aph am 02.03.2006 14:30 schrieb:
Meinereiner am 02.03.2006 13:55 schrieb:
Dann ersetze "Menschheit" mal durch "Mensch"^^
Warum sollte ich? Ich habe mir ja nicht alle Kausalitäten ausgedacht, die für mich relevant sind. ^^
Kant kannte nicht alle Menschen, daher kann er kaum für jeden einzelnen gesprochen haben. Er meinte sicherlich mit "der Mensch" die Menschheit.
Na gut, dann den langen Weg
Es ist dort also dieses Buch, in das alle Ursachen/Wirkungen eingetragen werden. Irgendwann in der Zeit, als die Menschheit entstand, wurde der erste Eintrag ins Buch gemacht. Es folgten alsdann ein zweiter, ein dritter usw. und je länger die Menschheit existiert, umso mehr Einträge werden in das Buch gemacht.
Aber wann bitte stehen denn in dem Buch
unendlich viele Einträge? Nach 1.000 Jahren? – Nein, dann gewiss noch nicht. – Nach 1.000.000.000 Jahren? – Da gewiss auch noch nicht. – Vielleicht nach 1.000.000.000.000.000.000 Jahren? – Zu diesem Zeitpunkt sind die Einträge in dem Buch gewiss unvorstellbar viele, aber immer noch nicht unendlich viele.
Wann stehen denn dann unendlich viele Einträge in dem Buch? – Offenbar erst nach unendlich langer Zeit (und nehmen wir einfach mal an, die Menschheit würde unendlich lange existieren, um eben unendlich lange weitere Einträge in das Buch zu machen). Doch wann sollte denn unendlich viel Zeit vergangen sein? Wann sollte dieser unendlich weit entfernte Zeitpunkt erreicht sein? – Offensichtlich kann dieser unendlich weit entfernte Zeitpunkt nicht erreicht werden, denn würden wir ihn erreichen, so wäre er ein Endpunkt und damit freilich nicht mehr unendlich weit entfernt. Vielmehr stehen Zeitverlauf und unendlich weit entfernter Zeitpunkt in demjenigen Verhältnis zueinander, dass sich der Zeitverlauf auf den fraglichen Zeitpunkt zu bewegt, aber ihn niemals erreichen wird (Prozesshaftigkeit). Mit anderen Worten:
Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem unendlich viel Zeit verstrichen ist! Hätten wir ein Koordinatensystem und darin eine Strecke, die im Nullpunkt beginnt und dann unendlich weit in eine Richtung weitergezogen ist, so gäbe es keinen Punkt auf dieser Strecke, auf den man zeigen und sagen könnte, hier sei unendlich.
Doch was folgt daraus? – Wenn es keinen Zeitpunkt gibt, an dem unendlich viel Zeit verstrichen ist, dann folgt, dass zu jedem Zeitpunkt endlich viel Zeit verstrichen ist.
Doch wenn die unendliche Anzahl der Einträge in unserem besagtes Buch abhängig ist von der Unendlichkeit des Zeitverlaufes, eine Unendlichkeit des Zeitverlaufes jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht werden kann, dann gibt es auch keinen Zeitpunkt, an dem unser Buch unendlich viele Einträge besitzt.
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Der grundlegende Gedanke ist hier, dass, wenn man beginnt, zu zählen, niemals bei unendlich ankommen wird. Diesen Gedanken findest du schon in den Kantzitaten von ElNonsk.