Mag ja auch sein, dass sich das Spiel den einen oder anderen groben Schnitzer erlaubt und diese "Vercasualisierung" (wie ich es gerne nenne), die sie mit diesem Spiel schon wieder betrieben haben (bezogen auf die 1-Man-Armee) für den ein oder anderen Graus sorgt, aber deshalb muss es ja nicht gleich schlecht oder gar misslungen sein. Es bietet so viele positive Aspekte, die sich eben deutlich vom Niveau der alten Teile abheben.
Das fängt beim Charakter Lara Croft bereits an. Endlich weg vom emotions- und charakterlosen Sexsymbol. Die neue Lara versucht wenigstens, so etwas wie einen Charakter zu besitzen, auch wenn dieser Umstand aufgrund des mangelhaft durchdachten Spieldesigns nicht immer konsequent oder sinnvoll durchgesetzt wird. Dann das Gameplay. Die Serie trat seit Teil 2 (The Guardian of Light mal ausgenommen) auf der Stelle und bot nie etwas wirklich sehenswertes (wobei TR Legens wenigstens gute Ansätze bot). Gut, nun wurde hier der Fokus eben auf Action gelegt, aber lieber werde ich von einem 20 stündigen Aktionspektakel mit Kletter-/ und Rätseleinlagen gut unterhalten, als dass ich ein Spiel wegen fehlender Innovationen (Teil 4-6) nach einer gewissen Zeit beenden muss, weil mir meine Freizeit dafür einfach zu schade ist. Denn die Action soll ja lt. mehrheitlicher Meinungen gut umgesetzt worden sein.
Ein weiterer Aspekt ist die Technik. Klar, Grafik ist nicht alles, aber sie trägt einen großen, wenn nicht sogar wichtigen Teil zur Atmosphäre bei. Etwas wie Atmosphäre hat man in dem ein oder anderen Anwärter der Serie - und damit meine ich fast alle - mit der Lupe gesucht.
Was ich im großen und ganzen eigentlich damit sagen möchte. Jemand, der die Serie tatsächlich von Kindesbeinen an, bis zu dem Stand vor Tomb Raider (2013) verfolgt und begleitet hat, kann hier umöglich von einem misslungenem Reboot sprechen. Klar habe ich es noch nicht selbst gespielt, aber wenn ich die zahlreichen Berichte darüber richtig deute, dann ist es seit Tomb Raider 2 vermutlich der beste Teil der Serie. Exakt das stelle ich mir unter einem gelungenem reboot (neustart) vor. Ich denke, nicht mehr und nicht weniger wollten die Spieleentwickler erreichen.
EDIT: Ich denke, für viele Spieler ist einfach schwierig, diese "früher war alles besser"-Mentalität abzulegen. Wenn Spiele- oder Filmreihen einen neuen Weg einschlagen, bedeutet das für viele Leute gleich, dass es schlecht ist. Dabei ist es anscheinend völlig egal, ob diese neue Richtung auch ihre Qualitäten besitzt.