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Nun, dann will ich auch einmal meine Meinung zum Thema "Killerspiele" und Jugendschutz kundtun.
Zu Anfang einmal: Das Wort "Killerspiele" stört mich wirklich zutiefst, da zwar von keinem wirklich definiert wird, was ein "Killerspiel" eigentlich ist, es aber für unbedarfte Eltern trotzdem sehr bedrohlich wirken muss, genauso wie z.B. ein "Killervirus" sehr bedrohlich wirkt. Mit solchen Wortkreationen verbreitet man Angst oder zumindest ein sehr ungutes Gefühl, denn wer will schon gern, dass sein Kind ein „Killerspiel“ spielt?! Sie fördern die Fantasie derjenigen, denen der Bereich „Computerspiele“ gänzlich unbekannt ist. Es wäre also durchaus wünschenswert, wenn sich zumindest die als seriös betrachtenden Teile der Medienlandschaft um mehr Aufklärung bemühen würden, anstatt immer wieder das Wort "Killerspiele" zu verwenden. Es hilft auch nicht sonderlich viel, wenn man davor ein "so genannt" setzt, da man dadurch kaum das eigentliche Wort entschärft.
Nun zum Jugendschutz. Es sind ja sehr redliche Ziele, die sich unsere Familienministerin und auch Herr Beckstein setzen, wenn sie die Jugend schützen wollen. Es stellt sich mir aber unweigerlich die Frage, inwiefern die Jugend geschützt wird, wenn man ihnen verbietet gewisse Computerspiele zu spielen, oder gewisse Filme anzuschauen.
Es mag sein, dass PC-Spiele tatsächlich eine schädliche Wirkung auf Jugendlich (aber auch auf Erwachsene) haben könnten. Dies vollkommen auszuschließen halte ich für genauso fahrlässig, wie es einfach als Wahrheit darzustellen. Allein die Tatsache, dass man PC-Spiele, wobei immer wieder CS in den Medien erwähnt wird, bei den beiden Amokläufern gefunden hat, ist kein Beweis für einen Zusammenhang zwischen einem Amoklauf und PC-Spielen.
Genauso könnte ich dann behaupten, dass es einen Zusammenhang zwischen Coca Cola und Amokläufen gibt, da die Annahme sehr nahe liegt, dass beide schon einmal Coca Cola getrunken haben. Trotzdem käme kein Vernünftiger Mensch auf die Idee, dass ein solcher Zusammenhang bestehen könnte.
PC-Spiel bieten sich aus verschiedenen Gründen jedoch besonders gut als „Sündenbock“ an.
Der erste Grund ist, dass Computerspiele in der Regel von Jugendlichen oder Jungen Erwachsenen gespielt werden. Für ältere Menschen ist schon allein das Grund zur Annahme, dass es nicht unbedingt etwas Gutes sein kann, da die Jugend von heute nun einmal schlecht ist. Mir ist wohl klar, dass so eine Aussage, rational betrachtet, Unsinn ist. Trotzdem herrscht diese Meinung schon seit langer Zeit vor, was ein Zitat belegt, dass Sokrates zugeschrieben wird: "Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."
Der zweite Grund ist, dass die Welt der Computerspiele für die meisten Eltern ein Buch mit Sieben Siegeln darstellt. Sie haben schlicht keine Ahnung von dem, was ihre Kinder da machen, wenn sie nach dem Mittagessen vor dem Computer (oder auch der Konsole) sitzen. Ich wage sogar die Behauptung, dass es ihnen egal ist, solang ihnen niemand sagt, dass ihre Kinder dadurch zu Amokläufern werden. In diesem Moment beginnen sie sich zu Fragen, was ihre Kinder da eigentlich tun. Und sie bekommen Angst, denn der Mensch hat immer vor dem Unbekannten Angst. So würden sich auch die meisten fürchten, wenn man sie nachts in einen dunklen Wald stellen würde. Sie wüssten nicht, was dort in der Dunkelheit lauert.
Was macht man nun, um seine Angst in der Dunkelheit zu bekämpfen? Nun, das leichteste wäre, einfach das Licht einzuschalten. Was aber machen die Erziehungsberechtigten und vergleichsweise alten Politiker gegen ihr Unbehagen? Nun, um bei dem Vergleich zu bleiben, sie verbieten die Dunkelheit. Dass das nicht logisch ist, interessiert nicht. Anstatt sich schlicht zu informieren, was ihre Kinder spielen (oder die Jugendlichen des Volkes, das sie repräsentieren), wollen sie die Spiele verbieten. Es wird viel Kraft in ein Ziel investiert, dass nicht die eigentlichen Probleme lösen wird, sondern maximal (und selbst das bleibt zweifelhaft) ein Symptom dieser Probleme (in diesem Fall wären dies die Amokläufe).
Die eigentlichen Probleme liegen meiner Meinung nach an anderer Stelle und ich sehe mich in der vor kurzem erschienen Vergleichsstudie der Unicef über die Situation der Kinder in Deutschland bestätigt. In dieser Studie ist Deutschland nur auf Platz 11 gekommen. Als ein Grund wird die zu Geringe Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern genannt. Außerdem werden eine verbesserte Betreuung und auch ein besseres Bildungsangebot gefordert. Diese Ergebnisse, und auch die Feststellung, dass „Politik für Kinder in Deutschland meist nur Mittel zum Zweck sei“ sind keine wirklichen Neuheiten.
Das sich diese Umstände natürlich auch auf Kinder und Jugendliche auswirken, ist selbstverständlich.
Ich für meinen Teil halte genau diese Problematik für den eigentlichen Grund, der hinter den Amokläufen steht. Daraus entsteht aber ein ganz anderes Problem. Es ist ungleich schwerer, unbequemer und teurer die Situation für Kinder und Jugendliche zu verbessern. Unbequemer ist es vor allem auch für die Eltern, die bei den Ergebnissen des Unicefvergleiches etwas gesagt bekommen, was sie nicht gerne hören. Die Eltern sind aber auch die Wähler der Politiker, die es gilt nicht zu verärgern.
Mit dem Verbot von bestimmten PC-Spielen verärgert man die Wählerschaft wohl um einiges weniger (vll sogar gar nicht?) als mit dem Versuch, ein Kinderfreundlicheres Klima in unserem schönen Lande zu verbreiten und zu diesem Zweck auch Geld auszugeben.
Ich komme zu dem Schluss, dass der Begriff „Killerspiel“ für den gebrauch in einer ernsthaften Diskussion unbrauchbar ist.
Des Weiteren bleibt festzustellen, dass das Verbieten von bestimmten Computerspielen die vorherrschenden Probleme in dieser Gesellschaft keinesfalls lösen werden, sondern vielmehr die Mündigkeit und Fähigkeit des Bürgers, selbständig Entscheidungen zu treffen einschränken würde. Die eigentliche Lösung wäre demnach nicht der Verbot von Computerspielen, sondern ein grundsätzliches Umdenken in den Bereichen Ausbildung, Betreuung und Erziehung von Kindern. Solange dies nicht geschieht, wird es auch weiterhin zu Amokläufen kommen.
Zuletzt will ich noch anmerken, dass ich mir durchaus darüber bewusst bin, dass der eine oder andere Punkt im Verlauf der Diskussion schon erwähnt wurde. Ich bitte aber um Verständnis dafür, dass ich sie als Teil meiner Meinung ebenfalls erwähnte.