Ok, dann mach ich mal weiter.
b) Der physikalische Beweis
Der naturwissenschaftliche (=physikalische) Beweis ist tatsächlich weniger zwingend, man glauben möchte (und als allgemein angenommen wird). Zwar hört man immer wieder das Argument: "Das ist naturwissenschaftlich bewiesen!" - verbunden mit der Erwartung, dass damit jede Diskussion beendet ist. Aber das ist ein Irrglaube: Das einzige, was in der Naturwissenschaft exakt und (hoffentlich) eindeutig erhoben wird, sind
Daten. Alles andere (vor allem die daraus abgeleiteten Theorien) sind
Vermutungen.
1. Schritt: Die Daten
In der Naturwissenschaft gilt es zunächst, Daten zu sammeln: Durch Beobachtungen, Messungen, Experimente und Forschungsreisen. Diese Daten sind bereits eine erste Fehlerquelle, denn sie können nur durch Beobachtung gewonnen werden. Die Mathematik, die bereits erhobene Daten miteinander verbinden kann, ist nicht in der Lage, empirische Daten vorherzusagen:
Zum Beispiel muss die Lichtgeschwindigkeit nicht endlich sein, doch in unserer Welt, die sich von all den vorstellbaren anderen mathematisch möglichen Welten unterscheidet, ist sie es. Sowohl Kepler als auch Descartes dachten noch, dass die Lichtgeschwindigkeit unendlich ist.
Die Grundlagen der Naturwissenschaften, die Daten, lassen sich nur empirisch gewinnen, indem man sich die Welt ansieht und herauszufinden versucht, wie sie funktioniert.
Zur Lichtgeschwindigkeit und deren Bedeutung in der Physik:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgeschwindigkeit
Es gilt bei der Beobachtung (also dem empirischen Gewinnen von Daten), mögliche Ungenauigkeiten, Täuschungen oder Fehlmessungen zu vermeiden und oder gar ganz auszuschließen, so dass die Daten unter exakt beschriebenen Umständen jederzeit und überall identisch erhoben werden können.
2. Schritt: Die Hypothesen verbinden Daten
Danach beginnt der theoretische Teil der Forschung: Die Daten werden durch Überlegungen miteinander in Beziehung gesetzt. Es wird nach allgemeinen, möglichst einfachen Erklärungen gesucht, warum die Daten genauso beschaffen sind und welche Mechanismen im Hintergrund wirksam sind. Dabei kann sich nur eine Hypothese etablieren, die mit möglichst wenigen Zusatzannahmen (Das „Occam’sche Messer“ -> stammt von Wilhelm von Ockham, einem, ob man es glaubt oder nicht, Franziskanermönch *g*) auskommt, möglichst viele Daten erklärt und komplizierte Sachverhalte auf einfachere zurückführen kann.
Ein wichtiges Kriterium für die Akzeptanz einer Hypothese ist ihre Schlichtheit, Einfachheit oder - wie David Lindley (siehe dazu auch: „Das Ende der Physik“) es ausdrückt - ihre Schönheit. Das mag verwundern; aber nach Lindley war vor allem Einstein der Überzeugung, dass „wissenschaftliche Theorien elegant sein sollten, sie mögen auch komplex und schwer zu ergründen sein, dürfen aber nicht erzwungen wirken; sie sollten eine gewisse innere Schönheit besitzen, die ihre Eignung zeigt, die Natur zu beschreiben.“
Noch heute liegen nur wenige direkte experimentelle Beweise für die Allgemeine Relativität vor. Aber noch immer werden Physikstudenten von dieser Theorie und der ihnen innewohnenden Anziehungskraft fasziniert, dem Gefühl, etwas mathematisch so tief Befriedigendes müsse notwendigerweise eine tiefe Wahrheit enthalten.
Eine Hypothese, die diesen Anforderungen entspricht, wird nun verallgemeinert: Einmal angenommen, diese Hypothese wäre korrekt - welche Vorhersagen für bisher noch nicht erhobene Daten können gemacht werden? Was folgt daraus für weitere Versuche, Experimente oder Beobachtungen?
3. Schritt: Experimente bestätigen Hypothesen
Diese Vorhersagen werden nun gezielt überprüft; neue Experimente werden ausgedacht oder Forschungsreisen werden gestartet, um nun unter den von der Hypothese bestimmten Voraussetzungen nach Daten zu suchen, die den Vorhersagen entsprechen. Erst, wenn die Theorie durch die neuen Experimente bestätigt werden, kann man von einer wissenschaftlichen Anerkennung sprechen.
Das setzt allerdings voraus, dass man Thesen auch wirklich testen kann. Da aber Experimente z.B. im Bereich der physikalischen Grundlagenforschung im Lauf des letzten Jahrhunderts immer schwieriger, kostspieliger, zeit- und arbeitsaufwändiger geworden sind, ist diese Möglichkeit, Hypothesen zu überprüfen, immer seltener geworden.
Der amerikanische Kongress z. B. stoppte im Herbst 1993 den Bau eines „Superconducting Supercollider“ in der Nähe von Dallas. Dieser Teilchenbeschleuniger hätte es den Physikern ermöglicht, noch ein kleines bisschen tiefer in den Mikrokosmos einzudringen und die Geschichte des Universums noch ein Stück weiter in Richtung „Urknall“ aufzurollen. Allerdings wären kaum praktisch verwendbare Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Sogar die reichen USA wollten es sich unter diesen Umständen nicht mehr leisten, Milliarden Dollar für reine Grundlagenforschung auszugeben.
Heutzutage werden ästhetische Urteile („die Schönheit der Hypothesen“, siehe oben.) immer gewichtiger - und zwar nicht infolge irgendeiner bewussten Umgewichtung in der wissenschaftlichen Methode - sondern schlicht in Ermangelung experimenteller Daten.
4. ...und wo ist da jetzt der Beweis?
Der landläufigen Meinung, die Naturwissenschaft liefere in unserer Welt die einzigen wirklich gesicherten Erkenntnisse, widerspricht diese nähere Betrachtung natürlich. Das mag große Enttäuschung für die Gläubigen der Naturwissenschaften sein: Naturwissenschaftliche Beweise sind immer nur Theorien - zudem manchmal experimentell wenig gesichert, immer jedoch auf Widerruf. Bei vielen Erkenntnissen ist sich die Wissenschaft zwar ziemlich sicher, dass ein solcher Widerruf nicht geschehen wird - aber ein echter Beweis, dass die Daten nur so und nicht anders erklärt werden können, ist nicht möglich.
Was landauf, landab als Beweis angesehen wird, ist nichts anderes als eine erneute Gewinnung von Daten, die eine bestimmte Theorie erhärten. Aber das schließt niemals aus, dass die vorhandenen und neugewonnenen Daten nicht auch durch eine andere Theorie erklärt werden können - oder das Daten gefunden werden, die die bisher anerkannte Theorie hinfällig werden lassen.
Echte Naturwissenschaftler stört das nicht. Überzogene Erwartungen an die Naturwissenschaften hat nur derjenige, der ihren wahren Charakter nicht kennt. Für wirkliche Physiker ist das Hypothetische ihre Arbeit eine Selbstverständlichkeit: Max Planck, der Begründer der Quantentheorie, sagte einmal: „Über den Toren des Tempels der Wissenschaft stehen die Worte geschrieben: Du musst glauben.“ (kleine Anmerkung: Ich weiß, dass Planck an eine Schöpferkraft, nicht aber an einen christlichen Gott glaubte -> schreibe ich nur, falls es dazu Diskussionen geben sollte)
Dazu möchte ich noch sagen, dass ich als Hobbypaläontologe auch die Evolutionstheorie für die wahrscheinlichste halte, sie aber als eine Theorie sehe und mich nicht an sie klammere. Wenn morgen die Beweislast bei einer ganz anderen Theorie liegt, werde ich sie akzeptieren.
Wenn es dazu keine weiteren Einwände gibt, mache ich mit dem historischen Beweis weiter.
Edit:
Zur Frage:
Zitat: (Original von TheSinner am 02.12.2005 19:35)
und genau da ist das Missverständnis auf den Punkt gebracht. ich sage überhaupt nicht, dass sie dadurch "gut" bzw. "besser" wäre wenn sie rein wäre. ich habe überhaupt keine Wertigkeit vorgenommen um genau zu sein, "rein" bedeutet nicht "gut" oder "besser", "rein" bedeutet einfach nur "rein", also z.b. von Vorstellungen und Erwartungen unberührt und genau das kann nicht existieren sobald man sich jemals darüber Gedanken gemacht hat - denn damit hat man automatisch eine Assoziation mit Nächstenliebe vorgenommen und erwartet instinktiv irgendetwas beim Ausführen der Nächstenliebe.
ElNonsk schrieb:
Daraus folgere ich, dass es für dich keinen Unterschied macht, ob eine Tat mit oder ohne Hintergedanken ausgeführt wird. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.
Ok, ich muss zugeben, es ist keine richtige Frage

. Aber ich dachte, dass darauf eine Antwort folgt.
@aph
"Nicht so hastig."

(Betonung auf Baumbart)