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Wäre die Intention des Schulleister die Aufklärung, die Schaffung von Medienkompetenz, die Vermittlung eines kritischen Umganges mit Medien wie Computerspielen, Konsolenspielen, Fernsehen und dem Internet, oder ein sachlicher Dialog, so würde ich seinen Plan vorbehaltlos gut heißen. Den Schülern den verantwortungsvollen Umgang mit all diesen Medien beizubringen kann nur dann gelingen, wenn die Lehrer sich selbst intensiv mit diesen Themen befaßt haben, um ohne Vorbehalte die Vorteile aber auch die Gefahren aufzeigen zu können.
Diesem Direktor geht es nur um eines. Ein Verbot eines Spiele-Genres das uns als Shooter bekannt ist. Zwar spricht er an einer Stelle davon, das es ihm nicht um das Verbot dieser Spiele ginge, doch schon in der Überschrift ist das Wort Ächtung zu lesen. Ächtung könnte hier als Euphemismus für ein Verbot von etwas stehen, von dem der Direktor nicht mehr Ahnung hat, als viele Eltern und Politiker. Viel gefährlicher als dieses Spiel mit Worten finde ich die Aussage,
"...Insgesamt solle in der Schule ein Bewusstsein geschaffen werden, das Killerspiele schädlich sind und deswegen auch geächtet werden sollen..."
Hier wird mit der
*Angst gespielt, wer Shooter spielt, könnte auch Anschläge verüben. Dieses sensible Thema an Jugendliche heranzutragen, mit der klaren Zielsetzung sie vor Shootern zu warnen, ist in meinen Augen unverantwortlich. Er will die Angst davor schüren, das nicht nur solche Spiele sondern auch deren Spieler etwas sind, wovon für die Schüler eine potentielle Gefahr ausgehen kann. Da Kinder nur allzuleicht manipulierbar sind, und auch viele Eltern keine Ahnung von Shooter-Spielen haben, oder Hintergründen sowie Ursachen von Anschlägen, wird es dem Direktor ein leichtes sein, sein Ziel zu erreichen. Allerdings säht er damit eine gefährliche Saat.
Sein Ziel ist es eine mögliche Gefahr zu bannen. Er ist sich wohl auch bewußt, das auch an seiner Schule soetwas schreckliches passieren könnte, wie in Winnenden. Er sieht selbst, das Anschläge viele Ursachen haben könnten, gibt aber selbst den Shootern ein nicht unerhebliches Maß an Mitschuld, und dem will er Entgegenwirken. Ebenso müsste er dann aber auch gegen Waffenverkäufer, Filme, Bücher, Alkohol, Zeitschriften, Drogen, Hassbotschaften, Antisemitismus, Religion, Mobbing, Häusliche Gewalt, Mißbrauch, Kriminalität, Verwahrlosung und vielem mehr eintreten, davor warnen, und die Ächtung dagegen aussprechen.
Tatsache ist, auch wenn es traurig ist, das mögliche Täter nicht erkennbar sind. Sie tragen keine T-Shirts mit Aufdrucken wie "...Ich werde Euch alle ermorden...", oder "...Ihr habt mir das angetan! Nun werdet Ihr dafür sterben...!". Es sind unauffällige,
*normale junge Menschen, denen vielleicht Übel mitgespielt wurde, die ihr Heil in Paralellwelten gesucht haben, oder in Videos, oder durch das treten von Katzen und Hunden ihre Agression abgebaut haben. Wird es ihnen zuviel, und sie ticken aus, kann es zu Anschlägen auf Leib und Leben anderer kommen. Und niemand hat vorher etwas gewußt oder bemerkt. Niemand kann nachher sagen, warum der liebe Junge von Nebenan plötzlich zum Mörder geworden ist, wo er doch bei allen beliebt war, und ruhig und freundlich.
* Angst, Normalität und Vorurteile
"Was für Leute wohnen hier in der Gegend?"
"Dort drüben", sagte die Katze und schwenkte ihre rechte Pfote, "wohnt ein Hutmacher, und hier" und dabei winkte sie mit der anderen Pfote, "wohnt ein Schnappshase. Du kannst es dir heraussuchen, welchen du besuchen willst verrückt sind sie beide."
"Aber ich will doch nicht unter Verrückte gehen!" widersprach Alice.
"Ach, dagegen lässt sich nichts machen", sagte die Katze "hier sind alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt."
"Woher weisst du denn, dass ich verrückt bin?" fragte Alice.
"Musst du ja sein", sagte die Katze, "sonst wärst du doch gar nicht hier."
"Das ist doch kein Beweis!" dachte sich Alice, aber sie fragte weiter "Und woher weisst du, dass du selbst verrückt bist?"
"Zunächst einmal", sagte die Katze, "ist ein Hund doch nicht verrückt. Zugegeben?"
"Meinetwegen", sagte Alice.
"Nun also", fuhr die Katze fort, "siehst du ein Hund knurrt, wenn er zornig ist, und wedelt mit dem Schwanz, wenn er sich freut. Ich dagegen knurre, wenn ich mich freue, und wedele mit dem Schwanz, wenn ich zornig bin. Folglich bin ich verrückt."
Mit diesem Dialog aus Alice im Wunderland versuche ich zu verdeutlichen, das der Direktor vermutlich selbst Angst hat, vor den verrückten Shooter Spielern. Vor der Bedrohung, die von ihnen ausgehen könnte, wohingegen wir genau wissen, das Shooter Spieler ebenso normal oder verrückt sind, wie alle anderen Menschen auch. Ich wünsche dem Direktor, das er es schafft, ohne zuviele Vorurteile und fehlgeleiteten Vorstellungen behaftet, sein Anliegen den Eltern und Kindern zu vermitteln. Denn Kindern und Eltern müssen aufgeklärt werden, aber nicht auf eine Weise, mit der nur Angst und Vorurteile geschürt werden.