Ob Realismus funktioniert oder fehl am Platze ist, kommt bei mir immer auf das jeweilige Spiel an. Wichtiger für mich ist allerdings, dass ein Spiel in sich geschlossen glaubwürdig ist. Science Fiction und Fantasyspiele haben oft nicht viel mit unserer Realität gemeinsam, aber innerhalb des jeweiligen Universums gelten halt oft andere Regeln, oft sehr viel einfachere Regeln. Das ist solange völlig okay, solange das jeweilige Spiel nicht seine eigenen Regeln bricht.
Was das Beispiel mit dem Pferdebergaufreitgeschwindigkeitsreduzierungsproblem angeht: Ich finde, das ist weniger ein Realismusproblem, als ein generelles Konzeptproblem moderner Open World Spiele und einer der Gründe, warum ich solche Spiele (vor allem die von Ubisoft) auch nicht mehr kaufe, obwohl mich die Settings, z. B. in der Assassin's Creed Reihe, durchaus interessieren.
Die Spielwelten sind mir einfach zu groß geworden und damit zusammenhängend die Spieldauer zu lang. Die Aufgaben an bestimmten, oft weit auseinander liegenden, Orten fokussiert und man muss viel Reisen. Man kann natürlich die Schnellreise nutzen, aber wenn man das macht, wozu hat man dann überhaupt noch eine Open World, wenn man die nicht bereist?
Ich fände es besser, wenn diese Art Spielwelten wieder ein wenig zusammenschrumpfen würde und dafür mehr einzigartige Details, individueller Content und von Hand platzierte, einzigartige Charaktere und Belohnungen enthalten würden. An dieser Stelle muss ich mal wieder Gothic 1 und 2 erwähnen, die beide, trotz ihrer technischen Probleme und des Settings, das mit seinem pseudomittelalterlichen Ruhrpott-Slang sicherlich Geschmackssache ist, meiner Meinung nach immer noch mit das beste Open World Konzept haben, was die Spielgröße, die Platzierung von Aufgaben, Orten und die generelle Füllung der Spielwelt im Inhalten, die Platzierung von Gegnern, Gegenständen usw. angeht.
Ubisofts Open World Spiele dagegen fühlen sich für mich meist an wie riesige Themenparks. Grafisch schön und auch in gewisser Weise recht atmosphärisch und mit der einen oder anderen spannend inszenierten Geschichte gefüllt, aber die Open World an sich erfüllt kaum eine Funktion, außer dass man darin Ressourcen grindet, repetitive Nebenaufgaben erfüllt und von A nach B läuft, reitet oder fährt. Übrigens ist das auch ein Punkt, der mich an The Witcher 3 gestört hat. Auch da war mir die Karte zu groß und die Unmengen an Fragezeichen auf der Karten boten mir durch ihre Beliebigkeit kaum Motivation, diese überhaupt erst zu suchen.
Kleinere offene Welten fände ich da sehr viel interessanter, und jeder Ort in dieser kleineren Welt könnte sehr viel mehr Aufmerksamkeit der Entwickler kommen und so individueller, interessanter und auch wiederholt bereisenswerter gestaltet werden. Und wenn die Laufwege nicht mehr so lang sind, ist es auch egal, wenn das Pferd bergauf ein bisschen langsamer wird.