derBatz am 22.11.2006 15:23 schrieb:
Verbot von Spielen bzw. Herstellen von Spielen ist ja wohl auch keine Lösung, denn 1) wirds wieder mehr Arbeitslose geben weil der Markt geschwächt wird und man natürlich am Personal spart, dann werden die Jugendlichen rausgehen und eben anderen Lastern fröhnen, alkohol, zigaretten, drogen... und wenn es etwas gibt was aggressiv macht dann sind es wohl spiele die einem gute Laune machen sollen oder die total überfreundlich sind, ich glaube da hat keiner von uns Bock drauf
Ein - offizielles - Verbot von Spielen ist vielleicht möglich, genau wie es auch ein offizielles Verbot von Drogen gibt. Nur werden sie trotzdem weiterkonsumiert und der Staat ist relativ machtlos. Allein der Gedanke, dass die Spieler solcher Titel gesellschaftlich auf eine Stufe mit Kinderschändern oder im Falle eines Verbots mit Drogenabhängigen gleichzustellen wären (Strafe bei Konsum, etc.), sorgt bei mir innerlich für entschiedene Ablehnung. Ein Herstellungsverbot ist aber in keinem Fall zu realisieren, wie auch? Bis auf CryTek (sind die eigentlich noch hier ansässig?) gibt es in Deutschland kaum Schmieden die brutale Inhalte entwickeln (wobei ich Far Cry nicht wirklich als Killerspiel einordnen kann), ein Verlagern der Produktion z.B. in das benachbarte Holland würde die Problematik für die Entwickler direkt neutralisieren. Und sonst? Wer bis auf Deutschland würde sich an ein Herstellungsverbot halten? Niemand. Die Staaten, England, Frankreich und Co. würden sich eher darüber amüsieren, als diese Verordnung ernst zunehmen. Schließlich ist Deutschland
nicht mehr Europa, die Zeiten sind vorbei, liebe Politiker der Generation "ewig gestrig". Und ein weiterer Versuch dies für 1000 Jahre zu etablieren dürfte wohl auch scheitern...
Wie würden hingegen die Publisher auf ein Einführungsverbot reagieren? Globalplayer wie Activision, EA, UbiSoft, Eidos würden wohl kaum so extreme Verluste einfahren, wenn pro Jahr vielleicht 3 Killerspiele nicht hier erscheinen würden. Zwar ist Deutschland in Europa ein wichtiger Absatzmarkt für Spiele, doch im Notfall könnte man auch auf dieses Land verzichten. Viele Titel müssen schon jetzt speziell auf die Jugendschutzbestimmungen zugeschnitten werden, was ebenfalls Geld und Arbeit kostet. Hinzu kommen deutsche Lokalisationen bezogen auf Sprachausgabe und deutscher Support für solche Titel.
Im Endeffekt wird mit einem evtl. Verbot weder den Herstellern großartig Schaden zugefügt, noch erfüllt es einen Zweck bezogen auf den effektiven Jugendschutz. Wer die Titel will, kann sich diese auch besorgen. Also sind die Leidtragengen nur die ehrlichen Spieler. Sonst niemand.
Trotzdem ist es amüsant: Sebastian B. hat in seinem Hassbrief erklärt was für ihn ausschlaggebend war, um die Tat zu begehen, nur reagieren bisher die wenigsten Politiker auf diese Ausführungen. Schließlich scheint wohl ein einfaches Verbot von solchen Medien leichter zu realisieren sein, als konkrete soziale Ursachenforschung. Aber immerhin, einen Vorteil hat die Diskussion ja: Total nebensächliche Probleme wie Hartz4, Integration, allgemeine Ausländerpolitik, NPD, Gesundheitsreform und Stellenabbau werden so mal wieder auf das Abstellgleis gestellt. Schließlich bedrohen Doom und Co. unsere Politik und unser Land mehr, als z.B. die NPD oder die Schmiergeldaffären bei großen deutschen Autobauern.
Hach, fast wie damals. Mit einem erklärten Feindbild und dem Schrei nach Krieg lassen sich Probleme doch viel eher lösen, als mit sachlicher Argumentation oder effektiver Berichterstattung. Und wie damals wird es auch heute genug Leute geben, die wirklich die Auswürfe unserer Politiker glauben werden, ohne sich die Frage zustellen, ob die vorgekauten “Probleme” wirklich die Ursache ist.
In dem Sinne: Flieg Geil mein Rührer!
Regards, eX!