Belechem am 28.11.2008 11:27 schrieb:
Ich hab auch noch nie verstanden was Jäger am Abknallen von Tieren ehrenhaft finden, so aus 150 meter Entfernung. Die sollen mal eine Wildsau mit dem Messer umlegen, davor hätte ich Respekt!
Nichts für ungut, aber: So einen konzentrierten Blödsinn kann man echt nur in Spieleforen lesen.
Punkt 1: Deutsche Jäger dürfen nicht auf alles schießen was sich bewegt. Sie sind dazu da, um das Gleichgewicht im Wald aufrecht zu erhalten. Aktuell machen "knuffige" Wildschweine in vielen Teilen Deutschlands Probleme, weil die Populationen einfach zu groß geworden sind. Ausgewachsene Keiler sind Wildtiere und gefährlich. Da der Mensch dumm ist und die füttert, nähern die sich sogar schon Städten. Die verklärte Sicht vom niedlichen Waldbewohner ist antiquiert. Die sind zum Abschuss freigegeben. Verletzte oder kranke Tiere sollen und müssen sogar geschossen werden. Tollwut anyone?
Punkt 2: In den USA ist es ebenfalls untersagt, Tiere ohne Sinn und Verstand zu töten. Wenn auch nur in speziellen Schutzgebieten. Wer sich nicht dran hält, kann der Wilderei angeklagt werden. Die dort verbreitete Entenjagd ist hingegen ein Problem.
Punkt 3: Definitiv verwerflich sind nur Treibjagden, wo Füchse, Fasane und andere Wildtiere mit Hunden unter dem Vorsatz der sportlichen Gentlemen-Aktivität gejagt und getötet werden.
Und um bewusst nachzusetzen, ja sogar gezielt zu provozieren: In GTA fährt man diverse Zivilisten um, oder tötet die aus Spaß an der Freude. In Far Cry 2 schießt man Söldnern von hinten in den Kopf, obwohl man die hätte auch umgehen können, oder schlachtet die gar mit der Machete ab. In Kane & Lynch bringt man unzählige Polygon-Zivilisten im Nachtclub um, weil die den Weg und die Sicht auf die echten Gegner versperren. In Hitman sterben Passanten durch Sprengsätze oder andere "Unfälle". In Kane & Lynch tötet man unzählige Polizisten. Sogar weibliche Beamte. In den diversen Kriegsspielen und sogar in Rainbow Six Vegas bringt man Gegner um, die keine Gefahr darstellen, weil sie z.B. schlafen (CoD4) oder den Spieler nicht sehen. Das ist alles lustig, und regelmäßig wird in den Threads geweint, wenn in der deutschen Version Einschusslöcher in den Figuren fehlen.
Das amüsant und einfach inszenierte Massakrieren ist dort immer Spaß und dient nur der Unterhaltung. Kernproblem: In vielen Spielen MUSS man gar schlafende Soldaten oder alle Gegner (egal ob Bedrohung oder nicht) töten, damit der Spielfluss weitergeht. In einem Jagdspiel ist das nicht so. Die meisten sind offen und frei aufgebaut. Als Spieler kann man faktisch auch dämlich durch den Wald latschen und die Tiere mit dem Fernglas beobachten (was bei der tollen Optik hier sogar interessant wäre). Diese Programme schreiben im Regelfall keine Kills vor.
Bedacht und sorgfältig virtuelle Tiere zu jagen soll hingegen verwerflich - gar pervers - sein, obwohl sogar dort ein differenzierter Sichtwinkel bezogen auf den Spielablauf angewandt wird? Welche Waffe ist annehmbar, welche Munitionsgattung ist zu empfehlen, wie nähere ich mich dem Tier, damit es mich nicht riecht. Wie schieße ich möglichst sauber, damit das Tier nicht leiden muss. Es ist ja nicht so, dass man die Tiere in diesen Spielen so abschlachtet wie menschliche Spielfiguren in den gängigen Formaten die "okay" und "nicht pervers" sind. Vollautomatische Sturmgewehre, Flammenwerfer, Raketenwerfer, Rohrbomben und Maschinengewehre findet man dort eher selten...
„Intelligent“ oder moralisch sauber sind Shooter generell nicht (egal welche Auffassung dahinter steckt, und wie subjektiv der Geschmack ist), egal ob man nun Tiere oder Menschen umbringt. Es wird eben Zerstörung thematisiert. Ein Aspekt der berechtigt in modernen Gesellschaften geächtet wird. Aber diese Doppelmoral gehüllt in reinstes Heuchlerturm treibt mich auf die Spitze. In anderen Threads mehr Gore, mehr Blut, weniger Jugendschutz fordern, und jetzt mit Begrifflichkeiten wie „pervers“ hantieren.
Regards, eX!