AW:
El_Cativo am 14.03.2009 15:35 schrieb:
eX2tremiousU am 14.03.2009 14:24 schrieb:
Denn noch immer kann kein Spieler sinnig und für Außenstehende verständlich erklären, warum man solche Spiele braucht, spielen muss oder täglich mehrere Stunden Spielzeit investiert.
Wieso sollte die Spielergemeinde ihr Hobby rechtfertigen müssen ?
Die Rechtfertigung wäre erst der nächste Schritt - falls überhaupt erforderlich. Es scheitert ja schon am ersten: Verständnis und Selbstreflexion dafür, dass das eigene Hobby eben im Vergleich zu vielen anderen privaten Interessensgebieten oftmals fragwürdige Inhalte thematisiert, keinen produktiven Nutzen hat, gelegentlich mit moralischen Werten Tischtennis spielt und ein nicht unerheblicher Teil der Spieler schlicht extrem aggressiv reagiert, wenn er "dumm" von der Seite darauf angesprochen wird. Die Erklärung "es macht Spaß" ist zudem die wohl oberflächlichste und sinnfreiste Art, etwas für Außenstehende verständlich zu erklären - das war jetzt kein Angriff gegen dich, aber versuche mal Themen im professionellen Rahmen (Präsentationen, Kundengespräche) mit solchen Floskeln abzuhandeln. Und Kritiker der Ballerspiele sind eben auch „Kunden“, die man erst davon überzeugen muss, dass nicht alles so schlecht ist, wie es das Vorurteil möglicherweise darstellt. Und auch hier muss man sagen: Am Vorurteil sind Spieler oftmals selbst schuld. Wenn die Medien in einem schlecht recherchierten Artikel rausstellen, dass Spieler aggressiv sind, dann wird das perfekt durch die bekannten Antworten in Foren sogar noch untermauert. Nach dem „Skandal“ rund um den verfälschten Panoramabeitrag, wurde das sogar in der folgenden Sendung zynisch ausgegriffen (sinngemäß): „Wir wurden beleidigt, man drohte uns mit Gewalt - ja, Spieler sind natürlich alle völlig ausgeglichen und nicht aggressiv“.
Und Spaß macht vieles, eben auch Sachen, die teils gesetzlich geächtet (Drogenkonsum), oder zumindest gesellschaftliche Streitpunkte sind. Und Letzteres sind brutalste Spiele definitiv. Wenn man sich in den üblichen Threads umguckt (z.B. bei L4D: Ich spiele nur Spiele mit Blut, ohne fliegende Köpfe macht mir das keinen Spaß), dann wird klar, warum dieses Hobby gänzlich anders gelagert ist, als eben das Sammeln von Briefmarken. Da wird eine moralische Spaßgrenze überschritten bzw. ausgedehnt, die keiner mehr so recht erfassen kann.
Niemand muss Briefmarken sammeln, oder Darts werfen oder [insert beliebiges Hobby here].
Viele machen es aber, weil es einen gewissen ideellen und oftmals auch praktischen Nutzen hat. Gute Sammlungen (Bonsais, Uhren, Briefmarken, Dokumente) sind Wertanlagen, teils zeithistorische Belege für wichtige Ereignisse (erste Uhr auf dem Mond, Bonsai des Kaisers etc) und thematisch oftmals auch um ein Vielfaches anspruchsvoller (Fachliteratur, Austausch auf höchstem Niveau mit anderen Sammlern). Selbst den halbwegs gesitteten Austausch von Standpunkten bekommen viele Spieler oft nicht hin. Da schlägt häufig eine infantile Art durch, die nach dem System "Spiel A ist geil, Spiel B ist Mist, du ******!" arbeitet. Sport verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit. Spaß machen diese Gebiete zwar auch alle, nur alle kann man sinnig für die Öffentlichkeit / Kritiker begründen, und KEINES dieser Hobbys ist moralisch im Kern fragwürdig oder empört regelmäßig viele Menschen (außer vll. Paintball, aber immerhin ist da noch eine soziale Komponente gegeben, und es ist ein "überwachter" Sport auf speziellen Anlagen).
Zweitens wäre eine Erklärung auf deine obigen Fragen sowieso recht einfach und knapp: Weil es Spass macht !
Siehe meine Gegenantwort. Das ist eine oberflächliche und eigentlich auch überflüssige Erklärung, mit der kein Außenstehender / Kritiker / Kunde etwas anfangen kann.
Wer das nicht verstehen kann, fein, kein Problem. Ich erwarte nicht, dass jeder mein Hobby versteht. Aber ich erwarte, dass man es akzeptiert.
Akzeptanz funktioniert nur wenn die Toleranz vorhanden ist. Und da sind wir wieder bei meiner Ausgangsthese: Nur Verständnis schafft Toleranz, die schließlich irgendwann zur (gesellschaftlichen) Akzeptanz wird. Wie sollen aber "Fremde" etwas tolerieren, wenn keiner Spieler den ersten Schritt unternimmt, und sein Hobby (bezogen auf Ballerspiele) sinnig und gesellschaftstauglich erklären oder zumindest begründen kann? Es macht Spaß...
Und btw: Ich bin ja selbst Spieler, „konsumiere“ aber Shooter und brutale Inhalte mittlerweile in sehr geringen Mengen. Erstens weil ich ja selber den Teilaspekt meines Hobbys nicht verständlich erfassen kann, und zweitens weil man nach einer gewissen Zeit der Abstinenz erkennen
kann, dass man seine Zeit eigentlich mit einer nicht greif- oder begreifbaren Grundlage vergeudet hat, die bezogen auf die Zukunft eigentlich keinerlei materiellen oder ideologischen Wert hat. Da geben mir die Hobbys Bonsai-Bäume und Uhren deutlich mehr - im wahrsten Sinne des Wortes. Auch fällt da eine Begründung bzw. Differenzierung nicht schwer. Zu beiden Themen könnte ich jetzt aus dem Stehgreif mehrere Seiten schreiben. Und die Phrase "weil es Spaß macht" würde vermutlich nur ganz am Ende als kleine Randnotiz auftauchen.
Deshalb mal mein globaler "Appell": Ruhig mal versuchen die
repräsentativen Aspekte des Hobbys "Actiongames" verständlich aufarbeiten. Um sich, und vielleicht andere zu überzeugen, dass solche Spiele von großer Relevanz oder irgendwie "wichtig" für die Gesellschaft sind. Selbst andere Kulturgüter die früher in der Kritik standen haben das geschafft. Comics begeisterten durch gesellschaftskritische Aspekte und zum Teil intelligente Figuren / Handlungen. Musikrichtungen (Jazz, Rap) bringen (teils) eine Message an den Hörer oder sind rein vom Aufbau so andersartig, dass gänzlich neue musikalische Erlebnisse möglich sind (wie damals eben beim kritisierten Jazz).
Oder um es kurz zu machen: Ihr wollt keine Kritik mehr in den Medien hören? Dann sind die ersten Schritte Sensibilisierung, Vermittlung von Inhalten, Schaffung einer sachlichen Grundlage und die anschließende Erörterung der zweifelsfreien Knackpunkte (moralische Komponente). Eigentlich läuft es so bei fast jeder Präsentation ab.
Edit: Genau so eine Form der gesitteten Auseinandersetzung und Inhaltsvermittlung erwarte ich eigentlich: http://www.youtube.com/watch?v=RUbiR-Yd4iw
Vorbildlich. Zumindest als erster Schritt zur Sensibilisierung.
Regards, eX!