• Aktualisierte Forenregeln

    Eine kleine Änderung hat es im Bereich Forenregeln unter Abschnitt 2 gegeben, wo wir nun explizit darauf verweisen, dass Forenkommentare in unserer Heftrubrik Leserbriefe landen können.

    Forenregeln


    Vielen Dank

Amerika, Amerika, und am 6. Tag ...

aph am 27.01.2006 14:03 schrieb:
ElNonsk am 27.01.2006 13:06 schrieb:
Die Antwort steht zwei Zeilen weiter oben.
Da stand nix, was ich als Antwort auf meine Frage interpretieren könnte.
Ich könnte jetzt natürlich weitermachen mit dem Problem des "Gottes der Philosophen" und des Gottes des Christentums. Dazu brauche ich aber eine Basis: Mein Gesprächspartner muss davon überzeugt sein, dass Gott (oder wie auch immer du die erste Ursache nennen willst) existiert.
Das ist meine Antwort.
Dein letzter Satz ist einzig und allein eine Behauptung, die, nach dem, was wir bisher eruiert haben, sogar unvernünftig ist (nicht der Logik enspricht) und mich nur in der Vermutung bestärkt, dass du von anfang an geglaubt hast, dass ich dich nicht überzeugen kann, weil ich von vornherein deiner Meinung nach falsch liege, und dass du nun nur mehr durch leere Behauptungen Recht behalten willst.

Hm, ich hatte eigentlich von einem Menschen deines Intellekts mehr erwartet als sowas.
Stimmt dies etwa nicht? Du schreibst:
Es gibt ganz einfach keinen Hinweis auf eine erste Ursache außer dem menschlichen Unvermögen (der meisten Menschen), sich die Welt ohne sie vorzustellen. Keinen empirischen, keinen gedanklichen, keinen weltlichen, nix.
Du fügst dazu keinen weiteren Kommentar, kein Beispiel und keinen Beleg an und wirfst es einfach so in den Raum. Wenn du ehrlich bist, habe ich dann nicht auch ein bisschen Recht mit meiner Vermutung?
Übrigens bin ich nichts weiter als eine 08/15-Mensch, der ein bisschen zuviel liest. Ich bin weder Informatiker, noch Philosoph noch Theologe oder sonst irgend etwas.
 
ElNonsk am 27.01.2006 14:37 schrieb:
Solidus_Dave am 27.01.2006 13:09 schrieb:
Habe ich jemals geschrieben, dass ich sie anzweifle? Nein, ich habe sogar geschrieben, dass ich auch sie zu beweisen versuchen werde, nachdem die Gottesfrage geklärt ist.
Du setzt schon einen intelligenten Gott als Schöpfer voraus, wie willst du da die Evolutionstheorie beweisen, die eben eine gerichtete Entwicklung ohne jegliches Zutun ist.
Oh weh, oh weh, hälst du denn die Katholiken für Kreationisten? Du weißt (hoffentlich) schon, dass die wörtliche Auslegung der Bibel (und damit auch die "7-Tage-Schöpfung" ) als Irrlehre (=Häresie) gebrandmarkt wurde. tztz
Weder beweist die Evolutionstheorie Gottes Zutun, noch widerlegt sie es.

Hab ich das in irgendeiner Fom geschrieben? Von den Kreatonisten fang ich erst gar nicht an - wobei Gott ja in seiner Allmächtigkeit die Schöpfungsgeschichte locker umsetzen könnte, anstatt mehrere Milliarden Jahre lang z.B. durch Punktmutationen mit Hilfe von- dann wohl gesteuerten - UV-Strahlen das Erbgut zu verändern um automatisch höhere Tiere entwickeln zu lassen...

Einfach das Wort Zufall gegen Gott auszutauschen, damit man seinen Glauben irgendwie noch in die moderne Welt pressen kann finde ich auch nicht gerade überzeugend.
 
Solidus_Dave am 27.01.2006 14:51 schrieb:
Hab ich das in irgendeiner Fom geschrieben? Von den Kreatonisten fang ich erst gar nicht an - wobei Gott ja in seiner Allmächtigkeit die Schöpfungsgeschichte locker umsetzen könnte, anstatt mehrere Milliarden Jahre lang z.B. durch Punktmutationen mit Hilfe von- dann wohl gesteuerten - UV-Strahlen das Erbgut zu verändern um automatisch höhere Tiere entwickeln zu lassen...

Einfach das Wort Zufall gegen Gott auszutauschen, damit man seinen Glauben irgendwie noch in die moderne Welt pressen kann finde ich auch nicht gerade überzeugend.
Beweist dieser "komplizierte" Vorgang nicht viel eher Gottes Größe? ;-)

Zum Zufall habe ich ein gutes Beispiel aus:
Gott ist klein (aus: E.W. Heine, »Kille Kille«, Zürich 1983, S. 99-101)

"Haben Sie schon einmal etwas vom Leberegel der Schafe gehört? Dieser Parasit lebt, wie sein Name besagt, in der Leber der Schafe und wird mit dem Kot ausgeschieden. Er liegt dann auf irgendeiner Wiese und würde wie aller tierische Mist schnell zu Pflanzendünger zerfallen, wenn die winzigen Parasiten den Kot nicht so raffiniert umfermentieren würden, dass er für eine ganz bestimmte Schneckenart zum Leckerbissen wird. Diese kommt und frisst ihn.

In der Schnecke produzieren die Schmarotzer einen Reizstoff, der die Schnecke wie eine Rauschgiftdroge zum Schäumen bringt. Die mikroskopisch kleinen Parasiten schlüpfen in den Schneckenschaum und warten auf eine Ameise, denn Ameisen mögen nichts lieber als diesen Schaumwein. Die Parasiten werden gefressen und schmarotzen für eine Weile im Darm der naschsüchtigen Ameise. An einem bestimmten Tag durchstoßen alle gleichzeitig die Darmwand und schlüpfen in die Bauchhöhle ihres Wirtes.

Eigentlich müsste die Ameise jetzt mit zerlöchertem Darm sterben und mit ihr die Eindringlinge. Aber die Leberegel-Parasiten verschließen die Löcher hinter sich mit chirurgenhafter Akribie. Wenn wir in dieser Phase eine Ameise aufschneiden und unter dem Mikroskop betrachten, so finden wir die Parasiten in der Bauchhöhle. Wir erkennen sogar die kunstvoll vernähten Narben in der Darmwand, aber - und nun kommt etwas Ungeheures! - zählt man die Narben und die Parasiten, so hat man immer eine Narbe zu viel, das heißt ein Parasit fehlt. Er ist spurlos verschwunden. Nach langem Rätselraten ergab sich folgendes: Einer der Eroberer, ein einziger Führungsspezialist, geht in absoluter Dunkelheit den kürzesten Weg zum Gehirn der Ameise. Obwohl er noch nie hier gewesen ist, sucht und findet er einen ganz bestimmten winzig kleinen Punkt in dem komplizierten Gehirncomputer, den er so geschickt umprogrammiert, dass sich die jahrmillionen alte Verhaltensweise der Ameise zum Vorteil der Parasiten verändert.

Zwar lebt die Ameise ganz normal so weiter, als wäre nichts geschehen, nachts aber geht sie im Gegensatz zu ihren gesunden Artgenossen nicht in den Bau, sondern kriecht auf die höchste Spitze eines Krautes, das von allen Schafen als Leckerbissen bevorzugt wird. Sie verbeißt sich dort krampfartig in ein Blatt und wird morgens von den weidenden Schafen gefressen. Damit schließt sich der ungewöhnliche Kreislauf, ohne den die Leberegel innerhalb einer einzigen Generation aussterben würden."

Für den winzigen Schmarotzer besitzt diese gefahrvolle Reise fast weltraumartige Distanzen. Er vollbringt dabei Leistungen, gegen die unsere Mondlandung nur ein primitives Sackhüpfen ist.

Und der Leberegel war ja nur ein Beispiel unter vielen. Da war die Bernsteinschnecke, die normalerweise ihr ganzes Leben am Boden verbringt. Frisst sie jedoch Vogeldreck, der von bestimmten Parasiten befallen ist, so wird das Verhalten der Schnecke umfunktioniert. Sie klettert auf hohe Bäume. Ihre zarten Fühler schwellen an wie Raupen. Sie bewegen sich kringelnd wie Regenwürmer. In ihnen hocken wie auf einer Abschussrampe die Parasiten und locken einen Vogel herbei, der die Fühler frisst. Die Schnecke stirbt als Opfertier.
Sehr viel zufälliger Zufall, oder ;-) ?

Nicht dem Biologen als Naturwissenschaftler, sehr wohl aber dem Biologen als denkenden Menschen ist es erlaubt, im Schafs-Leber-Egel einen Hinweis auf einen intelligenten Schöpfer zu entdecken.

Du kannst von mir aus weiterhin auf dem Zufall beharren. Aber ich glaube, dass aus diesem Beispiel ersichtlich wird, dass es ebenso erlaubt ist, hinter dem Ganzen Gott zu vermuten.
 
ElNonsk am 27.01.2006 14:44 schrieb:
Ich könnte jetzt natürlich weitermachen mit dem Problem des "Gottes der Philosophen" und des Gottes des Christentums. Dazu brauche ich aber eine Basis: Mein Gesprächspartner muss davon überzeugt sein, dass Gott (oder wie auch immer du die erste Ursache nennen willst) existiert.
Das ist meine Antwort.
Äh, aber genau das wollte ich doch von dir erklärt haben. Wieso brauchst zu zum Diskutieren dieses Unterschiedes jemanden, der Gott an sich schon akzeptiert? Du hast das nicht begründet, und von selbst erschließt es sich mir nicht. Scheint mir etwas willkürlich von dir, mich davon auszuschließen, nur weil ich nicht an Gott glaube.

Stimmt dies etwa nicht? Du schreibst:
Es gibt ganz einfach keinen Hinweis auf eine erste Ursache außer dem menschlichen Unvermögen (der meisten Menschen), sich die Welt ohne sie vorzustellen. Keinen empirischen, keinen gedanklichen, keinen weltlichen, nix.
Du fügst dazu keinen weiteren Kommentar, kein Beispiel und keinen Beleg an und wirfst es einfach so in den Raum. Wenn du ehrlich bist, habe ich dann nicht auch ein bisschen Recht mit meiner Vermutung?

Du hast Recht, dass ich von Anfang an glaubte, dass du es mir nicht beweisen kannst. Ist ja auch logisch, oder? Das heißt aber nicht, dass ich eventuellen Beweisen gegenüber nicht offen bin. Das eine ist Glauben, das andere Überzeugung. Überzeuge mich, und ich glaube an Gott.
Und ja: Ich sehe keinen Hinweis darauf, dass die Kausalitätskette einen Anfang haben muss. Bis jetzt wurde für alles irgendwann ein Grund gefunden. Nicht alles wurde schon begründet, viele neue Fragen tun sich auf, aber die Zahl der begründeten Zusammenhänge nimmt stetig zu. Das ist eher ein Hinweis auf die Unendlichkeit der Kausalität, als für einen Anfang. Der Anfang ist eine bisher nur gedachte/angenommene Erscheinung. Ein unbewiesenes Abstraktum, das aus dem unbewiesenen Gedanken resultiert, die Kette _könne_ nicht unendlich sein.

Zu deiner Interpretation als Gott, der den Zufall in der Evolutionstheorie ersetzt: Das ist ja wohl viel zu beliebig. Da sagen die Vertreter dieser Theorie also: Egal was passiert und wie zufällig es erscheint - das war Gott. Und damit hat es sich dann auch schon wieder. Da können die Wissenschaftler rausfinden was sie wollen - es war immer Gott. Viel zu beliebig für einen Gott, wenn du mich fragst.
 
ElNonsk am 27.01.2006 15:15 schrieb:
Nicht dem Biologen als Naturwissenschaftler, sehr wohl aber dem Biologen als denkenden Menschen ist es erlaubt, im Schafs-Leber-Egel einen Hinweis auf einen intelligenten Schöpfer zu entdecken.

Warum denn das?! Fasciola hepatica nutzt doch nur eine ökologische Nische aus.

Der Vorgang an sich ist natürlich hochinteressant, zumal man daran sieht, wie schön sich Verhalten/Gehirnaktivität physisch beeinflussen lässt und nichts "magisches" oder ähnliches ist.
Aber der Aufbau nur dieser kleinen Organismen ist schon um einiges aufwändiger. Denkst du mich beeindruckt diese Verhalten, wenn ich mir im Klaren über molekulare Vorgänge in Zellen bin?

Hier gibt es wieder das große Verständnissproblem der Religionen gegenüber der Evolution: Es hat nicht "Plopp" gemacht und der Schafleberegel war da, sondern zig Vorgänger entwickelten sich oder starben aus - Evolution eben...

Ein Beispiel zu dieser Denkweise, die man immer wieder hört:
Das Säugetierauge für sich genommen ist ein Wunderwerk - allein schon die Sehkaskade. Da müsste man doch nun vermuten, so etwas kann nich zufällig entstehen und Gott müsse es "gebaut" haben. Aber es ist eben nicht einfach neu entstanden, sondern hat hunderte Millionen Jahre (Fehl-)Entwicklung hinter sich. Dafür haben wir ja die DNA, damit nicht ständig etwas neues erfunden werden muss. Teilweise reicht es schon, eine Aminosäure, daher ein Gen, eines Proteins auszutauschen und das neue Protein hat ganze andere Eigenschaften.
 
Solidus_Dave am 27.01.2006 15:45 schrieb:
Hier gibt es wieder das große Verständnissproblem der Religionen gegenüber der Evolution: Es hat nicht "Plopp" gemacht und der Schafleberegel war da, sondern zig Vorgänger entwickelten sich oder starben aus - Evolution eben...

Richtig! Und gerade mit dem beschriebenen Kleinen Leberegel hat sich ElNonsk einen kleinen Parasiten geholt. *g*
Es gibt nämlich noch den Großen Leberegel, und der kommt ohne zusätzlichen Zwischenwirt aus. Er wird von der Schnecke (bei den heute noch vorkommenden Leberegeln sind das ostasiatische Wasserschnecken) ausgeschieden und heftet sich an gewässernahe Pflanzen. Dort kann er verkapselt wochenlang überleben, bis er wieder gegessen wird. Offenbar wurden im Laufe der Jahrmillionen, in denen es nun schon Pflanzen, Schnecken und Säugetiere gibt, mehrere Male solch eine Larve von Ameisen gefressen. Ca. 99,999999999% von denen starben.
Die anderen überlebten durch Selektion, denn per Mutation wiesen sie ein Verhalten auf, dass wie oben beschrieben abläuft und die Ameise dazu bringt, sich fressen zu lassen, wodurch sich der Kreis wieder schließt. Hier entstand eine neue Spezies, die eine weitere Nische im ständigen Überlebenskampf gefunden hatte. Ihr gegenüber stehen Abermillionen Spezies, die genau dies nicht geschafft haben und ausgestorben sind.

Alles Zufall+jede Menge Zeit. Nix designed.
 
Hi Leute! Ich hab euch etwas mitgebracht. :) *g* Nur um euch mal etwas zu zerstreuen von eurer nervenzerfetzenden Diskussion.

http://www.michaelyon-online.com/wp/gates-of-fire.htm
 
aph am 27.01.2006 11:10 schrieb:
crackajack am 27.01.2006 08:14 schrieb:
Und wieso nicht in einer Schule?
Von mir aus in der Schule, im Bereich: Märchen und Mythen der Menschheitsgeschichte. Also am ehesten noch Geschichte oder Deutsch. Von mir aus auch in einem eigenen Fach Philosophie, Ethik, etc..
Wie wäre es mit Religionsunterricht- wie bisher auch. ;-)
ElNonsk am 27.01.2006 10:19 schrieb:
Zum ontologischen Beweis von Canterbury werde ich wohl nichts mehr schreiben.
Am einfachsten zu widerlegen, ist er eben mit dem Einwand, dass Existenz keine Eigenschaft ist. Da ihr aber anscheinend lieber den komplizierteren Weg wählt, lass ich euch ruhig weiterdiskutieren ;-) Bin gespannt, was dabei herauskommt.
Gar nichts kommt raus. Ich hab einen Knoten im Hirn, weil ich etwas zu verstehen versuche, wo es nichts zu verstehen gibt oder ich einfach zu dämlich dazu bin, weil ich mich in den Begriffen (Sein, Seiend, Existenz, Transzendenz, Entität) verlaufe.
Und mit meinem Versuch ihn zu verstehen, gehe ich Meinereiner/aph vermutlich auf die Nerven.
[Noch einmal nur so nebenbei *gg*
@crackajack:
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du eine ganz falsche Auffassung vom (christlichen) Gott hast. Gott ist nicht einfach Lückenbüßer für all das, was die Naturwissenschaften bis jetzt noch nicht aufklären konnten. Dann wären wir genau da, wovon sich das Christentum von Anfang an distanziert hat: Der Mythologisierung des Glaubens.
Dann sag mir was Gott sein soll.
Antwort schon gegeben:
Es handelt sich um transzendente Gegenstände, die alles menschliche Wissen übersteigen
Na toll! Und daran soll ich glauben?

ElNonsk am 27.01.2006 12:04 schrieb:
Ich könnte jetzt natürlich weitermachen mit dem Problem des "Gottes der Philosophen" und des Gottes des Christentums. Dazu brauche ich aber eine Basis: Mein Gesprächspartner muss davon überzeugt sein, dass Gott (oder wie auch immer du die erste Ursache nennen willst) existiert.
Von welchem Wesen Gott dann ist, kann man später klären.
Du willst also jemanden der eher von der Endlichkeit des Seins überzeugt ist, als von der Unendlichkeit?
Bin ich.
So, dann nenne ich die erste Wirkursache "Shigeru Myamoto" anstatt Gott; geht es jetzt weiter? :finger:

Meinereiner am 27.01.2006 13:00 schrieb:
Satz vom Widerspruch:
Es ist nicht möglich, dass etwas gleichzeitig und in derselben Hinsicht der Fall und nicht der Fall ist.
Der SvW sagt also, dass entweder etwas der Fall ist oder nicht, beides zusammen kann jedoch nicht sein.
Aber: Möglich ist beides. Es ist möglich, dass etwas der Fall ist und es ist möglich, dass es nicht der Fall ist.
Wir haben zwei Möglichkeiten, aber nur eine kann Wirklichkeit sein.......möglich ist immer auch noch zusätzlich ihr Gegenteil. Daher gibt es mehr mögliches als wirkliches.
Wenn man Unmögliches zum Möglichen hinzuzählt......
Es sind doch nur gedanklich zwei Möglichkeiten? (Ohne dem Menschen/ ohne seinem Denken gibt es die zweite Möglichkeit nie.)
Real werdende Möglichkeit gibt es immer nur eine.
Wenn es nicht der Fall ist, ist es doch keine Möglichkeit, die noch real werden kann?

...allerdings verstehe ich nicht, warum du versuchst, den oGB auf so unsinnige Weise zu lesen, wie Gott existiere in der Wirklichkeit alles Gedachten etc. Für so etwas braucht man keinen Gottesbeweis. Fasse die Aussage „Gott existiert“ doch einfach völlig naiv auf, wie du es mit der Aussage „Schwäne existieren“ auch tun würdest. Es ist überhaupt nicht nötig, die Sache derart kompliziert zu machen, das man fragen müsste, welche Wirklichkeit denn bitte gemeint sei.
Ich weiß nicht ob du vollkommen verstanden hast worauf ich überhaupt mit dem blafasel von Menge der Mengen und so hinauswill (hab ich selber wohl nicht. :-S ), aber die anderen Beweise sind mir nicht diskussionswürdig, daher hab ich den oGB zu verstehen versucht, wobei ich offentsichtlich gescheitert bin bzw. ihn zu kompliziert verstehen versuchte???
Habe mir das hier durchgelesen und jetzt brummt mein Schädel und daher verwerfe ich jetzt den Sinn/Unsinn meiner Gedanken und verzichte auf diesen Gottesbeweis auch.

Sorry wenn ich den oGB nicht so einfach zur Seite schieben konnte, wie ihr das gemacht habt.

@ElNonsk
Wie sieht es mit den Beweisen hier aus?
ideologischer, noetischer, noologischer, transzendentaler GB.
Die habe ich nur als Bemerkung, das es sie gibt, bei den anderen gefunden.
 
crackajack am 27.01.2006 17:35 schrieb:
Wie wäre es mit Religionsunterricht- wie bisher auch. ;-)
Wenn es staatlich bestellte Lehrer sind, die nicht eine bestimmte Religion propagieren, sondern alle Religionen sowie den Atheismus als jeweils eine mögliche Denkrichtung behandeln, dann ist es mir egal, ob dieses Fach nun Religion oder Ethik oder Philosophie heißt.

ElNonsk am 27.01.2006 10:19 schrieb:
Gar nichts kommt raus. Ich hab einen Knoten im Hirn, weil ich etwas zu verstehen versuche, wo es nichts zu verstehen gibt oder ich einfach zu dämlich dazu bin, weil ich mich in den Begriffen (Sein, Seiend, Existenz, Transzendenz, Entität) verlaufe.
Und mit meinem Versuch ihn zu verstehen, gehe ich Meinereiner/aph vermutlich auf die Nerven.
Nö. Dazu müsste ich erst mal glauben, dass ich ihn selbst vollkommen verstanden habe.
 
Solidus_Dave am 27.01.2006 15:45 schrieb:
Hier gibt es wieder das große Verständnissproblem der Religionen gegenüber der Evolution: Es hat nicht "Plopp" gemacht und der Schafleberegel war da, sondern zig Vorgänger entwickelten sich oder starben aus - Evolution eben...

Wieso Verständnisproblem? Wieso unterstellst du dass Relligionen von einem "Plopp" ausgehen?

Wenn ich mich recht erinnere hat das hier keiner behauptet (außer vielleicht die ID-Verfechter, aber die spielen eh in einer anderen Liga)

OK. nach nochmaligem lesen von ElNonsks Beitrag lese ich da schon eine Intelligenz hinter seinen Beschreibungen der Lebewesen heraus. Bin mir allerdings nicht sicher ob er es wirklich so wörtlich meint oder nicht eher im übertragenen Sinne.
 
Solidus_Dave am 27.01.2006 15:45 schrieb:
ElNonsk am 27.01.2006 15:15 schrieb:
Nicht dem Biologen als Naturwissenschaftler, sehr wohl aber dem Biologen als denkenden Menschen ist es erlaubt, im Schafs-Leber-Egel einen Hinweis auf einen intelligenten Schöpfer zu entdecken.

Warum denn das?! Fasciola hepatica nutzt doch nur eine ökologische Nische aus.

Der Vorgang an sich ist natürlich hochinteressant, zumal man daran sieht, wie schön sich Verhalten/Gehirnaktivität physisch beeinflussen lässt und nichts "magisches" oder ähnliches ist.
Aber der Aufbau nur dieser kleinen Organismen ist schon um einiges aufwändiger. Denkst du mich beeindruckt diese Verhalten, wenn ich mir im Klaren über molekulare Vorgänge in Zellen bin?

Hier gibt es wieder das große Verständnissproblem der Religionen gegenüber der Evolution: Es hat nicht "Plopp" gemacht und der Schafleberegel war da, sondern zig Vorgänger entwickelten sich oder starben aus - Evolution eben...

Ein Beispiel zu dieser Denkweise, die man immer wieder hört:
Das Säugetierauge für sich genommen ist ein Wunderwerk - allein schon die Sehkaskade. Da müsste man doch nun vermuten, so etwas kann nich zufällig entstehen und Gott müsse es "gebaut" haben. Aber es ist eben nicht einfach neu entstanden, sondern hat hunderte Millionen Jahre (Fehl-)Entwicklung hinter sich. Dafür haben wir ja die DNA, damit nicht ständig etwas neues erfunden werden muss. Teilweise reicht es schon, eine Aminosäure, daher ein Gen, eines Proteins auszutauschen und das neue Protein hat ganze andere Eigenschaften.
Habe ich etwa behauptet, dass es "Plopp" gemacht hat und der Schafleberegel plötzlich einfach da war? Nein.
Gerade dass es so viele Vorgänger gab, die auftauchten und wieder verschwunden, und an derem bisherigen Ende z. B. der Schafs-Leber-Egel steht, ist (für mich) ein Hinweis auf Gott. Hierin sieht man ja erst die Planung, die hinter all dem steckt. Das Besondere ist ja, dass Gott nicht einfach da und dort ein Tierchen auf die Erde gesetzt hat und damit wäre alles gegessen.
Gerade diese Dynamik entspricht dem christlichen Gott, der, anders als der aristotelische "unbewegte Beweger", ein Gott der Veränderung ist, und nicht ein Gott, der nur auf sich selbst bezogen ist.

Diese Antwort gilt auch für den Post von aph.
 
TBrain am 27.01.2006 17:54 schrieb:
Solidus_Dave am 27.01.2006 15:45 schrieb:
Hier gibt es wieder das große Verständnissproblem der Religionen gegenüber der Evolution: Es hat nicht "Plopp" gemacht und der Schafleberegel war da, sondern zig Vorgänger entwickelten sich oder starben aus - Evolution eben...

Wieso Verständnisproblem? Wieso unterstellst du dass Relligionen von einem "Plopp" ausgehen?

Ich will es nicht unterstellen, aber anders kann ich es mir nicht erklären, wieso man solche Beispiele wie die Leberegellebensweise für so unglaublich erstaunlich hält oder gar göttliches Eingreifen vermutet.

aph hat es noch hervorgehoben:
Hier entstand eine neue Spezies, die eine weitere Nische im ständigen Überlebenskampf gefunden hatte. Ihr gegenüber stehen Abermillionen Spezies, die genau dies nicht geschafft haben und ausgestorben sind.
erstaunlich wäre es, wenn solche Tierarten wirklich einfach so direkt entstehen, ohne zig Art-Mutanten.
 
ElNonsk am 27.01.2006 18:10 schrieb:
Hierin sieht man ja erst die Planung, die hinter all dem steckt.
Nein. Ich habe schon im ersten (Fantasie)Beispiel beschrieben, dasa es gar nicht anders geht. Die Evolution plant nicht, entweder ist der Organismus angepasst oder nicht - stirbt dann aus oder nicht - da braucht es keinerlei Form von Planung.
 
ElNonsk am 27.01.2006 18:10 schrieb:
Gerade diese Dynamik entspricht dem christlichen Gott, der, anders als der aristotelische "unbewegte Beweger", ein Gott der Veränderung ist, und nicht ein Gott, der nur auf sich selbst bezogen ist.

Kleine Zwischenfrage: Wo hast du das her, dass der christliche Gott ein dynamischer "Gott der Veränderung" sei? Es scheint, ich weiß mal wieder zu wenig von der Bibel.

Ansonsten siehe Solidus_Daves Antworten. Ich sehe in einem Try&Error-Verfahren nicht gerade eine geniale Planung. *g*

In der Bibel steht: "... und Gott sah, dass es gut war."
Da steht nirgends:
"Und Gott sah, dass es schlecht war, warf es weg, baute was neues, warf es wieder weg, usw.."
Oder?
 
crackajack am 27.01.2006 17:35 schrieb:
Wenn man Unmögliches zum Möglichen hinzuzählt......
Es sind doch nur gedanklich zwei Möglichkeiten? (Ohne dem Menschen/ ohne seinem Denken gibt es die zweite Möglichkeit nie.)
Real werdende Möglichkeit gibt es immer nur eine.
Wenn es nicht der Fall ist, ist es doch keine Möglichkeit, die noch real werden kann?

Naaaa. Deine Vorstellung des Begriffes „möglich“ ist völlig falsch. Wenn etwas möglich ist, dann heißt das, dass es sein kann, aber nicht muss. Schluss, Aus, Ende, nichts weiter. Ob es eintritt oder nicht, ist völlig unerheblich.

Und vergiss dieses Bezugnehmen auf die Vergangenheit. Wenn du unbedingt die Zeitdimension dabei haben willst, dann nimm Bezug auf die Zukunft. Wenn ich jetzt eine Münze werfe, dann kann es sein, dass sie Zahl zeigen wird, es muss aber nicht. Es ist also möglich, dass sie Zahl zeigen wird.

Habe mir das hier durchgelesen und jetzt brummt mein Schädel und daher verwerfe ich jetzt den Sinn/Unsinn meiner Gedanken und verzichte auf diesen Gottesbeweis auch.

Wuhaa, da hast du dir aber auch was rausgesucht. Hinter diesem ganzen Gesülze von Transzendenz, Onto-Philosophie, Prädikation, Entität, Apriorität usw. versteckt sich ein ganz simples Argument, nämlich: Wir können Gott nicht begreifen, darum können wir auch nicht sagen, ob er existiert oder nicht (denn dazu müssten wir ihn ja begreifen).
 
aph am 27.01.2006 15:23 schrieb:
ElNonsk am 27.01.2006 14:44 schrieb:
Ich könnte jetzt natürlich weitermachen mit dem Problem des "Gottes der Philosophen" und des Gottes des Christentums. Dazu brauche ich aber eine Basis: Mein Gesprächspartner muss davon überzeugt sein, dass Gott (oder wie auch immer du die erste Ursache nennen willst) existiert.
Das ist meine Antwort.
Äh, aber genau das wollte ich doch von dir erklärt haben. Wieso brauchst zu zum Diskutieren dieses Unterschiedes jemanden, der Gott an sich schon akzeptiert? Du hast das nicht begründet, und von selbst erschließt es sich mir nicht. Scheint mir etwas willkürlich von dir, mich davon auszuschließen, nur weil ich nicht an Gott glaube.
Kurze Antwort: Weil ich zu faul bin. *g*
Längere Antwort: Wenn wir anfangen darüber zu diskutieren, was der Unterschied zwischen dem Gott der Philosophen und dem des Christentums ist, kommt garantiert irgendwann die Frage: "Und was ist, wenn es Gott nicht gibt?", womit die ganze Argumentation eigentlich sinnfällig wird und ich umsonst lang und breit schreibe.

Und ja: Ich sehe keinen Hinweis darauf, dass die Kausalitätskette einen Anfang haben muss. Bis jetzt wurde für alles irgendwann ein Grund gefunden. Nicht alles wurde schon begründet, viele neue Fragen tun sich auf, aber die Zahl der begründeten Zusammenhänge nimmt stetig zu. Das ist eher ein Hinweis auf die Unendlichkeit der Kausalität, als für einen Anfang. Der Anfang ist eine bisher nur gedachte/angenommene Erscheinung. Ein unbewiesenes Abstraktum, das aus dem unbewiesenen Gedanken resultiert, die Kette _könne_ nicht unendlich sein.
Ich möchte jetzt mal vorausschicken, dass wir bei dieser Debatte den naturwissenschaftlichen Bereich verlassen und wieder einmal ins Philosophische übergehen, das dir eigentlich (soweit ich das verstanden habe) nicht so sehr zusagt.
Witzigerweise kann ich jetzt den guten Kant ins Spiel bringen, der ja den ontologischen Beweis kritisiert hat. Ich gehe hierbei von der "dritten Antinomie" Kants aus.
Siehe Link: http://12koerbe.de/phosphoros/antinom3.htm

Zusammengefassung der "dritten Antinomie":
(1) Wenn alles in der Welt nach Gesetzen der Natur geschähe, dann wäre jede Ursache auch Wirkung einer anderen Ursache.

(2) Also wäre die Reihe der Ursachen unendlich.

(3) Eine unendliche Reihe ist jedoch keine vollständige Reihe.

(4) Es läge also eine unvollständige Reihe von Ursachen vor.

(4) bedeutet, dass mindestens eine Ursache in dieser Reihe nicht hinreichend a priori bestimmt wäre.
Das Kausalitätsgesetz fordert, dass jede Ursache hinreichend a priori bestimmt ist.
Aus (5) und (6) ist zu folgern, dass "Die Kausalität nach Gesetzen der Natur (...) nicht die einzige [ist], aus der die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können."
(8) Aus (7) kann gefolgert werden, dass "noch eine Kausalität durch Freiheit anzunehmen notwendig" ist.
Uns geht es um die Prämisse 3, die auf den ersten Blick ziemlich dumm erscheint.
Das Problem ist, dass an die unendliche Reihe der Ursachen die Forderung gestellt wird, sie müsse vollständig sein, dann bemerkt wird, dass sie diese Forderung nicht erfüllen kann, womit der Kausalität der Natur plötzlich die universale Gültigkeit abgesprochen ist. Die Vollständigkeitsforderung scheint auf den ersten sowie auf jeden folgenden Blick vollständig illegitim, ja, sie scheint geradezu Produkt eines Kategorienfehlers zu sein, denn was soll die Prädikation "vollständig" (ebenso "unvollständig") in bezug auf eine unendliche Reihe aussagen?

Wenn ich einem Schüler die Anweisung gebe: "Zähle von null bis minus fünfzig!", und er auf dem richtigen Weg bei minus fünfzig ankommt, kann ich sehr wohl behaupten, er habe diese Reihe vollständig aufgezählt; wenn er bei minus siebenunddreißig (zum Beispiel) die Reihe nicht mehr fortsetzen kann, werde ich sagen, die Reihe sei unvollständig; denn hierfür habe ich ja Regeln und Kriterien. Gebe ich aber nun jemandem die Anweisung "Zähle mir eine unendliche Reihe aufeinanderfolgender Zahlen von null abwärts auf!", werde ich da, außer aus einem nicht zum Inhalt der Aufgabe gehörenden Sadismus heraus, als jemand, der unser Zahlensystem und unsere Sprache auch nur einigermaßen gut kennt, ständig zwischendurch, wenn der Schüler pausiert - etwa, um seine ausgetrocknete Kehle mit einem Schluck Wasser zu erfrischen, um weiterzählen zu können -, ihm sinnvoll vorwerfen dürfen, die Reihe sei aber nicht vollständig? Was schwebte mir dabei vor? Und wann soll ich ihm denn mitteilen, nun sei die Reihe endlich vollständig? Hätte ich dafür ein Kriterium? Wohl kaum. Folglich läuft die Vorstellung, man könnte zwischen einer vollständigen und einer unvollständigen unendlichen Reihe unterscheiden, auf blanken Unsinn hinaus.

Die Gültigkeit des Satzes: "Wenn also alles nach bloßen Gesetzen der Natur geschieht, so gibt es jederzeit nur einen subalternen, niemals aber einen ersten Anfang, und also überhaupt keine Vollständigkeit der Reihe auf der Seite der von einander abstammenden Ursachen.", der problematische Schritt (3) der Argumentation also, kann auf ganz einfache Weise bewiesen werden, nämlich dann, wenn man vorausschickt, dass hier ein terminologischer Gebrauch der Wörter „Natur“ und „Gesetz“ vorliegt, der aus der Kritik der reinen Vernunft herzuleiten ist, und der die einzig plausible Interpretationsmöglichkeit für den gesamten Thesenbeweis bietet, alle anderen Möglichkeiten müssten sich damit begnügen, aus dem Argument einen baren Unsinn herauszulesen.

Die Frage, die geklärt werden muss, ist die, weshalb das Kausalitätsgesetz sich selbst widersprechen soll, wenn es allein gültig wäre, und also kein erster Anfang, kein Unbedingtes mit ihm gesetzt wird. Es scheint doch auf den ersten Blick so, als wäre das Prinzip, dass alles eine Ursache hat, überhaupt erst dann erfüllt, wenn es keine erste Ursache gibt. Hier kann nur eine Untersuchung des Kantischen Naturbegriffs weiterhelfen, welchen wir zum Beispiel dem folgenden Zitat entnehmen können:

"Unter Natur (im empirischen Verstande) verstehen wir den Zusammenhang der Erscheinungen ihrem Dasein nach, nach notwendigen Regeln, d. i. nach Gesetzen. Es sind also gewisse Gesetze, und zwar a priori, welche allererst eine Natur möglich machen (...)".

Das Hauptmerkmal von Natur ist nach Kant also, dass sie aus den notwendigen Gesetzen besteht, die die Erscheinungen - ein Terminus, der immer impliziert, dass auch ein Subjekt vorhanden ist, dem etwas erscheint -, miteinander verbinden. Ganz offensichtlich benötigt die Natur also, um Natur sein zu können, ein Subjekt, was auch im folgenden Zitat deutlich wird: "Denn Gesetze existieren eben so wenig in den Erscheinungen, sondern nur relativ auf das Subjekt, dem die Erscheinungen inhärieren, sofern es Verstand hat (...)". Die Gesetze, die die Verbindungen zwischen den Erscheinungen schaffen, gibt es in der Welt der Dinge an sich nicht; die Dinge an sich verursachen zwar die Erscheinungen, nicht aber die (notwendigen) Verbindungen unter ihnen, diese sind erst der Einheit unseres Verstandes zuzuschreiben, deshalb kongruiert der Natur auf der Seite der Dinge an sich auch gar nichts, wie zum Beispiel der Erscheinung eines Baumes oder der eines Apfels auf der Seite der Dinge an sich etwas kongruiert. Die Tatsache, dass beobachtet - oder schmerzlich erfahren - werden muss, dass ein Apfel, wenn er sich von einem Ast löst, vom Baum hinunter-, jedoch nicht hinauffällt, gehört zu den Gesetzen der Natur (in diesem Fall zum Fallgesetz), die nur in bezug auf ein Subjekt existieren. Ja, man kann den Ausdruck „Gesetze der Natur“ geradezu für tautologisch halten, weil „Natur“ nach Kant ja ohnehin nur aus notwendigen Gesetzen besteht, die dem Verstand des Subjekts - den Kategorien, und in diesem Falle besonders der Relationskategorie der Kausalität - inhärieren. Mit „Natur“ in dieser Verwendung ist also diejenige Verstandestätigkeit des Subjekts gemeint, die die Erscheinungen nach notwendigen Gesetzen, die von den Kategorien vorgegeben sind, verknüpft. Das folgende Zitat belegt diese Haltung eindeutig:

"Bedenkt man aber, dass diese Natur an sich nichts als ein Inbegriff von Erscheinungen, mithin kein Ding an sich, sondern eine bloße Menge von Vorstellungen des Gemüts sei, so wird man sich nicht wundern, sie bloß in dem Radikalvermögen aller unsrer Erkenntnis, nämlich der transzendentalen Apperzeption, in derjenigen Einheit zu sehen, um deren willen allein sie Objekt aller möglichen Erfahrung, d. i. Natur heißen kann; und dass wir auch eben darum diese Einheit a priori, mithin als notwendig erkennen können, welches wir wohl müssten unterwegens lassen, wäre sie unabhängig von den ersten Quellen unseres Denkens a n s i c h gegeben. Denn da wüsste ich nicht, wo wir die synthetische Sätze einer solchen allgemeinen Natureinheit hernehmen sollten, weil man sie auf solchen Fall von den Gegenständen der Natur selbst entlehnen müsste. "

Hiermit wäre wohl auch der letzte Zweifel aus der Welt geschafft, den man daran hegen könnte, dass sich „Natur“ bei Kant nur auf das „Radikalvermögen“ unserer Erkenntnis bezieht, nicht aber auf irgendetwas außerhalb derselben. Gleich ist dies für Kants Verwendung von „Gesetz“ zu applizieren.

Es ist nun also herausgestellt, dass das Wort Natur bei Kant terminologisch gebraucht wird, und ebenfalls, was Kant unter diesem Terminus versteht - etwas völlig anderes als der gemeine Verstand, der dabei womöglich an schöne Landschaften mit umherhopsenden Schafen oder andere bekannte Klischees denkt. (Eben dasselbe gilt in unserem Fall übrigens auch für den Kantischen Weltbegriff, auch wenn hier die Konnotationen des gemeinen Verstandes natürlich andere wären: "Eben dieselbe Welt wird aber Natur genannt, so fern sie als ein dynamisches Ganzes betrachtet wird (...)".)
 
Der Beweis für die Gültigkeit des Argumentes ab Schritt (3) erfordert allerdings noch eine andere Bedingung. Es könnte ja nun behauptet werden, dass, selbst wenn „Natur“ nur als eine Verstandestätigkeit gesehen werden muß, dies doch nicht impliziere, dass der Verstand, der diese „Natur“ seiner eigenen Einheit a priori verdanke, keine unendliche Reihe von Ursachen denken könne, weshalb immer noch nicht bewiesen sei, warum eine unendliche Reihe als unvollständige Reihe bezeichnet werde.

In der Tat muß noch bewiesen werden, dass ein reiner Verstandesbegriff mit sich uneinig ist, wenn er eine Reihe voraussetzt, die unendlich ist. Dies stellt aber keine besondere Schwierigkeit dar, denn Belege dafür, dass die sukzessive Synthesis des Verstandes keine unendlichen Reihen denken könne, weil diese in ihr niemals vollendet werden könnten - was natürlich schon rein analytisch aus dem Ausdruck „unendliche Reihe“ hervorgeht -, die Möglichkeit dieser Vollendung der Reihe im Verstand aber die Bedingung der Möglichkeit für die Reihe überhaupt sei, gibt es mehr als genug in der Transzendentalen Dialektik, zum Beispiel:

"Der wahre (transzendentale) Begriff der Unendlichkeit ist: dass die sukzessive Synthesis der Einheit in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet sein kann. (...) Da diese Synthesis nun eine nie zu vollendende Reihe ausmachen müsste: so kann man sich nicht vor ihr, und mithin auch nicht durch sie, eine Totalität denken. Denn der Begriff der Totalität selbst ist in diesem Falle die Vorstellung einer vollendeten Synthesis der Teile, und diese Vollendung, mithin auch der Begriff derselben, ist unmöglich."

Schließlich ist die Kantische Vernunft teleologisch angelegt: Da es ihr nicht gegeben ist, unendliche Reihen zu denken, muss sie am Anfang der Reihe ein Unbedingtes setzten, schließlich entstammt eine Reihe solcher Verbindungen ja dem Verstand selber, weshalb es nicht einzusehen ist, dass die Vernunft in ihr den Widerspruch vorfinden soll, dass der Verstand mehr von ihr verlangt, als ihr möglich ist.

"(...) die Vernunft fordert die absolute Vollständigkeit der Bedingungen ihrer Möglichkeit, so fern diese eine Reihe ausmachen, mithin eine schlechthin (d. i. in aller Absicht) vollständige Synthesis, wodurch die Erscheinung nach Verstandesgesetzen exponiert werden könne.

Zweitens ist es eigentlich nur das Unbedingte, was die Vernunft, in dieser, reihenweise, und zwar regressiv, fortgesetzten Synthesis der Bedingungen, sucht, gleich damit die Vollständigkeit in der Reihe der Prämissen, die zusammen weiter keine andere voraussetzen. Dieses U n b e d i n g t e ist nun jederzeit in der absoluten Totalität der Reihe, wenn man sie sich in der Einbildung vorstellt, enthalten."

Es ist also nun zu folgern, dass eine alleinige Gültigkeit des Kausalitätsprinzips tatsächlich widersprüchlich wäre, weil diese sowohl implizieren würde, dass unser Verstand uns eine Reihe gibt, in der jede Ursache wiederum eine Ursache hätte, mithin die Reihe der Ursachen unendlich wäre, als auch, dass unsere teleologische Vernunft überhaupt keine unendliche Reihe denken kann, sondern immer auf ein Unbedingtes, auf einen Anfang der Reihe, fixiert ist.

Dass Kants Naturbegriff die einzig plausible Erklärung für den Selbstwiderspruch ist, hat zum Beispiel auch Günter Figal deutlich erkannt, wenn er schreibt,

"(...) dass plausibel gemacht wird, inwiefern die Notwendigkeit einer Vervollständigung der Allgemeinheit des Kausalgesetzes nicht widerstreitet. Kant begründet die Notwendigkeit einer Vervollständigung des Kausalgesetzes, indem er zeigt, dass gerade ohne eine solche die Behauptung einer allgemeinen Kausalität sich selbst in ihrer "unbeschränkten Allgemeinheit" (KrV, B 474/ A 446) widerspricht. Der Grundsatz der Kausalität behauptet ja eine eine [Verdopplungsfehler aus dem Original übernommen, D.M.] allgemeine Kausalität "nach Gesetzen der Natur" (KrV, B 473/ A 445), und "Natur" ist "der Inbegriff der Gegenstände der Erfahrung" (KrV, B XIX), d.h. der Inbegriff "aller Erscheinungen" (KrV, B163/ A 114). (...) deshalb gibt es dem Naturgesetz zufolge "jederzeit nur einen subalternen, niemals aber einen ersten Anfang, und also überhaupt keine Vollständigkeit der Reihe auf der Seite der von einander abstammenden Ursachen" (KrV, B 473f./A 445f.). Deshalb bedarf der Gedanke der Kausalität als eines Naturgesetzes der Vervollständigung durch den Gedanken der Freiheit: "Es muß eine Kausalität angenommen werden, durch welche etwas geschieht, ohne dass die Ursache davon noch weiter, durch eine andere vorhergehende Ursache, nach notwendigen Gesetzen bestimmt sei, d. i. eine absolute Spontaneität der Ursachen, eine Reihe von Erscheinungen, die nach Naturgesetzen läuft, von selbst anzufangen, mithin transzendentale Freiheit, ohne welche selbst im Laufe der Natur die Reihenfolge der Erscheinungen auf der Seite der Ursachen niemals vollständig ist" (KrV, B 474/A 446)."

Siehe Link: http://72.14.203.104/search?q=cache:_yRI0bf-RfgJ:www.uni-koeln.de/phil-fak/fs-philo/projekt/kant/dm-kant.html+unendliche+Kausalit%C3%A4t&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=2
 
aph am 27.01.2006 18:35 schrieb:
ElNonsk am 27.01.2006 18:10 schrieb:
Gerade diese Dynamik entspricht dem christlichen Gott, der, anders als der aristotelische "unbewegte Beweger", ein Gott der Veränderung ist, und nicht ein Gott, der nur auf sich selbst bezogen ist.

Kleine Zwischenfrage: Wo hast du das her, dass der christliche Gott ein dynamischer "Gott der Veränderung" sei? Es scheint, ich weiß mal wieder zu wenig von der Bibel.

Ansonsten siehe Solidus_Daves Antworten. Ich sehe in einem Try&Error-Verfahren nicht gerade eine geniale Planung. *g*

In der Bibel steht: "... und Gott sah, dass es gut war."
Da steht nirgends:
"Und Gott sah, dass es schlecht war, warf es weg, baute was neues, warf es wieder weg, usw.."
Oder?
Tut mir leid, aber ich gehe ja davon aus, dass man die Bibel interpretieren und nicht wörtlich nehmen muss/darf, deshalb ist dem unteren wohl nicht viel hinzuzufügen. Überdies muss etwas, das nicht mehr ist, nicht schlecht gewesen sein.

Bei meinem Ausführungen über den christlichen Gott basiere ich mich neben der Bibel auf das (absolut empfehlenswerte *g*) Buch "Einführung in das Christentum" von Josef Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI.
 
Solidus_Dave am 27.01.2006 18:20 schrieb:
ElNonsk am 27.01.2006 18:10 schrieb:
Hierin sieht man ja erst die Planung, die hinter all dem steckt.
Nein. Ich habe schon im ersten (Fantasie)Beispiel beschrieben, dasa es gar nicht anders geht. Die Evolution plant nicht, entweder ist der Organismus angepasst oder nicht - stirbt dann aus oder nicht - da braucht es keinerlei Form von Planung.
Nicht die Evolution plant, sondern sie ist von Gott geplant. ;-)
 
Zurück