"[...]was Star Trek ist und was Star Trek nicht ist. Nämlich kein Märchen à la Star Wars, sondern mehr eine utopische Fortschreibung der Menschheitsgeschichte mit jeder Menge 'sense of wonder'. [...] denn Space-Fantasy in einer fernen Galaxie à la Star Wars und die irdisch-futuristische Science-Fiction von Star Trek sind zwei wunderbare Geschmacksrichtungen, die nebeneinander existieren können."
Dieses Beschreibung unterschreibe ich vollkommen.
Ergänzend möchte ich hervorheben, dass Star Trek grundsätzlich eine positive Sicht auf Wissenschaftler und Ingenieure vermittelt (sowas ist selten in Filmen und Serien) . In den vielen verschiedenen Folgen werden unterschiedlichste Probleme behandelt. Die Lösung erfolgt - überwiegend - durch Diplomatie, Wissenschaft und ingenieurischen Einfallsreichtum.
Star Trek ist ein zentraler Grund dafür, weshalb ich stolz darauf bin, Ingenieur geworden zu sein. (Und ein Mitgrund es überhaupt zu werden, auch wenn es noch andere Motivatoren gab.)
Diesen Kern, der Star Trek ausmacht, hat die Bermann Ära in meinen Augen am besten getroffen. - Die originale Serie ist mir an vielen Stellen zu sehr 60er Jahre (durch die schrille Musik, die Schlägereien und Kirks Overacting).
Das was danach kam habe ich gesehen und versuche es zu ignorieren. Als ein damaliger Schulfreund, der nie etwas mit Star Trek anfangen konnte, mir sagte, dass Discovery die beste Star Trek Serie sei, die er je gesehen hatte, war es glasklar: Das ist alles, nur nicht Star Trek.
Freuen kann ich mich für die, denen es gefällt aber nur bedingt. Es gibt schon genug "nicht Star Trek", da ist es doch nicht zu viel verlangt, mir mein echtes Star Trek zu lassen...
In diesem Sinne war Star Trek lange Zeit für mich tot. Insbesondere nachdem ich die Bermann Serien alle drei mal gesehen hatte und davon eine Pause brauchte.
Mein Interesse wiedererweckt haben zwei Dinge:
1. Die nicht kanonischen Romane. Namentlich die "Destiny" Trilogie, die ein wahres Feuer der Begeisterung in mir auslöste und mir die Gewissheit gab, dass wenn es mir nach echtem Star Trek dürstet, ich nur im Internet nach dem nächsten Roman suchen muss.
2. The Orville - gerade weil es Bermann Star Trek ist. Es stellt das dar, was Discovery hätte sein müssen, um echtes Star Trek zu sein. Einfach aufgewärmt find ich das nicht. Man merkt, dass dort Leute dran beteiligt sind, die ein wirkliches Interesse an der Materie haben.
So wie der Autor des Artikels beschreibt, wie ihm in der Schule sein Star Trek für seine Nerd-Clique wichtig war, behaupte ich, dass es unter den "modernen Kids und Teenagern" auch jenen Bruchteil gibt, der sich für klassisches Star Trek erwärmt.
Da würde ich mich als Beispiel einbringen, wo ich erst vor sieben Jahren volljährig wurde. - Bei mir mussten meine Eltern auch keine Schützenhilfe leisten. Das Bermann Trek habe ich selber gefunden.
Ich werde nie vergessen, als ich mir Paramount+ zum ersten Mal geholt habe... Was stand auf Platz 1 der beliebtesten Serien? The Next Generation. Das können nicht nur alte Fans gewesen sein.
Die in dem Artikel beschriebenen Probleme mit dem aktuellen Star Trek sehe ich als Symptome einer Krankheit, die die gesamte Film- und Serienlandschaft getroffen hat: Viele teure Effekte, um den Zuschauer zu beeindrucken, flache Handlung, um ihn nicht zu überfordern und in großer Masse herstellen, um Profit einzustreichen. Quantität über Qualität - wobei ja trotzdem alles so teuer ist, dass eine Staffel nicht mehr als 8 Folgen haben kann?
Manchmal erscheint es mir wie ein Wunder, dass man in den 90ern für einen Bruchteil des Geldes ein vielfaches an Folgen mit deutlich besserer Qualität drehen konnte. Wahrscheinlich eine Mischung aus Talent der Schauspieler und Drehbuchautoren, gepaart mit der aus der originalen Serie bekannten Improvisationskunst bei den Requisiten.
Bis Star Trek sich zurück besinnt, bleibe ich bei der Roman-Welt, die es zu erkunden gilt.