Triss und Geralt sahen sich einem schier unüberwindbarem Problem gegenüber: Ein ganzer Trupp Hexer-"Söldner", wenn man so wollte. Jeder von seinen eigenen Motiven, Überzeugungen und Dämonen getrieben, jedoch vereint durch dasselbe fundamentale Begehren, und zwar endgültig der Tatsache ein Ende zu bereiten, von der Allgemeinheit immer nur als dreckiges und unehrbares Monsterjägerpack abgestempelt zu werden, wissend, dass auch nur ein einziger ihresgleichen genügt, um eine ganze Heerschar an Soldaten niederzustrecken.
Sie wollten sich holen, was den Hexern ihrer Meinung nach seit langer Zeit zusteht. Ländereien, Machtpositionen, und nicht zuletzt auch die Gunst des Volkes. All dies wollten sie durch pure Brutalität und Gnadenlosigkeit erreichen. Sympathisanten würden rekrutiert, alle anderen, die sich ihnen in den Weg stellten, vor Ort exekutiert.
Getrieben vom Zorn und Machthunger standen sie nun vor den Toren der Stadt Viroledo, bekannt für ihre Schwertkampfmeister. Nur wenige Tage zuvor haben sich die talentierte Schönheit und der, den sie auch "Weißer Wolf" nannten hier niedergelassen, damit sie "geschäftliches" erledigen können. Zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnend, was sich anbahnen würde, standen Triss und Geralt nun am Tor, die Masse an Gegnern überblickend, die nicht nur aus einer bescheiden scheinenden Anzahl an Hexern bestand, sondern auch unzähligen Monstern und sogar menschlichen Anhängern und Anderlingen.
Konnte es denn wahr sein? Haben sie es tatsächlich hinbekommen, genau die Wesen, denen sie ihren Ruf zu verdanken haben, durch Magie nun für ihre Zwecke zu benutzen?
Überwältigt und eingeschüchtert zugleich waren die beiden sich zum ersten Mal in ihrem Leben nicht sicher, ob es denn einen Ausweg gebe. Da fiel Triss plötzlich etwas ein. Etwas aus einem ihr am liebsten niemehr ans Tageslicht gebrachten Lebensabschnitt.
"Geralt...", sagte Triss, "..., du weißt, dass wir unmöglich eine Chance haben, wenn wir da einfach rausspazieren und unser Ding durchziehen. Einige könnten wir mit in den Abgrund reißen, doch das wäre lediglich eine Lapalie für die."
Geralt starrte nur weiter auf das Grauen, das sich vor ihnen auftat, und sagte dann mit gewohnt grummeliger Stimme: "Verdammt nochmal! Mich soll doch sofort der Tot mit einem beherzten Schwung seiner Sense in den Untergrund befördern, bevor ich mich weigere nach all den Kämpfen, die ich hinter mehr hab...die WIR hinter uns haben, klein bei zu geben. Ich sterbe lieber kämpfend auf dem Schlachtfeld, als Sklave meiner eigenen Artgenossen zu werden."
"Und was, wenn ich einen anderen Ausweg wüsste? Einen, der das Blutvergießen hier und jetzt eindämmen und uns einen fairen Vorteil im Kampf verschaffen könnte?", schlug Triss vor.
Geralt war natürlich neugierig, wenn auch ziemlich misstrauisch, was denn auf ihn zukommen würde.
"Ich hatte vor Jahren einmal Einblick in die Grimoire einer sehr alten, längst verstorbenen, aber auch sehr mächtigen Hexe. Die meisten Zauber, die darin standen, hatte ich zuvor noch nie gesehen und waren von immenser Natur. Nur durch einerseits reine Hingabe zur Magie, und anderseits unglaubliche Willenskraft kanalisierbar. Einer davon blieb mir unter anderem im Gedächtnis. Ein Schutzzauber, der sich wie eine Kuppel über einen riesigen Bereich um den Zaubernden erstreckt und jegliche Art von Magie nicht nur abwehrt, sondern innerhalb dieser Kuppel auch zur Gänze neutralisiert.“
„Und wo liegt nun das Problem?“, erwiderte er ungeduldig.
„An der Hingabe zur Magie hakt es nicht, wie du weißt. Jedoch erfordert so viel Willenskraft wie ich nur aufwenden kann auch meine vollste Konzentration auf diesen Zauber, und auch NUR diesen einen.“
Geralt war verdutzt. In der Hoffnung, eine klare Antwort zu bekommen, fragte er sie kurz und schroff: „Na und? Du hast ja auch keinen anderen Zauber am Wirken. Davon wüsste ich doch.“
Und genau da irrte sich der Hexer: „Naja, da wäre schon ein Zauberspruch. Einer, den ich schon seit Jahren auf mich selbst wirke. Er fiel nur nie sehr ins Gewicht, da er doch nur ein kleiner, aber für mich bisher unabdingbarer war.“ Triss war sichtlich nervös, musste es ihm trotzdem sagen: „Es ist...ein Anti-Menstruationszauber.“
Peinliche Stille legte sich zwischen die beiden.
Sie fuhr aufgewühlt fort: „Verstehst du nun meine Besorgnis? Ich müsste für die besten Aussichten zum Erfolg den Zauber ablegen, kann aber nicht für die Folgen garantieren. Zuvor hat meines Wissens niemand so lange damit hantiert, schon gar nicht an sich selbst. Wer weiß, was dann auf uns zukommt, was es bei mir auslöst...“
Geralt, geplagt von allzu vielen Fragen, musste diese nun vorübergehend in den Hintergrund stellen und eine geeignete Antwort darbieten. Schließlich fiel die Entscheidung auf: *siehe Screenshot*.