Die Sprecher können in der Regel wenig für schlechte Synchronfassungen
Hallo zusammen,
mir ist aufgefallen, dass in der angeregten Diskussion viel spekuliert wird, aber keiner wirklich weiss, wie Synchronfassungen zustande kommen. Daher hier ein paar Erläuterungen meinerseits, ich kenne die Branche ein wenig.
Warum gibt es Synchronversionen auf deutsch? Wegen des zweiten Weltkrieges!:
Englisch, Französisch, Russisch, etc... wollte in Deutschland keiner mehr hören, aber Filme wollte man schon noch sehen. Also wurde ganz klein begonnen, das mal auszuprobieren mit synchron und es kam gut an. Die deutsche Synchronlandschaft ist, so habe ich es oft vernommen, die "beste der Welt". Man mag sich manchmal über verlorene Gags der Originalsprache ärgern, doch manches ist schlicht 1) nicht mit demselben Wortzwitz übersetzbar und dabei 2) wenn es übersetzbar ist, nicht immer brauchbar lippensynchron umsetzbar und würde brutal stören. Die bekannten deutschen Synchronsprecher sind durch die Bank weg hervorragend. Wenn sie mal nicht richtig passen, hat man sie vielleicht ungünstig besetzt. Es gibt keine Verträge, die besagen, ein Sprecher spreche IMMER einen Schauspieler. Das ist nur allgemeiner Konsenz und Annahme der Zuschauer. Wird dagegen verstoßen, ärgern die sich verständlicher Weise. Dennoch: es gibt keine Verträge darüber. Deshalb hatte Käptn Jack in FDK4 wieder David Nathan als Stimme, was die meisten Kinogänger verärgerte. Und Bruce Willis in Stirb Langsam 3 Thomas Danneberg, nicht Manfred Lehmann.
Wenn ein Sprecher nicht zu einer Rolle passt, dann hat der Kunde offenbar eine Fehlbesetzung vorgenommen, der Sprecher wird sich aber nur in seltenen Fällen deshalb aus eigener Initiative weigern, einen Job zu machen. Nach dem Motto "Ich pass doch gar nicht darauf, wollt ihr nicht lieber einen anderen Sprecher engagieren?" Sicher nicht. Vom Sprechen leben ist gar nicht so einfach, und selbst Markus Off, der Käpt'n Jack Sparrow hat für Fluch der Karibik 1-3 nur lächerliche ~9500,- Euro bekommen und er ist ein Voll-Profi. Durch die deutsche Fassung hat Disney in Deutschland viele Millionen eingespielt, die Gage ist lächerlich für diese Leistung. Ach ja, einer schrieb hier, ich hoffe zwinkernd, er meine, er könne manches besser synchronisieren, als mancher Profi in einem Game. Dann wärst du ein echtes Talent, aber nimms mir nicht übel, das ist einer von 1000.
Die Synchrongagen sind im Keller, im Film, wie auch bei Spielen wird nicht üppig gezahlt.
Die Auftraggeber sparen gern.
Spiele werden in der Regel schon synchronisiert, bevor das Spiel überhaupt fertiggestellt ist. Wenn z.B. Namen falsch ausgesprochen werden, dann war das evtl. ein Fehler in der Aussprachedatenbank des Kunden oder Unachtsamkeit der Regie. Es wird meist der zb englische Take vorgespielt und der Sprecher spricht wie ein Uhrwerk den deutschen Satz in gleichem Rhythmus und Sprechdauer wie des Originals hinterher. Hunderte von Zeilen. Das ist Fließband, wo Qualität schon mal auf der Strecke bleiben kann.
Dialoge werden nicht zu zweit aufgenommen, sondern solo. Den Gesprächspartner hört man bei Spielesynchron nur höchst selten. Wenn dann Betonungsfehler in einer Antwort aufkommen, liegt das gerne daran.
Wenn ein Sprecher zu hölzern, unemotional klingt, hätte die Regie mehr eingreifen müssen oder der Sprecher tatsächlich ausgetauscht, falls er es nicht entsprechend den Forderungen der Regie umsetzen konnte.
Das mal so, um für die Sprecher in die Bresche zu springen
Und klar: wer der Originalsprache mächtig ist, der kann sie ja nutzen. Aber z.B. Arnie ist dann unerträglich

Ein Meisterstück ist Thomas Danneberg in "The Expendables" gelungen. Er ist Stammsprecher von Arnie und Sly Stallone. Hier haben sie einen Dialog und er spricht beide, was dem durchschnittlichen Zuschauer nicht auffällt und auch wenn man es weiß, fällt es schwer, das zu glauben:
The Expendables: Thomas Danneberg spricht Stallone & Schwarzenegger - YouTube
Cheers!