also, 10% sind halt eindeutig der Rechten Szene zuzuordnen - sicher sind da weiter 10%, die "unerkannt" blieben, und nochmal 20-50%, die - zumindest auf der Demo - sich so verhielten, dass man sie für eher rechts halten könnte.
Gestern Nacht war die Demo auch eines der Themen bei Domian (Call-In-Radio-Sendung, die auch im WDR-TV kommt), das war sehr interessant:
- ein ganz junger Polizist (19) meinte, dass die Polzeitaktik nicht aufgegangen sei, wobei er selber wohl nur im Bahnhof war und das meiste eher von Kollegen mitbekommen hatte. Er kritisierte den Einsatz aber sehr und hat auch seinen eigenen "Hass" gegen rechte Schläger betont, gesagt, dass er noch nie so viele Rechte mit solch eindeutig rechten Parolen erlebt hat. Er versteht nicht, warum die Demo überhaupt genehmigt wurde (hatte anscheinend keine Ahnung, dass ein Gericht das entscheiden muss und die Hürden EXRTEM hoch legt). Nebenbei ging es auch darum, dass die Ausrüstung der Polizei nicht gut sei.
- ein Kölner Hool distanzierte sich für SEINE Gruppierung von den Vorfällen, sprach aber auch davon, dass die Krawallmacher auch betrunken waren und sicherlich auch provoziert wurden. Er hat sich also nicht klar gegen die Gewalt distanziert, obwohl er später auch wiederum zustimmte, sich für die Vorfälle mitzuschämen. Die Aktion mit dem Polizeibus (wurde umgekippt) fand er einfach nur kindisch. Der Hool selber bezeichnete sich nicht als rechts, er ist selber Ausländer. Er widersprach auch der allgemeinen Auffassung, dass Hools automatisch rechts seien. Er ist aber der Meinung, dass man endlich den Salfisten die Stirn bieten muss, und gegen Extremisten helfe es nur, wenn man ebenfalls extrem gegenreagieren würde. Insgesamt machte der Hool nicht gerade den hellsten Eindruck, stritt danach auch abseits des Demo-Themas generell um das Thema, warum man sich schlagen muss, vor allem weil der Hool selber mehrere Kinder hat.
- eine Frau rief an, die sich selber sogar der "linken Szene" zuordnet und bei der Demo mitging - sie sagte, dass die Medien einen völlig falschen Eindruck wiedergeben würden, es seien nur Hools oder gar ein einziger rechter Mob gewesen. In Wahrheit, so meinte sie, bestand sicher die Hälfte der Demonstranten aus normalen Bürgern. Sie selber wollte mitgehen, obwohl sie wusste, dass dort auch Rechte dabei sind, weil sie es gut findet, dass endlich mal überhaupt was getan wird. Außerdem warf sie der Polizei vor, Anti-Fa-Leute absichtlich in die Demo geleitet zu haben, damit es Ärger gibt, und dass dies auch ein Faktor war, warum es überhaupt zu Gewaltausbrüchen kam. Als sie dann meinte, das sei sogar vom Staat absichtlich so gemacht worden, wies Domian das als Hirngespinst ab - womit er auch recht hat. Es mag sein, dass die Polizei einige Anti-Fa-Leute versehentlich hat durchkommen lassen, aber sicher nicht mit Absicht.
- zu der Frau wurde dann noch ein Mönchengladbacher (offenbar auch ein Hool oder zumindest Ultra) zugeschaltet, der auch dabei war und bestätigte, dass Linksradikale unter den "Hools" waren. Zudem sagte er, dass die Situation erst so richtig eskalierte, als die Polizei die Demo für beendet erklärte und die Leute aufforderte, nach Hause zu gehen - gleichzeitig aber die Gruppe eingekesselt wurde, was der Aufforderung ja widerspricht. Er meinte, er habe in zig Jahren Bundesliga noch nie so etwas erlebt, und schließlich finden einige in den vorderen Reihen, die von der Polizei zurückgedrängt wurden, obwohl hinten auch kein Platz mehr war, mit Streit/Gewalt an.
Natürlich sind all diese Dinge auch geprägt von eigenen Wahrnehmungen - keiner von denen kann jederzeit alles gesehen haben, was wo genau passiert ist. Aber klar ist, dass eben auf keinen Fall nur Hooligans, geschweige denn nur Rechte dort dabei waren, und sicher gab es auch bei der Polizei gewisse Fehler, ggf. auch einfach nur Kommunikationsfehler (Kette bilden, obwohl die Leute an sich nur nach Hause wollten).
Was ich "erschreckend" fand war, wie uninformiert Domian war, der das an sich sogar als Thema von seinen Anrufern anforderte - der dachte, bei der Demo seien Hooligans UND Salafisten, weil er gehört hatte dort seien "Hooligans gegen Salafisten" - dabei ist das ja nur der Name der Hooligan-Gruppe. Er scheint auch zu glauben, dass alle Hools rechts seien, was Unsinn ist. Ebenfalls schien er nicht zu wissen, dass ein Verbot im Vorfeld auf Grundlagde der bisherigen Faktenlage vor der Demo nicht möglich gewesen wäre. Er hat das nämlich sehr kritisiert, allerdings AUCH nach dem Motto "wie kann man denn nur erlauben, dass dort Hooligans und Salafisten demonstrieren" - er dachte wohl wirklich, dass beide Gruppen dort seien... UND, fast schon naiv: er meinte, es seien NUR Polizisten verletzt worden, weil halt in der Presse nur was von Polizisten stand... also, von einem quasi Journalisten hätte ich da mehr erwartet.