Was für ein Blödsinn. Das übliche, reflexhafte Verhalten eines "echten Fans", dem neue Missfällt. Du hast weder diese Serie noch Star Trek verstanden. Ich kann sowas echt nicht mehr hören oder lesen.
Die Kritik ist objektivierbar, stringent nachvollziehbar und bei weitem kein reflexhafter Community-Schnellschuss gegen alles neue. Sie erfolgt verzögert, reflektiert - sicher nicht immer & überall sachlich, aber im Kern treffend. Es gibt mittlerweile recht viele, sehr offene und kluge Auseinandersetzungen mit der Kritik an Starfleet Academy. Journalistisch werden diese gar nicht erwähnt oder nur mit der üblichen Verortung, meistens aber ignoriert. Dabei zeigt Strange New Worlds sehr gut, dass es anders geht: episodischer Ansatz, Ensemble-Fokus, moderner Look und klassischer Geist. Der Zuspruch zu SNW kommt nicht zufällig, hier erinnert sich Star Trek daran, was es einzigartig macht.
Die Kritik an Starfleet Academy ist – gemessen an dem, was Star Trek historisch war und leisten konnte – nicht reflexhafte Nostalgie, sondern eine ziemlich nüchterne Diagnose. Diese lässt sich auch mittels Analyse der handwerklichen und erzählerischen Machart ziemlich genau verifizieren. Warum das medial nicht objektiv erfolgt oder Thema ist, erschließt sich mir nicht. Zumal hier derart offensichtlich klar ist, dass man mit SFA definitiv kein Star Trek Zielpublikum erreicht, und das Studio ganz klar nach der Maxime agiert: entscheidend ist nicht, ob Hardcore-Fans applaudieren, sondern ob sich neue Abos, jüngere Zielgruppen und internationale Märkte erschließen lassen.
Die Kritik richtet sich nicht per se gegen Diversität, sondern hauptsächlich gegen den Verlust kultureller Kohärenz und Konsistenz. Zentrale Spezies und Institutionen werden in SFA so stark umcodiert, dass ihre erzählerische Funktion zerfällt. Diversität bedeutete: verschiedene in sich konsistente Kulturen, nicht das Auflösen dieser Konsistenz zugunsten moderner Signalwirkung. Wenn jede Spezies jede beliebige heutige westliche Wertposition spiegeln kann, verliert das Universum seine anthropologische Tiefe. An die Stelle konsistenter, spannungsgeladener Kulturen treten moralisch geglättete Figuren, deren Abweichungen nicht mehr als konflikthafter Bruch, sondern als zeitgeistige Korrektur inszeniert werden. Dadurch verliert Star Trek seine Stärke als Labor für echte Fremdheit und ethische Reibung und wird zu einem austauschbaren Gegenwartsdrama im Sci-Fi-Gewand. Die Serie verschiebt den Fokus von angewandter Verantwortung hin zu emotionaler Selbstverhandlung und untergräbt damit den humanistischen Zukunftsentwurf der Marke. Was bleibt, ist formale Modernität bei gleichzeitiger inhaltlicher Verkleinerung. Höflich ausgedrückt.
Diese Objektivierung ist extrem versachlicht und zurückhaltend ausgedrückt, denn hier fokussieren wir uns auf einen der Hauptkritikpunkte. Die unzähligen Respektlosigkeiten und völlig ausbleibende Wertschätzung gegenüber dem Kern des Franchise selbst, haben wir hier schon galant weggeatmet.
Ich kann hier also eher absolut nicht nachvollziehen, wie Presse und Kritiker auf eine derart hohe Wertung kommen konnten. Außer, dass ein entsprechendes Wertungsbild Inhalt einer Dienstleistungsvereinbarung und/oder einer mehr oder weniger ideologisch begründeten Agenda war. Dabei tun die nüchternen Kennzahlen nicht einmal so, als gäbe es hier einen Interpretationsspielraum. Sinkende Zuschauerbindung, abnehmende Relevanz außerhalb der eigenen Blase, kaum kultureller Nachhall. Das erwartbare Desaster ist kein Bauchgefühl, es ist ein Diagramm mit Pfeilen nach unten. Wie konnten sich denn all die Medienprofis so täuschen?
Das Interessante ist nicht, dass diese Formate scheitern, das wäre zu banal. Das Interessante ist, dass sie trotz klarer Evidenz weiterproduziert werden. In der Wissenschaft würde man sagen: Hypothese falsifiziert. In der Serienindustrie sagt man: "Wir müssen das besser erklären, nicht ändern." Ein Kernproblem ist, dass intern gern Erklärungen ausgetauscht werden, statt Annahmen zu überprüfen. Wenn Zahlen schlecht sind, liegt es dann angeblich an toxischen Fans, falschem Marketing, Review-Bombing oder der „noch nicht verstandenen Vision“.
Fast nie liegt es am Produkt selbst. Das ist bequem, aber fatal.
Und ich ertrage solche Serien und solche Berichterstattung einfach nicht mehr... und schalte nach Folge 1 ab. Und damit bin ich wohl scheinbar nicht der Einzige.
Live long and prosper!
& CS.