hab ich nie gesagt, ist das echt so schwer zu verstehen? ^^ Ich sage nur, dass es in Ländern/Regionen mit weniger Bildung und Wohlstand EHER Tendenzen zu solchen Ausschweifungen wie Terror und Hass auf ein anderes Volk, Land oder Religion kommen kann, und dass Bildung und Wohlstand die Wahrscheinlichkeit für so etwas verringert. Das ist eine rein logische Sache.
Das ist keineswegs logisch. Es gibt Naturvölker, die den halben Tag gar nichts tun und trotzdem eine stabile Gesellschaft bilden. Hast du Statistiken bzw. Studien, die deine These nahe legen? Oder ist das einfach nur eine Vermutung deinerseits? Dann solltest du nicht so tun, als würdest du hier harte Fakten präsentieren.
Meine Theorie war ja, dass die größte Gefahr für die politische Stabilität von Gesellschaften ausgeht, die eine hohe soziale und wirtschaftliche Ungleichheit aufweisen. Und zwar MEHR als von Gesellschaften mit einer relativ geringen Bildung und Wohlstand. Mehr Wohlstand bedeutet nicht automatisch mehrr Stabilität, speziell dann, wenn der Wohlstandszuwachs einseitig verteilt ist. Gleiches gilt für Bildung.
Hinzu kommen natürlich noch andere Gründe für politische Instabilität, wie etwa religiös-traditionelle Gründe (Naher Osten), sehr heterogene Gesellschaften (Balkan, Naher Osten, Afrika) oder reines, brutales Machtstreben in eher anarchischen Gesellschaften (Afrika).
Wer nichts zu tun hat, weil es keine Arbeit gibt, sich ums Essen für den Tag sorgen muss und dann auch noch so wenig Bildung hat, dass er sich nicht selber informieren kann, der kommt viel eher in die Fänge von radikalen Wortführern als jemand, der einen Job hat, sich keine Sorgen ums Essen machen und gebildet genug ist, sich zu informieren, falls einer antanzt und behauptet, dass dieser und jener die Zukunft des Landes bedrohe.
Heute sind die Leute zwar insgesamt gebildeter bei uns, aber nicht zwangsläufig von höherem intellektuellen Kaliber. Und moralisch besser sind sie auch nicht. Bildung erhöht die Chance auf einen gutbezahlten Arbeitsplatz. Aber Bildung erhöht nicht die Intelligenz eines Menschen, zumindest nicht signifikant. Und wie viele gebildeten Leute interessieren sich für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Geschichte? Ein minimaler Bruchteil, leider. Die meisten gebildeten Leute haben davon keine Ahnung, weil sie sich abseits der Schule so gut wie nie damit beschäftigt haben. Du scheinst zu denken, dass Bildung automatisch bedeuten würde, dass man jede Meinung bzw. jede Aussage sofort durchschauen und bewerten könne. Das ist mitnichten der Fall. Die meisten Sachverhalte sind hochkomplex und erfordert einen hohen Aufwand, wenn man sie wirklich nachvollziehen will. Die wenigsten Leute sind bereit, sich diesem Aufwand zu stellen, oft auch gerade deshalb, weil sie beruflich so stark eingespannt sind. Deshalb "glauben" die meisten Gebildeten, was ihnen durch die Medien und die Politiker so vorgesetzt wird, auch deshalb, weil ihnen schlicht die argumentativen Alternativen fehlen.
Da gib es viele Gründe: es sind oft Leute, die sich als Verlierer sehen und Sündenböcke suchen. Dann sind es Leute, die mit den vermeintlichen "Eliten", also auch den Politikern unzufrieden sind und die Nase voll haben, weil sie glauben, dass die "oben" sich die Taschen voll machen auf Kosten der normalen Arbeitnehmer. Und dazu kommen Leute, die einfach nur Sorge haben, das, was sie haben, zu verlieren, weil zu viele Leute ohne Ausbildung ins Land kommen und die auch wegen Gerüchten und Vorurteilen Sorge vor zu viel Veränderung haben.
Kein Widerspruch
Aber all die sind immer noch weit entfernt von einem Mob, der am liebsten sofort "die anderen" angreifen und vernichten würde.
Und wer soll so einen Mob bilden wollen? Ich bin mir nicht ganz sicher, worauf du hinaus willst.
Die damaligen Zeiten kann man nun wirklich nicht mehr als Maßstab nehmen. Damals war es noch völlig "normal", dass man expandieren wollte und das dann auch mit Kriegen tat.
Es geht doch nicht nur um Krieg, sondern auch um Rassismus und den Völkermord an den Juden etc. Und nein, das haben wir leider nicht "überwunden". Rassismus etc. sind heute noch so präsent wie damals. Übrigens geht es den meisten islamistischen Extremisten real auch nicht um die "Eroberung Europas" (so verblendet sind die dann doch auch nicht).
Zudem war Deutschland damals relativ gebildet, aber der Anteil an zu dem Zeitpunkt eher einfachen Berufen wie Bauern war viel höher als heute.
Das ist richtig, ändert aber nichts daran, dass die Nazis auch unter der gebildeten Bevölkerung massive Zustimmung hatten.
Und im Vergleich zu heute ist auch viel mehr Bildung und VOR ALLEM viel mehr Möglichkeiten zur Information vorhanden. Überleg mal, wie das damals mit Nachrichten&co lief - da war Manipulation durch Lügen oder Verschweigen von Fakten ein leichtes. Wenn da zB "das Radio" erzählte, dass "die Juden" das Land übernehmen wollen, hat man das geglaubt und Basta.
Kannst ja mal einen Blick nach Russland werfen. Dort wird das immer noch praktiziert. Und die neuen Rechten hierzulande bilden sich einfach einen allumfassenden Mythos von der Lügenpresse. Das größere Informationsangebot alleine führt noch lange nicht zu einer aufgeklärteren oder intellektuell qualitativeren Gesellschaft. Man kann das Prinzip sogar umkehren. Durch die Pressefreiheit kann man heutzutage jeglichen Müll im Internet verbreiten und es finden sich bestimmt ein paar Leute, die dann daran glauben. Selbst für wirklich interessierte Menschen mit guter intellektueller Grundlage ist das Überangebot an Informationen inzwischen sogar eher hinderlich, weil es eben gar nicht mehr ganz so einfach ist, Fakt und Fiktion auseinander zu halten, auch gerade deshalb, weil viele angeblich objektiven Berichte doch einer bestimmten Agenda folgen und weil viele angeblich wissenschaftlich fundierten Studien bei genauerem Hinsehen dann doch nicht so wissenschaftlich sind und wiederum einem bestimmten Weltbild folgen. Es ist auch heute noch ziemlich einfach, sich die Welt so zurecht zu legen, dass sie ins eigene Weltbild passt. Davor sind auch Gebildete und Intellektuelle nicht gefeit, ganz im Gegenteil. Es ist einer der häufigsten Denkfehler bzw. "Verfahrensfehler", die eigene Position nicht ständig auf den Prüfstand zu stellen und stattdessen nur die Informationen zu konsumieren, die möglichst konform sind mit dem eigenen Weltbild, ala "Linke lesen linke Zeitungen" und "Rechte lesen rechte Zeitungen" usw...
Heute hast du eine VIEL offenere Welt, da kann Dir - wenn du halbwegs die Bildung hast - keiner was erzählen, was du nicht gegenchecken kannst, sofern du es willst. Und auch existenzielle Absicherung selbst für die, die es beruflich nicht auf die Reihe bekommen, ist heute viel größer. Nicht vergessen: ein Grund für Hitlers Aufstieg war auch, dass er für Arbeit sorgte, auch wenn das auf Dauer die Wirtschaft zerstört hätte, weil etliche Jobs überhaupt nicht produktiv genug waren, um die Löhne zu rechtfertigen. Da lief viel "auf Pump". Aber "das Volk" hatte halt das Gefühl: der hat was drauf!
Was soll der große Unterschied zu heute noch mal sein? Die Grundprobleme, die zu Hitlers Aufstieg geführt haben, sind heute im Kern noch ebenso aktuell wie damals. Klar, es gibt eine etwas bessere Grundsicherung, aber das wars auch schon. In der USA konnte man Ähnliches mit dem New Deal abwenden und damit die gleiche Katastrophe abwenden, die Europa heimgesucht hat. Ich sehe allerdings keinerlei derartige Tendenzen in unserer modernen Welt, ganz im Gegenteil. Wir sind auf dem besten Weg zurück zu einem Wirtschaftssystem wie in den 30er Jahren, mit kaum vorhandener sozialer Sicherung und großer gesellschaftlicher Ungleichheit. Statt die Stabilität mit größerer Umverteilung zu erhöhen, reduzieren wir sie mit mehr Individualismus und Deregulierung. Was also verhindert einen neuen Hitler in der Zukunft? Der Schleier deiner verehrten Zivilisation? Sorry, aber ich teile deinen Glauben an die Zivilisation nicht im Geringsten, zumal auch unser Bildungssystem in den letzten Jahren sich immer mehr weg von der Allgemeinbildung und hin zur berufsgerechten Ausbildung bewegt hat. Akademische Zweifel sind heute nicht gerne gesehen, man soll sich systemkonform bewegen und brav seinen Dienst für die Wirtschaft erbringen, ohne Mucken und ohne falsche Illusionen über eine bessere Gesellschaft. Die Chance auf einen New Deal bei uns? Hm, die sehe ich gerade bei um die Null Prozent. Die Chance für einen neuen Hitler ist da imo schon deutlich höher. Aber das ist nur das extremste Beispiel. Die zunehmende Radikalisierung der Bevölkerung, der zunehmende Nationalismus und die zunehmende Gewalt gegen Fremde ist eigentlich schon Anzeichen genug, dass Bildung und Wohlstand wohl eher nicht ausreichen, um unsere Zivilisation zu bewahren...
Aber ging es nicht eigentlich um den Nahen Osten bzw. das Handeln des Westens dort und die Folgen?
