Und ja, Ausländer in Deutschland sollten unsere Kultur respektieren, aber das bedeutet nicht, dass sie jetzt ihre eigene aufgeben sollen. Wenn ich nach Spanien ziehen würde, wäre ich auch immer noch Deutscher und würde gewisse Gepflogenheiten wohl beibehalten. Dass viele Frauen diese Kopftücher wohl eher durch den Zwang ihrer Männer, als durch wirkliche Überzeugung tragen, mag auch so sein.
Ob die ganze Debatte mit den Kopftüchern, Minaretten und Moscheen jetzt gut oder schlecht ist, will ich nicht beurteilen. Ich beschäftige mich einfach zu wenig mit dem Thema. Allerdings würden mich da mal Meinungen einiger Forenmitglieder hier interessieren, ein paar von diesen Herrschaften schätze ich nämlich sehr.
Das "Problem" ist, dass manche Gläubige eben die Symbole ihrer Religion unbedingt tragen wollen. Und wenn man es in der Schule verbietet, kommt das einem Berufsverbot gleich - und das geht wiederum auch nicht. Da kommen sich die Trennung von Staat und Religion mit der persönlichen Religionsfreiheit in die Quere. Und da wurde dann eben im Zweifel pro Individuum geurteilt, denn sicher ist auch die eine oder andere Kopftuch-Lehrerin nun wirklich keine Bedrohung des Staatsfriedens.
Um Kopftücher in der Öffentlichkeit, Minarette usw. geht es aber doch eh gar nicht, da kann kein klar denkender Mensch verlangen, dass hier lebende Moslems (von denen ja viele auch Deutsche sind) gefälligst christlich leben sollen und ihre Religion nicht öffentlich leben dürfen, wie es jede andere Religion auch darf.
Auf der anderen Seite will man aber in Schulen eben die Religion (bis auf den entsprechenden Unterricht) komplett raushalten, um die Kinder nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken. Da besteht wiederum u.a. die Sorge, dass eine Lehrerin mit Kopftuch oder auch ein jüdischer Lehrer mit Kipa durch ihre Vorbildfunktion bei manchen Kindern, deren Eltern sehr "streng" sind und das tragen eines Kopftuches / einer Kipa verlangen, dann den Eindruck vermitteln, dass man diese Symbole wirklich tragen MUSS - auch wenn die Lehrerin/Lehrer dies in Wahrheit völlig freiwillig machen. D.h. die Kinder wollen es eigentlich nicht tragen, aber wenn es sogar Frau Güngacz und her Silberstein machen, dann gehört sich das wohl so... also hat Papa Patriarch recht.
Das Dilemma ist eben, dass man es vor allem beim Kopftuch so krass sieht, weil es viele als "Zwang" wahrnehmen, dazu ist es ganz nebenbei alles andere als "Mode" . In den 50/60er Jahren zB haben auch viele deutsche Frauen Kopftuch getragen, und zwar weil man damals einfach nur schön fand - da wäre es gar nicht aufgefallen. Eine katholische Frau oder ein evangelischer Mann können das Kreuz aber problemlos auch verbergen, ohne gegen die religiösen Vorgaben zu verstoßen, an die sie glauben. Und wegen des angeblichen Zwangs: etliche tragen es auch völlig ohne Zwang, viele auch aus reiner Tradition, ist halt die "Mode" dort, wo sie herkommen. Und nur ein eher kleiner Teil wird wirklich gezwungen. Aber selbst da kann man dann fragen: ist das nicht bei vielen Christen, Juden oder Atheisten auch so? Die verlangen zwar nicht, dass ihre Tochter/Frau ein Kopftuch trägt, aber niemand wird doch wohl behaupten, dass es auch nicht da einige Familien gibt, bei denen die Frauen "freundlich ermahnt" werden, sich eher bieder und züchtig zu kleiden...