crackajack am 22.02.2006 14:16 schrieb:
Wenn du meine Ansicht zu möglich/unmöglich verstehen würdest, würdest du verstehen warum ich fähig, frei, möglich "gleichsetze"
Es liegt vielmehr daran, dass du den Unterschied nicht siehst. Für uns von Wichtigkeit sind zwei Bedeutungen des Begriffes „Möglichkeit“. Aristoteles spricht in diesem Zusammenhang einmal von der Möglichkeit als
Vermögen oder Fähigkeit und von der Möglichkeit als
Umstand. Erstere Bedeutung des Möglichkeitsbegriffes nennt man die
reale Modalität, die zweite
propositionale Modalität.
Möglichkeit als reale Modalität, d.h. als Vermögen oder Fähigkeit, wird u.a. in den folgenden Sätzen ausgedrückt:
Holz kann nass sein.
Vögel können fliegen.
Räder können sich drehen.
Möglichkeit als propositionale Modalität, d.h. als Umstand, wird u.a. in diesen Sätzen ausgedrückt:
Es ist möglich, dass Holz nass ist.
Es ist unmöglich, dass Kreise Ecken haben.
Es ist möglich, dass der Weltverlauf kausal vorherbestimmt ist.
Wenn ich nun hier von der
Fähigkeit, an Gott zu glauben, spreche, dann spreche ich von Möglichkeit im Sinne eines Vermögens oder einer Fähigkeit, d.h. der realen Modalität.
Die Art Möglichkeit, die du viele Seiten vorher in diesem Thread kritisiert hast, ist jedoch Möglichkeit im Sinne eines Umstandes, d.h. als propositionale Modalität.
Aus diesem Grunde hat deine besagte Kritik am Möglichkeitsbegriff erst einmal nichts mit dem von mir verwendeten Begriff „Fähigkeit“ zu tun. Denn obzwar man anstatt von Fähigkeit auch von Möglichkeit sprechen kann, ist damit doch eine andere Art von Möglichkeit gemeint, als die, welche du viele Seiten zuvor kritisiert hast.
Wenn du meine Ansicht zu möglich/unmöglich verstehen würdest, würdest du verstehen warum ich fähig, frei, möglich "gleichsetze"
Es liegt daran, dass du einen kausaldeterministischen Weltverlauf annimmst und darum meinst, es sei unsinnig, von Fähigkeiten, Freiheit oder Möglichkeit zu sprechen. Dein Argument ist, dass, wenn ich eine Münze würfe und sie Zahl zeige, es niemals
möglich gewesen sein könne, dass sie hätte Kopf zeigen können. Das läge daran, dass aufgrund der Kausaldeterminiertheit der Welt schon im Vornherein feststünde, dass sie Zahl zeigen würde. Dasselbe gelte für die Begriffe „Freiheit“ und „Fähigkeit“. Ja, ich habe dich verstanden.
Was du allerdings vergisst, ist, dass wir nicht am Ende des Weltverlaufs stehen und darum bereits wissen, wie etwas geschehen wird, sondern dass wir
mittendrin in ihm stehen. Du kannst noch so viel behaupten, dass es vorherbestimmt sei, was die Münze, die ich nun werfe, zeigen wird. Wenn du aber
vor dem Wurf der Münze aufgefordert würdest, zu sagen, wie sie fallen wird und ja nicht wüsstest, wie sie fallen wird, macht es Sinn,
vor dem Wurf der Münze zu sagen, es sei
möglich, dass sie Zahl zeigen wird.
Den Unterschied zwischen der Fähigkeit, an Gott zu glauben und der Freiheit, an Gott zu glauben, habe ich dir bereits mehrmals erläutert, und ob du es glaubst oder nicht: Dieser Unterschied hebt sich nicht auf, wenn du behauptest, der Weltverlauf sei kausaldeterminiert.
War ja klar das du das so siehst.
Das sehe nicht nur ich so. Im ersten Teil dieses kleinen, dümmlichen Textes wird der SvW mit einem teleologischen Seinsverständnis vermischt. Es wird gesagt, dass ein Ding nicht nur das sei, was es
jetzt sei, sondern auch, was es einmal
werden soll. Eine Knospe sei nicht nur eine Knospe, sondern auch das, was sie werden soll, also eine Blume. Ein ungelesenes Buch sei nicht nur ein ungelesenes Buch, sondern auch das, was es einmal werden soll, also ein gelesenes Buch, usw. Daraus folgt, dass z.B. eine Knospe eine Knospe
und Blume sei; eine Blume ist aber keine Knospe. Daher könnten wir auch sagen, eine Knospe sei eine Knospe
und keine Knospe (nämlich eine Blume). Derartige Behauptungen verstößen allerdings gegen den SvW und müssten darum
ungerechtfertigterweise ausgeschlossen werden.
Das Problemchen ist nur, dass der SvW explizit zeitlich beschränkt ist. Der SvW besagt exakt, dass etwas nicht
gleichzeitig und in derselben Hinsicht der Fall und nicht der Fall sein kann. Darum verstößt es nicht gegen den SvW, zu sagen, eine Knospe ist
jetzt eine Knospe und
später keine Knospe und darum müssen derartige Behauptungen auch nicht ausgeschlossen werden.
Im zweiten Teil wird kritisiert, dass der SvW ja ausschließt, dass er selbst falsch ist, was ganz dolle schlimm sei. Hallo?! Natürlich schließt der SvW seine Falschheit aus, das ist banal und völlig ungeeignet, eine plausible Kritik zu formulieren. Zudem beißt sich der Autor mit dieser Kritik selber in den Schwanz. Wenn nämlich der SvW dadurch kritisiert werden kann, dass er seine eigene Falschheit ausschließt, dann kann ich auch die Kritik an ihm derart kritisieren, indem ich sage, dass sie ja ihre eigene Falschheit ausschließt....pwnd!