@XRay90 und
@ichthys
Das Problem ist dann hier aber allen voran mangelhafte bis fehlende Kritikfähigkeit kombiniert mit überbordender Frequenz und Unsachlichkeit. Sicher, vieles an Internet-Kritik schießt über sinnvolle und kontextbezogene Kritik hinaus, wird persönlich oder beleidigend - dass ist nicht ok und auch nicht zielführend. Ich erlebe jedoch auch kaum bis keine Kritik, die sich direkt gegen Fans neuer Formate richtet - und zudem im Falle SFA auch einfach viel sachlich vorgetragene Kritik nach dem Motto: "Es ist nicht mehr mein Star Trek, weil...".
Unsere Wahrnehmung unterliegt eben auch dem Negativity Bias – auf Deutsch meist Negativitätsbias oder Negativitätsverzerrung. Das ist ein ziemlich robuster psychologischer Effekt: Negative Informationen wirken stärker auf uns als positive. Ein wütender Kommentar brennt sich tiefer ein als zehn wohlwollende.
Jeder darf und kann schauen was er will und gut finden was er will! Das ist selten bis nie Teil der Kritik! Zudem: Niemand der Kritiker stört sich wirklich daran, wenn jemand die Serie gut findet. Die Serie polarisiert stark, von Anfang an. Das geht nicht nur aus positiven Kritiker-Rezensionen und überwiegend negativer Zuschauer-Bewertung hervor, es impliziert grundlegend starke Differenzierung in zwei Lager. Und das ist ok.
Es wird allen voran Storyboard, Writing und zu immer wiederkehrend mangelhafte Kohärenz und Konsistenz kritisiert. Nicht der zugeneigte Zuschauer. Die Kritik richtet sich personell vorrangig gegen Alex Kurtzman, der das ganze verantwortet. Hatespeech gegen Darsteller kommt vor, sicher, verurteile ich und die allermeisten anderen Kritiker aber zutiefst.
Auch wird Diversität in Star Trek selten wirklich kritisiert - weil Star Trek immer schon divers und wegweisend war.
Aber: Auch Star Trek ist und war immer ein Abbild der gesellschaftlich-politischen Lage, somit nie unpolitisch. Das Problem mit SFA/Discovery ist aber spezifisch dahingehend störend, dass Writing und Umsetzung hier jeglichen Tiefgang, die typische philosophische Moral von Star Trek - eine seiner tragenden Identitätssäulen - vermissen lässt.
Identitätspolitik wirkt dann störend, wenn sie als moralisches Etikett über Figuren gestülpt wird. Sie wirkt stimmig, wenn sie als Charakterdimension Teil eines größeren ethischen Dilemmas ist. Gute Science-Fiction abstrahiert Gegenwartsthemen in Zukunftsszenarien, sodass wir sie reflektieren können, statt sie nur wiederzuerkennen. Und genau das schafft SFA nicht.
Zusammengenommen mit der fehlenden Konsistenz ist das im Grunde auch der Kern der sachlichen Kritik an SFA.
Was Ihr jedoch indirekt impliziert: Keiner darf bitte kritisieren - sonst vergeht mir der Spaß an meiner Serie! Und: Versteht bitte, dass wir es cool finden!
Weder lasse ich mir meine (sachliche) Kritik verbieten noch interessiert es mich, oder stoße ich mich daran an, dass Ihr SFA cool findet.
Und schlussendlich haben wir in unserer Zeit eine merkwürdige Darstellung der Dinge: Bisweilen wirkt es so, als hätte der "kleine, wütende Internet-Troll-Mob" die Schuld, dass Formate dann keinen Erfolg haben. Und das ist natürlich Unsinn und in etwa so als würde man sagen: "Der Kunde ist schuld, dass mein Produkt scheiße ist!". Diese Projektion geht bisweilen ziemlich weit und impliziert, man müsse nicht erfolgreiche Konzepte einfach "besser erklären" o.ä., dabei ist das offensichtliche bereits eingetreten.
So auch bei SFA - geringe Zuschauerzahlen als primärer Erfolgsindikator. Schlechte Zuschauerbewertungen, die bei sachlichen Einblick in die Kritik plausibel und nachvollziehbar sind. Und schlussendlich - und das ist wohl der der schleichende Untergang: Signifikant sinkende, generelle Bewertungen bei IMDb. Man bewertet nicht mehr nur schlecht, man bewertet gar nicht mehr. Das ist der Holzhammer.
Daher, habt Spaß - aber respektiert auch, wenn ich es eben Scheiße finde - und als vertane Chance!
Heute kommt "Voyager -Across the Unknown" raus, jippie!
Live long and prosper.