Boesor am 10.09.2008 16:52 schrieb:
XIII13 am 10.09.2008 16:35 schrieb:
Erstaunlich viele Menschen kommen aber auch ohne Religionen klar. Und für einen Atheisten stellt Religion in gewissem Maße auch nur Illusion oder Selbstbetrug dar.
Das kann ja jeder halten wie er mag.
Ja und das ist auch gut so. Sagt zumindest meine rationale Seite.
Emotional sieht das ganz anders aus. Gerade eben habe ich im Radio eine Reportage über junge Leute gehört , die ihren Glauben an einer Pilgerstätte in Frankreich verfestigen wollen, in der angeblich Maria einem Kind erschienen sein soll. Diese Überzeugung mit der die Interviewten darüber gesprochen haben , wie "Gott an diesem Ort wirkt" und ähnliche Aussagen haben mich ehrlich gesagt zutiefst erschüttert. Es geht nicht darum , diesen Leuten Vorwürfe zu machen , im Gegenteil ich empfinde Mitleid wegen der Verblendung mit der diese Menschen "gesegnet" sind. Der unerschütterliche Glaube an eine imaginäre Figur , das Vertrauen welches einem Hirngespinst entgegenbracht wird nur um durch eigentliche Enttäuschungen noch viel fester zu glauben haben meinen Eindruck von der eigentlich intelligenten und gebildeten im Interview befragten Jugend heftigst in eine kindlich naive Ecke gedrängt.
Subjektiv nimmt der Anteil an diesen "Neo-Fundamentalisten" in der Jugend stark zu , wenn man sich so Shows wie den Weltjugendtag einmal vor Augen führt.
Auf eine gewisse Weise verliere ich den Respekt vor solchen Menschen , die einerseits jung, dynamisch und geistig voll entwickelt sind , wissenschaftliche Theorien anerkennen und meist auch ein naturwissenschaftliches Fach studieren oder in ähnlich gearteten Berufsfeldern unterwegs sind, andererseits aber mit einer Torhaftigkeit gedankenlos Gott huldigen und freudig lieben, ohne jemals den eigenen Glauben kritisch hinterfragt zu haben.
Dieses "outsourcen" der Verantwortlichkeit für Leid und Schmerz , das aus der Hand geben des eigenen Lebens um mit verblendeter Sorglosigkeit der eigenen Fantasie nachzugehen
schockiert mich immer wieder. Ich maße mir nicht an , eine Wertung darüber abzugeben inwiefern sich so etwas auf das eigene Leben oder die Gesselschaft auswirkt , nur ruft das Erleben so einer brutalen Naivität in mir -wenn man es so nennen will- eine Art "Beschützerinstinkt" hervor , sodass ich jedem dieser Leute am liebsten wie einem kleinen Kind auf die Finger hauen und dann eine Standpauke über die Realität der Existenz erteilen würde.
Etwas abgeschwächt erlebt man das ganze auch bei Dir , Boesor -verzeih mir

. Du selbst beschäftigst dich zumindest hier im Forum intensiv mit Deinem Glauben , bringst intelligente und zur Sache beitragende Argumente mit ein , aber letztendlich steht am Ende wieder die unantastbare Idee des wie auch immer gearteten Gottes , in dessen Hände man letztendlich die Verantwortung für all das abgeben kann, und dessen Existenz für einen Aussenstehenden als für Dich persönlich unantastbar erscheint.
Emotinal sträubt sich mir alles entgegen so einer Haltung. Trotzdem muss ich sie akzeptieren und tolerieren , alleine um meinen Atheismus nicht auf ein Niveau mit der Beschränktheit des Glaubens zu setzen.
In diesem Sinne:
H.L. Mencken schrieb:
Wir müssen die Religion des Anderen respektieren, aber nur in dem Sinne und dem Maße, wie wir seine Theorie respektieren müssen, dass seine Frau schön ist und seine Kinder klug.