aph am 24.01.2006 11:04 schrieb:
Von mir aus können wir auch das tun. Aber auch die Steigerbarkeit zweifle ich an, ganz einfach, weil es alles unterschiedliche Dinge sind. Das meinte ich mit den zwei Bedeutungsformen. In einem Fall bedeutet Existenz, dass etwas in der realen Welt einen physischen Zustand hat. Was ist eine Idee? Existiert eine Idee, sobald sie gedacht wird? Existiert ein Schatten, der eigentlich eine sinnliche Erfahrung unsererseits, beruhend auf einer Unmenge an Strahlungsquellen, ist? Sind das alles Existenzen? Existieren mathematische Entitäten (was immer das ist)? Oder sind das alles ganz unterschiedliche Begriffe und nicht miteinander in einen steigerbaren Zusammenhang zu bringen? Ich tendiere zu letzterem.
Es ist nicht ganz so. Der Unterschied, der zwischen den ganzen von dir genannten Existenzaussagen besteht, ist der Gegenstandsbereich, auf den sie sich beziehen, aber von vorn:
Eine Existenzaussage sagt im Grunde aus, dass etwas Element dieser oder jener Menge sei. Denken wir uns beispielsweise den Satz „Pegasus existiert“. Weiter denken wir uns die Menge alles denkbaren, die Menge aller mythologischen Wesen, die aller Zahlen und die alles wahrnehmbaren.
Für die Menge alles denkbaren nun ist unsere Existenzaussage wahr, denn Pegasus ist ja denkbar. Auch für die Menge aller mythologischen Wesen ist die Existenzaussage wahr. Für die Menge aller Zahlen freilich ist sie falsch und bei der Menge alles wahrnehmbaren können wir nichts mit Sicherheit sagen.
Auf welche Menge aber beziehen wir uns dann, wenn wir sagen, Pegasus existiere? Man spricht hier vom
default, also der voreingestellten Menge. Bei materiellen Gegenständen ist das i.d.R. die Menge alles wahrnehmbaren, bei Zahlen die aller Zahlen, bei Gesetzen die aller Gesetze usw. Wollte man aber ganz genau sein, so müsste man stets die Menge, auf die sich die Existenzaussage bezieht, dazunennen.
Der Unterschied also, der sich in deinen o.g. Existenzsätzen findet, ist jeweils die Menge, auf die sie sich beziehen. Der Form nach nämlich sind alle Aussagen identisch (es existiert etwas, dass F ist).
Der ontologische Beweis von Canterbury besteht nun einfach darin, zu sagen, dass die Menge aller möglichen Dinge (worin auch Gott gehört) eine graduell niedrigere Menge sei, als die aller wirklichen Dinge. Nähmen wir nun ein Element der Menge alles möglichen und stuften es graduell höher ein, so rutscht es in die Menge alles wirklichen.
Wenn wir allerdings hier angelangt sind, können wir wieder nur einwenden, warum denn die Menge alles möglichen graduell niedriger sei als die alles wirklichen (siehe fehlender Maßstab) und haben also damit keinen weiteren Einwand formuliert, sondern nur einen schon gebrachten anders.
Das mag sein .. aber der Beweis ist absolut nicht geeignet, mich von Gottes Existenz zu überzeugen. Wenn mir jemand einen schlüssigen Beweis vorlegt, warum 2+2 = 3 ist, und ich nicht sofort erkennen kann, wo der Fehler liegt und mir das einen Knoten ins Hirn pflanzt, fange ich trotzdem nicht an, an der richtigen Antwort 4 zu zweifeln. Ich denke, niemand erwartet, dass jemand von simpler Logik her zur Überzeugung kommt, dass Gott existiert, nur weil es in einer ontologischen Beweisführung den zwingenden Eindruck macht. Von daher sollten wir uns ein näheres Eingehen darauf sparen.
Whaaaaaa.....wer hat gesagt, dass ich dich von Gottes Existenz überzeugen wolle? Ja wer hat gesagt, dass ich überhaupt an Gott glaube? Ich selbst habe den ontologischen Beweis (mit Kant) widerlegt, wie sollte ich da Ansprüche haben, jemanden damit zu überzeugen? Wie ich schon schrieb, bin ich noch viel religionskritischer eingestellt als diese ganzen “Technoisten", die behaupten, unreligiös zu sein, und dabei nicht merken, dass Wissenschaft selbst eine Religion ist. Das einzige, was mich am ontologischen Gottesbeweis von Canterbury interessiert, ist der Gang der Argumentation selbst, denn dieser ist höchst spitzfindig und schwierig zu widerlegen.
PS: Du schriebst, du seiest Programmierer. Müsstest du da nicht eigentlich sehr viel mit Logik zu tun haben?