mehr zu glauben als einem Joseph Smith.
 
Boesor am 17.03.2007 00:14 schrieb:
Im religionsunterricht wird unter anderem über Gott geredet, jemand der selbst nicht an gott glaubt kann allerdings kaum entsprechende Antworten auf die immer wieder kehrenden Fragen der Heranwachsenden geben ("Warum lässt Gott das zu" etc.), zumindest nicht glaubwürdig.
Daher möchte ich höchste Zeifel anmelden das du im religionsunterricht "was zu suchen hättest"
Das magst du nicht ok finden, ist aber nicht nur von der Kirche, sondern auch vom Staat so gewollt.

Dann bin ich erneut der Meinung, dass der Staat das nicht wollen sollte, da es sein Neutralitätsgebot verletzt, wenn er sowas auf Kosten der Steuerzahler zulässt. Ein Ethiklehrer könnte die von dir genannte Frage beantworten. Was er nicht kann - und das finde ich wichtig: Er kann den zweifelnden Schüler nicht in seinem Glauben festigen, wenn der Zweifel an Gott hat. Und know what? Ich finde es absolut skanalös, wenn ein Lehrer das täte. Darüber reden wir hier doch die ganze Zeit. Wenn ein Schüler Zweifel hat, dann sollte er nicht von außen ermutigt werden, weiter an Gott zu glauben. Das ist die Stelle, wo die christliche Missionierung passiert.

Raus damit aus unseren Schulen!
 
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