Aber du störst dich vielleicht auch am "schuldig" (klingt auch so christlich). Du darfst das gerne mit verantwortlich ersetzen.
Es ist egal, ob du dich damit identifizierst. Du bist Teil dieser Gesellschaft (mit allem, was dazu gehört) und stehst damit auch in der Verantwortung für das, was diese Gesellschaft als sozial aggregiertes Konstrukt tut, ganz egal, ob dir das gefällt oder nicht.
Und wer, oder was, ist diese ominöse "Gesellschaft"? Einzelne Nationalstaaten? Der "Westen"? Die "erste Welt"? Letztlich bedeutungslos, weil eigentlich nur ein ziemlich willkürliches Gedankenkonstrukt.
Ich bin da vielleicht gedanklich schon etwas weiter. Für mich haben künstliche Gebilde a la "Nationen", oder gar "Rassen", keine Bedeutung - für mich gibt es nur "Menschen".
Ich versuche, nie in Schubladen zu denken (immer schaffe ich das nicht, gebe ich zu), sondern beurteile immer das Individuum, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Hautfarbe und Religion.
Alles andere ist Kokolores in meinen Augen und daher habe ich auch nur ein spöttisches Lächeln für leere Konzepte wie gesellschaftliche Verantwortung, etc., übrig.
Ich lebe nach der Maxime, "Tu, was Du willst, aber achte darauf, niemand anderem dabei zu schaden/beleidigen/gefährden."
Wenn das jeder, in all seiner Einfachheit, beherzigen würde, gäbe es die meisten Probleme gar nicht.
Es geht doch nicht nur um das, was man so landläufig unter "Ausbeutung" versteht, ala Kinderarbeit usw. Die wirtschaftliche Unterdrückung und Übervorteilung ist insgesamt viel subtiler, viel komplexer, viel breiter aufgestellt. Auch wenn wir uns noch so anstrengen, können wir uns nicht vollständig abkapseln (es sei denn wir leben in einer Holzhütte im Wald, ohne Strom und ganz ohne kommerzielle Produkte).
Ja, aber warum sollte ich mich für die Probleme anderer Menschen interessieren? Wichtig ist nur, dass ich sie nicht verursache - auch wenn Du jetzt wieder sicherlich argumentierst, ich würde als "Teil der Gesellschaft" selbstredend dazu beitragen.
Klar ist es nicht dein Problem, du lebst ja nicht in den Ländern, die unter sowas leiden. Also kann es dir reichlich egal sein. Und natürlich fährst du nicht persönlich nach Afrika, um dort deinen Schrott zu entsorgen. Aber wieder: du bist Teil einer Gesellschaft, die das zulässt, auch wenn dich das noch sehr anwidern mag (geht mir ja nicht anders).
Es mag sich hart anhören, aber ich verschwende daran nicht wirklich einen Gedanken. Diese Probleme können letztlich nur von denjenigen gelöst werden, die dieses Problem aktiv verursachen. Und der Schuldige ist dafür nicht ausschließlich bei "uns" zu suchen, sondern die afrikanischen Staaten, respektive "Herrscher", sind mindestens genauso dafür verantwortlich. Afrika muss seine Probleme in erster Linie selbst lösen.
Dann bist du aber reichlich blauäugig imo. Kannst ja mal in die USA kucken, was bei rauskommt, wenn jeder nur nach sich selbst kuckt. Theoretisch ist das ja ein schönes Prinzip, es hapert nur (wie so häufig) an den Menschen. Die wenigsten sind nämlich in der Lage, langfristig zu denken. Es geht häufig nur um die kurzfristige Befriedigung. Aber gut, wenn dir eine entsolidarisierte Gesellschaft wie in den USA gefällt, dann sei es so. Aber dann beschwere dich auch nicht über die Probleme, die mit so einer Gesellschaft einhergehen.
Der "Blauäugige" bist Du, mein Lieber, denn Du offenbarst ein weiteres Mal erschreckende Unkenntnis zum Thema USA. Ich würde die US-Gesellschaft insgesamt für SOLIDARISCHER als bspw. die deutsche einschätzen. Der typische US-Bürger ist tendenziell sehr hilfsbereit. Richtig ist, dass der STAAT sich in den USA in vielen Belangen, gerade im sozialen Bereich, raushält, im Gegenzug aber sehr viele private Initiativen existieren.
Aber natürlich bin ich nicht so "blauäugig", die USA insgesamt als positives Beispiel anzupreisen. Es gibt Bereiche, da sind sie m. E. besser aufgestellt als wir, dafür gibt es andere...Dinge, die man zurecht als fragwürdig empfinden kann.
Es geht aber nicht um glauben, sondern um wissen, sprich um Aufklärung. Oder bist du auch gegen Bildung?
Rhetorische Frage?
Ich bin z. B. ein großer Fan von John Locke, der übrigens einer der geistigen Vorväter der US-Verfassung ist(die ich ja bekanntermaßen für äußerst bemerkenswert erachte!):
"Der Naturzustand ist ein Zustand vollkommener Freiheit, innerhalb der Grenzen des Naturgesetzes seine Handlungen zu lenken und über seinen Besitz und seine Person zu verfügen, wie es einem am besten scheint – ohne jemandes Erlaubnis einzuholen und ohne von dem Willen eines anderen abhängig zu sein.“
Du scheinst mir dagegen mehr ein Anhänger von Thomas Hobbes zu sein, "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf", daher braucht es einen starken Staat.
EDIT:
Wunderbar weise, v. a. der letzte Satz:
http://www.spiegel.de/kultur/gesell...-a-1114614.html#js-article-comments-box-pager
Wir habe alle nur eine relativ kurze Zeitspanne auf dieser Welt, 80 bis vielleicht 100 Jahre. Warum also sein Leben damit verschwenden, sich mit Problemen zu befassen, die einen gar nicht unmittelbar betreffen?
Leben und leben lassen.
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