Welche Werte sollen das sein?
Das würde mich auch mal interessieren....
All das aufzugeben und in die Tonne zu werfen, was unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten aufgebaut haben und Deutschland zu einem Multikultischmelztiegel mit Islameinschlag zu machen?
In den letzten Jahrhunderten? Unsere Vorfahren haben unter anderem auch das Nazireich aufgebaut, ganz ohne Muslime. Davor haben wir die halbe Welt durch den Kolonialismus unterdrückt und damit die halbe Welt ins Elend gestürzt, mit allen Folgen, die wir auch heute noch sehen. Auf dieser grandiosen humanistischen Leistung basiert übrigens auch noch die heutige Ungleichverteilung auf dieser Welt, in der ein paar reiche westliche Staaten auf Kosten aller anderen leben und das auch noch als ihr natürliches Anrecht ansehen. Jaja, echt tolle Leistung!
Ihr setzt mit eurer verantwortungslosen Politik die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder auf's Spiel. Ich halte euch für brandgefährlich.
Was setzen wir denn genau aufs Spiel? Welche glorreiche Zukunft soll das sein?
Es ist schon traurig, wie man sich derart vor ein paar Muslimen fürchten kann, während einen der ungezügelte Kapitalismus tatsächlich immer weiter ins Elend drängt und die gesellschaftlichen Strukturen nach und nach von einem System ausgehöhlt werden, in dem nur die Reichen und Mächtigen profitieren. Unser vorrangigstes Problem ist nicht Zuwanderung und auch nicht der böse Islam, sondern die Strukturen von Kapitalismus und Globalisierung und unsere eigene blauäugige Arroganz und Ignoranz. Alles, was wir können, ist nach unten keilen.
Die G7-Staaten haben schon vor Jahrzehnten 40% der weltweiten Ressourcen verbraucht. Schon mal daran gedacht, was passieren wird, wenn China, Indien, der Rest der EU, Südamerika oder gar Afrika plötzlich fleißig werden sollten und auf unser Wohlstandsniveau kommen wollen? Ewiges Wachstum klappt halt nur schlecht auf einem Planeten, der in vielerlei Hinsicht ziemlich begrenzt ist. Aber sicher, ich vergaß, wir sind die Guten und die anderen sind alle selber schuld. Wenn wir die halbe dritte Welt mit Krieg überziehen, um "geostrategische Vorteile" zu nutzen, wenn wir Diktatoren weltweit durch unsere Gier nach Rohstoffen stützen oder stürzen, wenn wir unsere Abfälle zum Schleuderpreise in arme Länder verschiffen, und damit die lokale Wirtschaft völlig ruinieren, wenn wir gleichzeitig Waren beziehen, die dort für einen Hungerlohn produziert werden, dann ist das alles nur zum Wohle der Menschheit und Ausdruck unserer Nächstenliebe...
Neben all diesen globalen Problemen lassen wir uns einlullen von der Angst vor dem bösen Fremden und Muslim, während der Kapitalismus uns jeden Tag mehr ein- und beschränkt. Frei nach dem Motto: "Jeder kann reich und zufrieden werden, aber eben nicht alle." wird uns die Karotte vor der Nase gehalten und uns ein Märchen verkauft, von dem nur sehr wenige wirklich profitieren. Es gibt wirkliche, dringliche Probleme in Deutschland, you know. Ab 2030 etwa werden mindestens 40% der Deutschen von Altersarmut bedroht sein, also im Alter maximal auf Hartz IV Satz kommen. 40% der Bevölkerung! Und ihr macht euch Gedanken um die Muslime, die nicht mal 10% der Bevölkerung ausmachen? Echt jetzt? Und das ist nur ein Thema von vielen. Dass wir Millionen von Arbeitnehmern haben, die von ihrer Arbeit kaum leben können, sollte eigentlich inzwischen jedermann bekannt sein. Ebenso dass die oberen 10% der Gesellschaft zwei Drittel des nationalen Barvermögens besitzen, während sich die unteren 50% praktisch überhaupt nichts fürs später zurücklegen können, weil sie jeden Cent zum (Über-)Leben brauchen. Ich nehme an, dass daran auch die Flüchtlinge schuld sind.
Aber ich kann es ja verstehen, die Medien und Politiker versuchen alles, um die echten Probleme zu verschleiern. Dafür bietet sich ein Thema wie die Flüchtlingskrise (davor war es Griechenland oder Ebola oder Vogelgrippe oder generell Terrorismus usw) prima an. Der Flüchtling oder der Muslim ist an allem schuld! Da kann jeder mitreden, jeder mitpöbeln, jeder lamentieren. Dafür muss man auch nicht viel Intelligenz haben oder irgendwelchen komplexen Zusammenhänge durchschauen, da reichen ein paar aufgeschnappte Wortfetzen aus der Bild. So ein Thema ist Opium für das Volk, damit diejenigen, die von unserem System (auf Kosten aller anderen) profitieren, auch weiterhin ihre Moneten machen können, während sich das dumme Fußvolk gegenseitig zerfleischt. Die Armen werden auf die noch Ärmeren gehetzt, das ist doch prima. Deutsche Hartz IVler gegen muslimische Flüchtlinge, so muss man sich den Hinterhof-Hahnenkampf des 21. Jahrhunderts vorstellen, mit dem sich die Elite ihre Zeit vertreibt. Fehlt nur noch, dass man auf den Ausgang wetten könnte...
Die gleichen Leute halten übrigens auch eine Mauer oder einen Zaun für super, freilich einen Zaun, der Waren und Kapital durchlässt, Menschen aber nicht. Schließlich müssen wir uns unseren externen Niedriglohnsektor bewahren, der weiterhin schön billig unsere einfachen Konsumgüter und Rohstoffe produziert, die sich dort vor Ort aber kaum jemand leisten kann. Außerdem brauchen wir natürlich freie Grenzen für Kapital, sonst könnte es ja sein, dass reiche Individualpersonen und Unternehmen plötzlich Steuern zahlen müssten. Das kann freilich nicht sein. So war es ja schon immer und so muss es auch bleiben, der europäische Herrenmensch weiß eben um seinen Platz am Tisch und er kuckt befremdlich auf den Muslim oder den Afrikaner, der da etwas verwirrt scheint, weil er einfach nicht mehr auf seiner Seite des Ozeans bleiben will. Oder auf den armen Schlucker, der nicht weiß, dass sein Anteil niemals größer werden wird und dass die Regeln unserer Gesellschaft nur für diejenigen gelten, die es sich nicht leisten können, darüber zu stehen...
Du kannst dir Kapitalismus im Endstadium selbst anschauen, musst nur in die USA reisen. Aber nicht in die Hochglanzdistrikte von LA oder NY, sondern nach Baltimore, Detroit oder Ferguson. Da kannst du eine Gesellschaft sehen, in der sich die Armen gegenseitig bekämpfen und gegenseitig abschlachten, während die Elite abgehoben vom Rest der Gesellschaft und komplett entsolidarisiert dem degeneriertem Luxus frönt und die große Mehrheit der Bevölkerung offen verachtet. Da kannst du eine westlich-abendländische Gesellschaft sehen, in der Millionen in richtigen Ghettos und vom Hand in den Mund leben und in denen eine einfache Krankheit den kompletten Ruin bedeuten kann, in der Rassismus und Hass grassieren, in der Mord die wahrscheinlichste Todesursache für junge Männer ist, in der prozentual mehr Menschen als irgendwo sonst auf der Welt im Gefängnis sitzen, in der du von heute auf morgen auf der Straße sitzen kannst, in denen Patriotismus eine perverse Ersatzreligion für alle wird, die sonst nichts von Wert im Leben haben. Das ist die Art von entsolidarisierter Gesellschaft, die sich die national-kapitalistische AfD herbei träumt, während sie in der Öffentlichkeit meist nur den bösen Muselmann anprangert. Aber ich schätze mal, dass an den Verhältnissen auch die Muslime oder die Schwarzen schuld sind, wie könnte es auch anders sein. Denn der Kapitalismus ist selbstverständlich alternativlos, wie Merkel sagen würde. Wir müssen alle wettbewerbsfähig sein. Wenn jemand von seiner Arbeit nicht mehr leben kann, ist er vielleicht wenigstens wettbewerbsfähig. Hurra!