Snakemutha am 08.08.2007 13:43 schrieb:
Rabowke am 08.08.2007 13:00 schrieb:
In wieweit gleicht sich denn bitte das Gameplay von Max Payne & Stranglehold? Klar ist: beides sind 3rd-Person Shooter ... aber dann hört die Gemeinsamkeit aber auch schon auf.
Und wo fängt die Nicht-Gemeinsamkeit an?
Bei der Story, den Figuren, der Inszenierung, den Umgebungen und der allgemeinen Spielbarkeit.
Payne nutzt die Stilrichtung des Film Noir, um Figuren, Ereignisse und Rahmenumstände möglichst depressiv, traurig und "dunkel" an den Spieler zu bringen. Stranglehold tut dies nicht. Der Held ist 0815, ein klassisch guter Kerl, der die Selbstjustiz als Waffe nutzt, aber sich nicht großartig Sorgen über Effekt und Wirkung macht. Payne hingegen sinnierte ja bekanntlich gerne über Moral, Mord und Motivation.
Die Figuren in Stranglehold sollen allesamt flach sein, da wichtige Charakterdetails nur angedeutet werden, Beweggründe typisch schlicht veranschaulicht werden und keine "Tiefe" vorhanden sein soll. Die Gegner sind typische Klischees aus Hollywood. Hier wird nicht mehr geboten, als im ebenfalls inhaltlich eher zurückhaltenden "Hard Boiled". Bei Payne waren Figuren durchaus filigran ausgearbeitet und jedes Element hatte eine Funktion. Bravura als helfende Hand, Sax als durchtriebene *** und Gognitti als Naivling, der eigentlich den großen Boss spielen wollte, es aber innerlich niemals war.
Von der Inszenierung her sind beide Titel auch völlig unterschiedlich, da Stranglehold primär die Action und die Gewalt thematisiert, während Payne die Action nur "missbrauchte" um die Story erzählen zu können. Stranglehold setzt extrem stark auf Gewalt und Vernichtung, sieht man am Präzisionsschuss, den zerstörbaren Umgebungen und der sehr rudimentären, kaum tragenden, Geschichte (rette deine entführte Ex-Frau, zerlege aus Rache dafür die russische Mafia).
Abschließend haben wir da noch die Spielbarkeit. Stranglehold ist deutlich übertriebener als Payne. Praktisch alles kann zerstört werden, die Hauptfigur kämpft gegen riesige Mengen von Gegnern und es herrscht stets der Eindruck, dass man es mit übertriebener Hollywood-Action zu tun hat. Sieht man vorzüglich an den Waffeneffekten, wo eine abgefeuerte 9mm Kugel so wirkt, wie ein Kaliber 50 Flakgeschoss. Payne war nicht so. Alles lief "ruhiger" und statischer ab, man bemühte sich um minimale Authentizität und verzichtete auf übertriebene Gewalt. Die Action war ästhetisch, aber nicht übertrieben.
Ich beziehe mich hier nur auf alle bisher gesichteten Interviews und Gameplayvideos, daher gibt es keine "Garantie", dass die Inhalte tatsächlich so sind.
Allerdings sollte selbst ein Blinder mit Krückstock feststellen, dass zwischen Payne und Stranglehold sowohl qualitativ, als auch inhaltlich ganze Welten liegen. Stranglehold ist eher das kurzweilige und schmutzige 0815-Abenteuer, das fulminant durch tolle Grafik inszeniert wird. Payne ist eher das minimal intellektuelle Comicbuch, welches sich aktiv mit Figuren und Denkweisen beschäftigt.
Regards, eX!