AW: x
satchmo am 19.03.2009 11:40 schrieb:
Natürlich flüchtet sich jemand mit seinen Gewaltgedanken in die dafür geeignete Welt.
Das ist auch das Ergebnis der Wissenschaft.
Aber auf der anderen Seite ist es eben auch so, dass niemand wegen dem Spiel zu einem gewaltbeherrschten Menschen wird.
Das ist klar, und erstaunlicherweise hat bisher auch kein Psychiater oder Kriminologe (sogar Pfeiffer nicht) behauptet, dass Spiele Menschen drastisch umpolen können. Einige wenige Politiker mögen das vielleicht behaupten, nur haben diese Politiker im Regelfall weder Ahnung von der Psychiatrie, noch von den virtuellen "Unterhaltungskonzepten mit hohem Gewaltanteil". Und ich betone erneut, dass es nur wenige Politiker gibt. Eigentlich sind es immer die gleichen Verdächtigen, die aus einem gewissen Freistaat zu kommen scheinen, der für komische Weißwürste und ein Massenbesäufnis genannt „Oktoberfest“ bekannt ist...
Man kann in einem freien Staat keine absolute Sicherheit schaffen.
Das geht sicherlich nicht, nur bin ich für eine Verschärfung bzw. Überarbeitung von existierenden Regeln:
1.) Reformierung der USK: Spiele gezielt und effektiver prüfen, die Freigabe nicht nur von der Brutalität und der Intention (Selbstjustiz bei Max Payne), sondern auch vom potentiellen Suchtpotential abhängig machen. Warum ein CSS trotz entsprechender Gewaltdarstellungen ab 16 freigegeben ist, ist mir nicht ganz klar. Selbiges gilt für andere Titel, die trotz harter Darstellungen entsprechende Freigaben bekommen. Beim Thema Onlinerollenspiele gehe ich absolut mit der Forderung von Prof. Pfeiffer konform. Freigaben sollten da kategorisch nur ab 18 erfolgen, weil eben Schüler und Jugendliche oftmals
nicht abschätzen können, wie stark das Suchtpotential bzw. der Zeitvernichtungsfaktor ist. Handlungsbedarf bei virtuellem Sondermüll wie Manhunt sehe ich eigentlich nicht. Das Ding wurde indiziert und beschlagnahmt. "Verbote" gibt es also schon, und sie greifen bei entsprechend schweren Fällen auch.
2.) Minimale Verschärfung des Waffengesetzes: Das Lagern von Schusswaffen sollte in den eigenen 4 Wänden verboten werden, und Schützenvereine müssten entsprechend mit Sicherheitsmechanismen "aufrüsten". Ich schieße selbst gerne im Verein, sehe aber keinen Grund darin, warum man die Waffen in den eigenen 4 Wänden lagern sollte. Und ich kenne bisher noch keinen Schützen, der begründet ein Problem damit hätte, wenn die eigene Glock 17c im Stahltresor des Vereins übernachtet, statt im Kellertresor des Hauses, wo eben auch Kinder wohnen. Kinder im Haushalt sind immer ein Risikofaktor. Nicht alle laufen Amok oder sind brutal, aber Kinder sind gerissen und kommen vll. irgendwie an den Schlüssel oder die Kombination. Auch um die Waffe "nur" den Freunden zu zeigen. Beim Bund gibt man "seine" Waffe immerhin auch nach jeder Übung oder dem Schießstandbesuch ab. Das sollte gerade im zivilen Sektor gelten.
3.) Generelles Verbot von Softairs, die echten Waffen bis aufs Detail ähneln. Bei aller Liebe zum Waffenfetisch: Warum es Softairs mit den äußeren Merkmalen von halbautomatischen Waffen eines großen Kalibers geben muss, ist mir schleierhaft. In erster Linie ist das "Spielzeug", das schnell Probleme auslösen kann, wenn man damit im Freien "spielt".
4.) Sensibilisierung der Eltern. Wenn man schon Millionen für dämliche Kampagnen wie "du bist Deutschland" ausgeben kann, dann sollte man auch eine entsprechende Kampagne starten, die Eltern klar macht, dass Spiele eben nicht gleich Spiele sind (etwas ähnliches gab es bereits, ist aber imho untergegangen). Hinzu müssen Verkäufer entsprechend "drastisch" geschult werden, Spiele nicht an Kinder oder nicht eindeutig vom Alter einschätzbare Personen zu verkaufen. Probekäufe unter Aufsicht des Jugendamtes oder ähnlicher staatlicher Institutionen wären sinnig. Warum sich DAS damals nicht bei den Alkoholkontrollen durchgesetzt hat, ist mir absolut schleierhaft...
Eigentlich sind alle Regeln auch ohne Modifikation ausreichend stark. Nur was bringen die Regeln, wenn Eltern, Gesellschaft und sonstige Faktoren diese ignorieren. Aber theoretisch könnte man bei Spielen und Waffen mit den angedachten Änderungen das Netz enger ziehen, ohne das jemand wirklich in seiner Freiheit beschnitten wird.
Edit:
SoSchautsAus am 19.03.2009 12:32 schrieb:
Ich kann diese Frage nicht endültig beantworten. Willst du behaupten du kannst das?
Es gibt Studien, die nicht zwischen passiver und aktiver Gewalt differenzieren. Diese thematisieren nur die Wirkung der allgemeinen Medien. Und es gibt Studien, die spezifisch auf Passivität und Interaktivität eingehen.
Faktisch sollte dir aber jeder Psychiater (falls du einen kennst, kannst du diesen ja fragen) bestätigen können, dass Interaktivität und Passivität 2 völlig und grundverschiedene Dinge sind, die andere Regionen im Gehirn ansprechen und auch anders auf den Menschen bzw. die Gefühlswelt wirken. Schlagworte sind:
Empfundenes Mitgefühl (
bei Saw und Saving Private Ryan hat man Mitgefühl und verurteil die Gewalt, die Unschuldigen angetan wird, im Spiel findet das nicht statt),
Erfassung der Situation / Motivation (
warum töte ICH im Spiel, warum tötet der Held im Film?),
Selbstreflexion (
ich töte weil es im Spiel Spielziel ist und häufig Spaß macht, wenn der Filmheld - oder eine Feindfigur - tötet, dann aus Gründen die man verstehen kann, oder eben emotional verabscheut),
Gewalt in Relation zum Inhalt, Identifikationspotential (
ICH bin der Täter im Spiel, ICH kann die Handlungen der Filmfigur an moralischen Werten messen und so bewerten).
Natürlich gibt es auch bei Filmen (wie auch bei Spielen) "emotional geschädigte Konsumenten", die sich an der Gewalt ergötzen und den Film darauf reduzieren, aber bei normalen und emotional ausgeglichenen Menschen, findet eine deutliche Differenzierung zwischen Aktivität und Passivität statt.
...
Manhunt 1 ist indiziert und beschlagnahmt. Von Teil 2 habe ich nicht geredet, obwohl der Titel sicherlich auch die Kriterien für eine Beschlagnahmung erfüllt.
Regards, eX!