AW:
Für mich ist der Grund ein ganz einfacher: Ich möchte kein externes Programm starten, um meine Spiele zu spielen, und habe keine Lust, mir außer den Ladezeiten des eigentlichen Spiels noch steam's wahnsinnig lange Initiierungsphase anzutun. Es hat sicher auch seine Vorteile, trotzdem fühle ich mich besser, wenn ich mein erworbenes Spiel komplett auf einer DVD besitze und ohne Hilfsprogramme ausführen kann.
Und genau das bekommst du heute kaum noch. Entweder beendest du dein PC-Hobby und wechselt zu den Konsolen oder begnügst dich mit den wenigen aber dennoch vorhandenen Alternativen und guckst dich in der Indiebranche um. Oder aber du benutzt einfach Steam und lässt es mit Windows starten (10 MB RAM wirst du frei haben, oder?). Dann musst du dich um gar nix kümmern und kannst deine ganzen Spiele immer zocken. Was bei der ganzen Diskussion zwischen beiden verfeindeten Streitgruppen leider immer ein wenig untergeht ist das Verständnis für die andere Seite. Man sollte wirklich aufhören zu pauschalisieren und mit den immergleichen Argumentationsphrasen um sich zu schmeißen.
Vielen glaube ich auf's Wort, dass sie mit Steam lange und öfters Probleme hatten, dass es ihnen zu umständlich ist, dass sie nicht an ein externes Programm gebunden sein wollen oder dass die Aktivierungsphase bzw. ein Download ewig gedauert hat. Die andere Seite sollte jeddoch auch einsehen, dass Millionen von Steamnutzern eben kaum oder gar nicht mit solchen Problemen zu kämpfen haben. Ich kann jetzt wirklich nur für mich sprechen: Seitdem ich Steam 2003 bei mir installiert habe gehört es standardmäßig auf mein Windowssystem und läuft auf die ganze Zeit im Hintergrund. Es belastet mich dabei psychisch auch nicht, von daher kann ich damit gut leben. Leute die behaupten Steam hätte so gut wie keine Vorteile kann ich dagegen nicht ernst nehmen, da dafür in meinen Augen jegliche Argumentationsgrundlage fehlt. Selbstverständlich hat Steam Nachteile, aber man sollte auch die Vorteile nicht einfach außer Acht lassen.
In den bisherigen sechs Jahren mit Steam hatte ich in der Anfangsphase natürlich wie viele Aktivierungsprobleme, seitdem aber nie mehr. Ich kann vielleicht an den Händen abzählen wie oft der Steamservice bei mir nicht erreichbar war und ich deshalb für kurze Zeit kein Spiel starten konnte. Ich bin mit den Downloadgeschwindigkeiten insgesamt sehr zufrieden, allerdings habe ich auch das Glück eine sehr potente Internetleitung benutzen zu können. Das einzige Problem sind wirklich die Downloadphasen zum Release, da sah es in der Vergangenheit wirklich düster aus, was aber hoffentlich zukünftig durch die Auswahl der Download-Region etwas erträglicher wird.
Ich stand dem Steamkonzept am Anfang auch sehr skeptisch gegenüber, habe dem System aber eine gerechte und faire Chance gegeben und es über einen langen Zeitraum getestet. Für mich persönlich ist es daher die momentan perfekteste und komfortabelste Form von jeglichen DRM, Kopierschutz- und Downloaddiensten. Steam ist dennoch beileibe nicht perfekt und das moniere ich auch gerne oft. Nichtsdestotrotz liegt die Wahrheit über Steam genau in der Mitte beider Lager hier im PCG-Forum, wobei man ganz eindeutig feststellen muss, dass die Steamantipathie hier in Deutschland im Vergleich zum Ausland (subjektiver Eindruck) schon sehr ausgeprägt ist. Für mich überwiegen trotz aller ärgerlichen Punkte die Vorteile und ich habe mich schon lange damit abgefunden, an ein zentrales System gebunden zu werden.
Der Punkt ist doch einfach folgender: Die fortschreitende Dominanz der Konsolen im Spielesektor hat den PC mit seiner Raubkopierlage in die Rolle hineingedrückt. Genauso wie das PSN oder Xbox Live musste einfach ein zentrales System als Gegenstück auf dem PC etabliert werden. Für mich gibt es ganz erhebliche Parallelen zwischen der Stärkung des PC-Sektors in der letzten Zeit und der gesteigerten Steamakzeptanz. Dass es dabei noch deutlich Luft nach oben gibt ist doch verständlich; bis heute gibt es zahlreiche Beispiele in der PC-Gamer Kunden zweiter Wahl sind. Aber einige Publisher haben die Zeichen der Zeit erkannt und unterstützen scheinbar wieder vermehrt den PC. Das gilt nicht für alle, aber ein gewisser Trend ist doch ersichtlich.
Für die Publisher gelten doch ganz einfache Regeln: Wie aufwändig ist es für mich mein Spiel in einer Spieleplattform zu integrieren? Mit welchen Kosten ist dies verbunden? Ist dieses System sicher und schützt aktiv gegen (First-Day) Raubkopien. Wie komfortabel ist das System für die Kunden und wie schwer ist es Kundensupport über diese Plattform infolge von Updates zu geben? Besteht die Möglichkeit des Anbietens von DLC? Erhöhen sich durch das Anbieten auf der Plattform die Umsatzzahlen und verringern sich dadurch die (potenziellen) "Verluste" durch das Verhindern des Gebrauchtmarkes? Ist es somit sinnvoller ein eigenes System (EA DM) auf den Markt zu bringen oder ein erfolgreich etabliertes mit einer großen Spielerzahl zu nutzen? Für mittlerweile alle großen Publisher ist Steam derzeit eine sehr willkommende Plattform um den PC-Markt bedienen zu können.
PC-Gaming muss meiner Meinung nach in der Summe einfacher, komfortabler, sicherer, überschaubarer und somit zentraler werden um langfristig eine Zukunft im "Konkurrenzkampf" mit den Konsolen zu haben. Wären die alternativen Dienste nicht allesamt so erschreckend und furchtbar schwach (GFWL ftw!) hätte Steam heutzutage auch nicht diese Dominanz. Steam ist für mich also genauso Fluch wie auch Segen und dennoch die scheinbare Rettung des PC-Gamingsektors. Wer zurück in die früheren Zeiten mit zig unterschiedlichen Kopierschutzmechanismen will, die einem das komplette System zerschießen, und unzähligen DRM- und Aktivierungsdiensten hat die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt. Wir werden heutzutage und in naher Zukunft keine PC-Spiele ohne Kundengängelung mehr bekommen, das haben wir PC-Gamer uns dank der Vergangenheit allerdings auch selbst zuzuschreiben. Ich wäre ja mittlerweile schon froh, wenn ich als PC-Gamer genauso ernst genommen werden würde wie die Xbox 360 & PS3-Spieler und nicht mit Sonderregelungen und kastrierten Versionen verärgert werden würde. Capcom ist da z.B. ein ganz lobenswertes Gegenbeispiel als Publisher, auch wenn die PC-Versionen deutlich später releast werden.
In letzter Zeit kaufe ich auch vermehrt Spiele über Steam, sofern der Preis stimmt und gebe damit in der PC-Branche mehr Geld aus als vorher. Da mir die meisten Spiele aber über Steam immer noch zu teuer sind und ich mir lieber etwas Materielles ins Regal stelle kaufe ich zudem noch oft in England günstig meine Spiele. Für viele ist diese Steamsympathie einfach überhaupt nicht nachvollziehbar. Aber ich bin schon so lange PC-Gamer durch und durch! Daher spielen diese ideologischen Grundsätze von manchen hier für mich einfach keine Rolle, solange mir das Spielen am PC noch Spaß macht. Ich verstehe durchaus die Kritik am Steamsystem, aber ganz ehrlich: Den Spaß am Spiel lass ich mir durch ein simples Accountsystem ganz sicher nicht nehmen. Am Ende zählt immer die Qualität des Spiels und nicht dessen Backgroundprogramme. Wer aufgrund von Steam auf Spiele verzichten will, dem rate ich ganz ehrlich den Wechsel auf die Konsole. Allerdings werden dort dieselben Nutzungsprotokolle wie bei Steam auch angefertigt. Gläserne Gamer sind wir schon lange.
Insofern hoffe ich noch auf eine faire und respektvolle Grundsatzdiskussion!
PS: Sämtliche Meinungen und Äußerungen in diesem Post sind ganz eindeutig subjektiv und beruhen ausschließlich auf meinen Gedankenspielereien. Ich bitte dies vor möglichen bösartigen Angriffen zu bedenken. Danke.
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