HateCrewDeathtroll am 03.01.2006 23:09 schrieb:
Es ging ja auch nicht um paradoxien sondern darum das die wissenschaft und Gott paradox sind und über unseren Verstand hinausgehen.
Wenn sie dann nicht an die Wissenschaft glauben sondern Gott , ist das insofern seltsam , da beide gleichgestellt werden.
Also ist es widersprücjlich an das eine , aber nicht an das andere zu glauben.
Also muss man entweder an beides oder an nichts von beiden glauben.
Nah, hier vertust du dich mit dem Begriff „Widerspruch“. In der Aussage „p und q sind gleichgestellt, also entscheide ich mich entweder für p oder für q“ ist kein Widerspruch. Es mag
willkürlich scheinen, das Eine dem Anderen vorzuziehen, wenn beide gleichgestellt sind, aber ein Widerspruch ist das noch lange nicht.
Also ist das "nichts" das Gegenteil vom existenten.
Falsch. Das Gegenteil vom Existenten ist das Nichtexistente. Das Nichtexistente aber ist nicht äquivalent mit
nichts. Viereckige Kreise beispielsweise sind Nichtexistentes, dennoch aber sind sie nicht
nichts (sondern etwas, nämlich viereckige Kreise).
Desweiteren muss theoretisch "nichts" existieren ,weil man ja sonst nich darüber Disskutieren könnte oder?
Auch falsch. Wie ich schon schrieb: Wir können über
nichts nicht sprechen. Beispiel:
“Wenn wir über nichts sprechen, dann sprechen wir nicht.“
Ich darf sicher davon ausgehen, dass du mit mir übereinstimmst, dass dieser Satz, so, wie er dasteht, wahr ist.
Daraus aber folgt gemäß dem Kontrapositionsgesetz:
Wenn wir nicht nicht sprechen, dann sprechen wir nicht über nichts.
D.h.
Wenn wir sprechen, dann sprechen wir über etwas.
Das ist der Punkt! Wenn wir über irgendetwas sprechen, so sprechen wir stets über
etwas. Nun fragst du, worüber wir denn sonst die ganze Zeit bitte sprechen. Ganz einfach: Über einen Stellvertreter, den wir anstelle von
nichts verwenden, denn sonst hätten wir ja nichts, worüber wir sprechen könnten.
Stelle dir das so vor: Du willst jemandem die Lage der Länder auf der Erde erklären. Da du allerdings nicht den Erdball nehmen kannst, um daran die Lage der Länder zu erklären, nimmst du einen stellvertretenden Gegenstand: Einen Globus. V i e l e der Eigenschaften, die dieser Globus (symbolisch) besitzt, besitzt auch der Erdball (nur eben in einem anderen Maßstab): Die Lage der Länder, die Größe derselben, die Position von Gebirgen und den Verlauf von Küstenlinien usw. Allerdings besitzt dieser Stellvertreter auch Eigenschaften, die der Erdball nicht besitzt. Beispielsweise ist der Globus in einer Vorrichtung mit Standfuß eingehängt. Nun wäre es jedoch unsinnig, auch diese Eigenschaft des Stellvertreters für den stellvertretenen(!) Gegenstand, den Erdball, zu behaupten. Die Erdball schließlich hängt ja nicht in einer Vorrichtung mit Standfuß.
Der Fehler, den du begehst, ist aber genau dieser: Du betrachtest unseren Stellvertreter (also das, worüber wir anstelle von
nichts reden), stellst fest, dass dieser ein Gegenstand ist und schlussfolgerst daraus, dass auch
nichts ein Gegenstand ist (dem man dann Eigenschaften zusprechen kann). Das aber ist eben gerade nicht der Fall.
Nichts ist kein Gegenstand, denn wäre
nichts ein Gegenstand, so wäre es ja etwas.
Als Anmerkungen:
1. Verwechsle nicht den Begriff „nichts“ mit dem Begriff „das Nichts“. Unsere Alltagssprache mag suggerieren, dass diese beiden Begriffe gleichbedeutend sind, aber das sind sie auf keinen Fall; das ist logisch aufzeigbar.
2. Was ich wohl erwähnen sollte, ist, dass Existenz in der Gegenwärtigen Logik nicht als Eigenschaft begriffen wird, sondern als Handlungsanweisung. Der Satz „Es existieren schwarze Schwäne“ ist daher kein Satz, der schwarzen Schwänen die Eigenschaft der Existenz zuspricht, sondern eine Handlungsanweisung, nämlich: Untersuche den Redebereich und du wirst etwas finden, was die Eigenschaften hat, die Schwäne haben und das die Eigenschaft des Schwarzseins besitzt. Darum spricht man vom Existenzquantor (das ist das Zeichen, dass in der Quantorenlogik für „Es existiert etwas, das...“ steht) auch als Existenz
operator. Das ist allerdings eine ziemlich verzwickte Angelegenheit und für unsere Diskussion auch nicht ausschlaggebend.