aph am 28.03.2007 12:34 schrieb:
ElNonsk am 26.03.2007 18:51 schrieb:
Wenn JEDER Zeuge (und so ist es in deinem Beispiel) behauptet, eine Person gesehen zu haben, diese aber mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften schildert, kann der Richter höchstens folgern, dass die Zeugen beschwippst waren, und Mann und Frau (*g*) nicht mehr so Recht unterscheiden konnten. Die Existenz der Person kann er aber nur von diesen Zeugenaussagen her kaum anzweifeln, umso mehr, als dann alle Zeugen dieselbe Halluzination gehabt hätten müssen (wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen -> aber es war immer eine Person - wieso denn nicht ein Baum, oder ein Eichkätzchen?)
Richtig - es kann auch ein Baum sein, oder gar nichts - sondern eine Luftverwirbelung im dunklen Sturm. Meinereiners Variante ist auch nicht schlecht, aber ich meinte schon, dass die Zeugen dieselbe Person gesehen haben wollen. Worauf ich hinaus wollte (und von dem ich nicht dachte, dass es so kompliziert zu verstehen ist): Wenn mit derselben Vehemenz ein offensichtlich falsches Detail behauptet wird, wie ein hauptsächlicher Fakt, dann gibt es einen Anlass, auch den "größeren" Fakt zu bezweifeln.
Ich wiederhole mich, aber es ist für mich ein Unterschied, ob man bezeugt:
"Da war ganz sicher jemand. Ich glaube es war ein kleiner Mann." oder:
"Da war absolut sicher ein kleiner Mann, und keine große Frau!"
Dehnen wir das Beispiel etwas aus, dann wird das Problem offensichtlicher.
Angenommen, es ist ein Mord geschehen. Wir haben zehn Zeugen dafür. Jeder dieser Zeugen behauptet nun etwas anderes in Bezug auf den Mörder. Der eine sagt, der Mörder war ein Mann, der andere es war eine Frau, wieder ein anderer es war ein Jugendlicher, indianischer Abstammung (Achtung, das ist nur ein Beispiel), wieder ein anderer sagt, dass es gar ein Baby war usw. (in jedem Fall war es nicht Kenny *gg*)
Alle Zeugen sind sich aber einig, dass sie eine Person gesehen haben.
Würde ein Richter nun deiner Argumentation folgen, müsste er davon ausgehen, dass es gar keinen Mörder gab (also möglicherweise Selbstmord). Ist es aber nicht offensichtlicher und plausibler, wenn der Richter davon ausgeht, dass es sehr wohl einen Mörder gab, dieser aber nicht richtig erkannt werden konnte, aus welchen Gründen auch immer (z. B. schlechtes Wetter, Mörder vermummt, schlecht einsehbare Stelle, an der der Mord geschah, Schatten usw.)?
Ich behaupte auch gar nicht, dass dies ein felsenfester "Beweis" (den es weder in den Naturwissenschaften noch in den Geschichtswissenschaften gibt, wie wir wissen) ist, sondern ein "indirekter Hinweis". Die Übereistimmung mit der Bibel ist weiterhin erstaunlich.
Nein, ich finde das extrem an den Haaren herbeigezogen. Was auch immer der Grund für ein vorübergehendes Verschwinden der Sekte aus der Öffentlichkeit war (und dafür gibt es zahlreiche plausible Gründe,und ich gehe da mit meinereiner, dass die pure Möglichkeit plausibler Erklärungen genügt) - es gibt keinerlei Hinweis, dass Tacitus' Anmerkung etwas mit Auferstehung zu tun hat. Ja, ich nehme an, dass er nicht mal denselben (relativ kurzen) Zeitraum meinte, sondern die Jahrzehnte darauf.
Es gibt sehr wohl einen Hinweis, eben diese erstaunliche Übereinstimmung mit dem Bibeltext. Ich verstehe aber auch gar nicht, was dich daran so stört, schließlich habe ich ja selbst gesagt, dass es maximal ein „indirekter Hinweis“ sein kann (in der Tat gäbe es hier auch andere plausible Erklärungen). Dem Argument, dass er einen längeren Zeitraum meint habe ich schon einige Seiten vorher, mein Gegenargument entgegengestellt, dass Tacitus den Ausdruck „praesens“ (für den Augenblick) verwendet, der auf einen kurzen Zeitraum hindeutet. Da du aber annimmst, dass er die Jahrzehnte darauf meinte, wirst du dafür wohl auch eine entsprechende Begründung (sei sie nun textimmanent, was ich aber bezweifle, oder außerhalb des Textes) vorweisen können, oder?
Ich sagte, PLAUSIBEL, nicht UNWAHRSCHEINLICHE HYPOTHESEN, DIE UNTER BESTIMMTEN NAHEZU UNMÖGLICHEN UMSTÄNDEN MÖGLICHERWEISE IRGENDWANN EINMAL EINTREFFEN KÖNNTEN UND DAS AUCH NOCH ZUR SELBEN ZEIT.
Nun schrei doch nicht gleich so. Ich verstehe nicht, was an Narzissmus, religiösem Wahn und/oder Massensuggestion unplausibel sein soll? Es gibt viel zu viele belegte Beispiele für sowas. Nach deiner Theorie hätten auch David Koresh (u.a.) und Timothy McVeigh den Tod meiden müssen, denn schließlich wussten sie, dass ihre Überzeugungen auf Lügen aufbauten.
Ich habe mich nur kurz im I-net zu David Koresh umgesehen. So viel ich mitbekommen habe, hat er sich
selbst umgebracht (und das auch noch bei der Erstürmung seiner Ranch). Inwiefern dies mit den christlichen Märtyrern zu tun hat, leuchtet mir nicht ein, eher hat er sich wohl aus Angst vor den ihn erwartenden Verfahren die Kugel gegeben (dabei wären seine Machenschaften offen bekannt gemacht worden). Wo ist der bitteschön für den eigenen Glauben gestorben?
Und inwiefern Timothy McVeigh für seinen Glauben gestorben ist, habe ich auch nicht kapiert. Er war ein Terrorist (?), der für in den USA hingerichtet wurde. Ich finde aber nirgendwo eine Stelle, die behauptet, dass er hingerichtet worden sei, weil er für seinen Glauben (den er ja selbst erfunden haben müsste) gestorben sei. Bitte näher erläutern.
Ich finde es aber bezeichnend für die bisherige Argumentation, dass die von mir genannten christlichen Märtyrer (die beileibe keine Einzelfälle sind), in die Nähe von Pädophilen/Mördern/Terroristen gerückt werden bzw. mit diesen verglichen werden. Inwiefern solch ein Vergleich plausibel ist, bleibt für mich schleierhaft.
Das konnte Galilei seine Zeitgenossen ebenfalls nicht oO
Und er hätte es bis heute nicht geschafft ... gäbe es nicht die Möglichkeit, eigenen Auges durch ein Fernrohr zu schauen oder seine Theorien auf andere Weise zu überprüfen.
Wobei wir wieder beim Unterschied der Wissenschaften wären. *freudig hüpf*
Es gab schon damals das Fernrohr (Galilei hat es eigentlich sogar nur neu erfunden). Trotzdem glaubte ihm der Großteil der damaligen Menschheit nicht.
Der Mensch glaubt eben nur das, was er glauben will, und er glaubt an das nicht, an das er nicht glauben will. (-> siehe Entscheidung für oder gegen Glauben)
ElNonsk am 26.03.2007 20:40 schrieb:
"Fabelwesen" fallen für mich unter die Kategorie "nicht-existent". Siehst du das anders? :-o
Es spricht derzeit nichts für sie, daher gehe ich
derzeit nicht von ihrer Existenz aus. Ich würde mich deshalb aber noch lange nicht als Anti-Fabelwesen-Weltanschauer bezeichnen. Gott und Religion erlangen für mich keine größere Bedeutung als ebenso nicht naheliegenderweise anzunehmende Existenzen, nur weil viele Menschen daran glauben.
Laut Wikipedia müsste man mich daher als Agnostiker oder Ignostiker bezeichnen, damit kann ich prima leben. Aber als solcher stehe ich ja dem Götterglauben auch nicht diametral entgegen, d. h. ich gehe in keiner meiner Betrachtungen von einer Nichtexistenz aus, wie hier gern behauptet wird.
Als Agnostiker müsstest du die Frage zu Gottes Existenz offen lassen. Dem scheint aber nicht so zu sein (Fabelwesen, „derzeitige“ Nicht-Existenz von Gott). Abgesehen davon, dass ich mir einen konsequenten Agnostiker gar nicht vorstellen kann. Entweder lebt er eher als Atheist (so wie du; dann ist der Agnostizismus nur vorgeschoben), oder er lebt eher als Gläubiger (dann ist der Agnostizismus ebenfalls nur vorgeschoben).
"Ich muss die Unendlichkeit nicht in ihrer Vollständigkeit denken (Zahlenbeispiel), aber ich kann sehr wohl den Fakt durchdenken, dass das Universum zeitlich unendlich ist."
Wie oft willst du Kant eigentlich noch wiederholen? Ich hab langsam das Gefühl, du willst oder kannst nicht verstehen, worum es damals in meinem Disput überhaupt ging. Ich bin jetzt auch zu faul, die entsprechenden Postings wieder hervorzukramen. Irgendwie empfinde ich es als Zumutung (auch an die Mitleser), Teile dieses Threads in einer Endlosschleife laufen zu lassen.
Setze einfach als Prämisse: "Der Mensch kann nicht ermessen, OB das Universum unendlich ist."
Damit gehst du nicht auf die Argumentation ein.
Da ich ebenso wenig Lust wie du habe, noch einmal bereits Besprochenes (und eigentlich Geklärtes) wieder hervorzuholen, lasse ich die (schon geplante) Wiederholung der bereits verfassten Posts aus. -> siehe auch unten
Occam's razor: Von mehreren Theorien, die den gleichen Sachverhalt erklären, soll die einfachste verwendet werden.
Interessant, aber irgendwie irrelevant, find ich. Vor allem das Wörtchen "soll". oO
Außerdem ist die Theorie einer Ursache nicht einfacher als die Theorie mehrerer Ursachen. Es geht schließlich nicht um die Theorien, die aus den Ursachen Beobachtungen machen, sondern um eine Betrachtung ein Ebene höher. Die Frage, welcher Natur die Gesamtheit der Ursachenverkettungen des Universums sein könnte und welche Varianten ausgeschlossen werden können, ist absolut zulässig.
Eine Theorie die anstelle von einer ersten Ursache, mehrere Ursachen annimmt ist natürlich komplexer (anders wäre es, wenn man keine Ursache annimmt – gleiche Höhe mit einer Ursache -> siehe Existenz/Nichtexistenz).
Ich könnte ja auch annehmen, dass 50 Elefanten, die im Erdinneren herumstampfen und laut tröten für die Gravitationskraft verantwortlich sind. Bei jedem Tröt-Laut der Elefanten wird die Gravitation wieder aufgefrischt. Usw.
Die Newton’sche Beschreibung ist nur einfacher/pragmatischer. Deshalb wird sie angenommen.
Gegenvorschläge:
1) Beweist mir, dass die Wiederholbarkeit bei naturwissenschaftlichen Experimenten gegeben ist. Das wäre das absolute Totschlagargument. Aber wahrscheinlich auch am schwierigsten zu beweisen.
Ich finde, das hat meinereiner schon vor mehreren Seiten erbracht. Sagen wir mal so: Die Wiederholbarkeit geschichtswissenschaftlicher Faktenerstellung ist gleich null. Die Wiederholbarkeit bei den Naturwissenschaften ist ohne Zweifel größer als Null (wenn auch nicht Eins). Das ist ein unleugbarer qualitativer Unterschied.
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Sehr guter Ansatz. Dann wäre zum einen zu klären, ob die Wiederholbarkeit der Naturwissenschaften gegen Null tendiert (dann dürften wir sie auch Null setzen), oder ob sie weitergeht. Ich gebe aber zu bedenken, dass du hier davon ausgehst, dass die Wiederholbarkeit gegeben ist, dies also eigentlich keine Widerlegung darstellt (oder nur unter der Voraussetzung, dass auch ich die Wiederholbarkeit gegeben sehe –> sonst wäre es wieder ein Kreisschluss).
Um die Nebendiskussion aber zu beenden, schlage ich folgendes vor:
1) Je älter und erprobter eine Theorie ist, umso wahrscheinlicher sind die mit ihr zusammenhängenden Experimente von Störvariablen befreit und desto ehe