AW: Tiefgründiges Gespräch im GMZ!!
Das simple Leben von Audrey und Steven
Teil 1
Der Sommer schlug mir auf den Magen, sodass die Dienerschaft stets mit offenen Händen neben mir zu stehen hatte um die teuren Teppiche vor meinen Magensäften zu schützen.
Nach dem ein Schub breiiges Filet Mignon den Weg durch Charles Finger auf den Teppich gefunden hatte, entschied ich mich jemanden zu engagieren der stets an meiner Seite weilen und mich auf Wunsch mit reinem Evian Wasser einsprühen würde.
Bei den von mir zu diesem Zweck ausgerichteten "Sprüh-Castings" ging ich schnell dazu über, meine Entscheidungen hauptsächlich auf hormoneller Ebene zu treffen und engagierte ein hübsches Bikinimädchen, welches sich ebenfalls mit diesem puren Quellgenuß benässen durfte. Aber höchstens 2 oder 3mal pro Tag, was wir vertraglich abklärten.
Die Evian Flaschen wurden in einem eigens errichteten Mini-Bungalow in meinem Garten gelagert, welcher dem Bikini Mädchen zugleich als Schlafstätte diente, wo sie jeden Morgen das direkt von der Quelle gelieferte Wasser in goldene, handgerecht geformte Sprühbehälter füllte.
Um meiner sozialen Ader gerecht zu werden nahm ich mir die Zeit eine Stunde pro Monat mit dem Bikini Mädchen in die hitzige Stadt zu entschwinden um Obdachlose und Hobo ähnliche Gestalten mit diesem flüssigen Wunder zu kühlen und erfrischen.
Ich sagte immer: "Los Bikini Mädchen. Erfrische dieses ärmliche Wesen und equipiere es mit der wunderbaren Kühle dieses natürlichen Himmelsgeschenks."
Teil 2
Gerade nachdem ich mich an ihre sprühende Anwesentheit gewöhnt hatte nahm unsere Beziehung eine ungewöhnliche Wende.
Ich stand auf dem Balkon, shakespeare'esk in einen weltenschweren Monolog vertieft: "...also werde ich wohl gehen. Für immer".
Durch das Fenster des Bungalows schimmerten hunderte Evian Flaschen im evianklaren Mondlicht.
Plötzlich trat das Bikini Mädchen, in ein Kleid aus weißlich purpurner Seide gehüllt, aus den Schatten der Bäume. "Geh nicht!" presste sie heraus. Schwerfällig, als wären dies die ersten Worte die je in ihrem jungen Leben ihren Mund verlassen hatten.
"Was hast du vor?" fragte sie.
"Ich weiß noch nicht." ,antwortete ich, "Wahrscheinlich werde ich in eine Großstadt gehen und Heroin kaufen."
"Heroin?"
"Ja. Warum sollte ich mich erhängen oder anders meucheln. Man kann diesen Ort doch bestimmt angenehmer verlassen."
"Aber das wäre nicht recht."
Und das strahlende Evianschimmern verlieh ihr die religiöse Würde einer Erscheinung. Ein Engel war ans Licht getreten um mich zu retten.
"Du bist so hübsch." sagte ich und lächelte sie an.
Sie blickte verschüchtert zu Boden und sagte: "Komm zu mir hinab."
Der Todeswunsch verließ meine Glieder. Ein Stern kullerte den Horizont hinab, ich ließ das Personal aufreihen wie Orgelpfeifen, sodass ich auf ihren Köpfen hinab steigen konnte und nahm ihre Hand.
Ein paar Tage zuvor hatte ich dem Bikini Mädchen einen Löwen gekauft, der fortan vor ihrem Bett lag und wachte.
Nachdem ich zu ihr hinabgestiegen war saßen wir auf dem
Rasen vor dem offenen Bungalow, vonwo man den voluminösen Brustkorb dieses Tieres sich heben und senken sah.
"Ich hielt dich immer" sagte das Bikini Mädchen "für zu schüchtern. Ich dachte deshalb hättest du nie mit mir gesprochen."
"Das stimmt. Doch eine ganze Armada Anxiolytika rauschen grad durch meinen Kreislauf. Das war eine Ausnahme, aber am liebsten würde ich sie
täglich nehmen. Soviel Angst wie ich habe."
"Ich habe auch mein Kreuz zu tragen."
"Was denn?"
"Ich nehme Speed um so schlank zu bleiben." antwortete sie und fing an zu weinen. Unhörbar. Nur ein kleiner Funke der ihre Wange hinabkroch
Teil 3
In jener Nacht beobachtete ich sie beim schlafen. Eingesunken und schlaff, was so gar nicht zu ihrer graziösen Haltung am Tag zu passen schien.
In den nächsten Tagen durfte sie die handgerecht geformte Sprühflasche stehen lassen. Wir spielten Golf wobei das Personal an gigantischen Ventilatoren postiert wurde um bei einer fehlerhaften Flugbahn korrektiv einzugreifen.
Ihre Eßstörung war deutlich schlimmer als gedacht. Selbst das Essen mehrfach prämierter Sterneköche ejakulierte ihr Mund in vorahnungsvoll platzierte Eimer.
Wir atmeten nur die importierte Luft kanadischer Wälder aus portablen Sauerstoffbars die ein kleiner Junge, den wir nur noch Air Boy nannnten. auf seinem Rücken hinter uns her trug.
Air Boy war ein häßliches, von seinen Eltern verstoßenes Kind, welches einem Fischhändler in Bordeaux als billige Hilfskraft diente, wo ihn einer meiner Sterneköche entdeckte.
Doch die Ära der Luxusluft nahm ihr tragisches Ende als Air Boy sich des Nachts mit den Schläuchen der portablen Sauerstoffspenders erhängte. Wir beerdigten ihn in einem sauerstoffbläßchenblauen Sarg und gewöhnten uns wieder daran die profane Durchschnittsluft normaler Menschen zu teilen.
Teil 4
Das Zusammensein mit dem Bikini Mädchen erlöste mich zum ersten Mal seit Jahren von einer konstanten Einsamkeit, die mich seit dem Tod meiner Zwillingsschwester nicht mehr verlassen hatte.
Sie starb mit sieben Jahren bei einem Segelausflug. Wir gerieten in einen Sturm und ein Blitz fand den Weg zu unserem Masten. Der abknickende Teil fiel ihr auf den Schädel und zerteilte ihn in mehr Einzelteile als ich in dem Alter zählen konnte.
"Wenigstens starb sie bei etwas Stilvollem..." pflegte meine Mutter den vielen Trauberbekundungen zu entgegnen.
Ich hatte für mich, in ihrem Zimmer, von ihr Abschied genommen. Demnach war die Beerdigung eine lästige Übung der ich der Pflicht halber beiwohnte. In Erinnerung blieb sie mir vor allem, weil sie das einzige Mal darstellte, an dem ich meinem Großvater väterlicherseits begegnet bin.
Das lag zum einen an seiner von Egomanie angeheizten Abscheu gegen jede Art von Menschen, wobei er vornehmlich doch Schwarze und Juden am meisten hasste, und zum anderen an einer lebenslangen Gefängnisstrafe die er seit seinem 23 Lebensjahr im Staatsgefängnis von Winnipeg absaß.
Die auf genau 151 Jahre bezifferte Strafe bekam er für die Planung des ersten und einzigen zivilen Biowaffenanschlags in der Geschichte Kanadas.
Nachdem drei seiner Assistenten mit allen erdenklichen Tropenkrankheiten behaftet von einer Afrika Reise zurückkehrten, beauftragte er einen Zeitungsjungen den von seiner Sekretärin in Flaschen abegefüllten Urin seiner Assistenten durch die Fenster der örtlichen Niederlassung des Finanzamtes zu schleudern.
Die folgenden Krankheiten, an denen sich alle Anwesenden umgehend infizierten, hielten sich in Grenzen. Was jedoch Niemand ahnen konnte waren die tückischen Spätfolgen. So manipulierte die Kreuzung dreier der vorhandenen Tropenviren das Erbgut aller männlichen Infizierten. Drei Jahre später gebaren die Ehefrauen und Geliebten der Finanzbeamten fast zeitglich 15 Kinder mit den diversesten Verunstaltungen. Dem kleinen Kirk McDougan zum Beispiel wuchsen vier Münder, sodass er heute als einer der Vorreiter des leider gescheiterten Quadrophenia-Sounds gilt.
Trisha McMahan hingegen wuchsen 20 Finger was sie zur schnellsten Schreibmaschinenschreiberin der Welt machte. Nach ihrem Tod erklärte man sie zur Schutzpatronin der Sekretärinnen Gewerkschaft von Winnipeg.
Im Alter von 21 schlossen sich 12 der 15 Deformierten zu einer Freak Show zusammen und tourten in den Jahren 1928 bis 1931 als erfolgreichste Attraktion dieser Art durch die Vereinigten Staaten.
1964 versuchte "Mary & Hannah", eine der damals so populären Hippie Gazetten, die sich vorhnehmlich mit Tipps zum Marihuana-Anbau profilierten, eine große Versöhnung zu initiieren und in ihrer Reihe "Siege der Menschlichkeit" unter zu bringen.
Auf dem Dachboden habe ich vor kurzem unser Exemplar dieses Magazins entdeckt.
Das Foto des Artikels zeigt meinen emotionslos starrenden Großvater, umgeben von 6 der Deformierten, umrahmt von zwei bulligen, alle überragenden Wärtern die wie das homosexuelle Elternpaar einer großen und sehr merkwürdigen Familie aussahen.
Zur Beerdigung erschien mein Großvater in einem grell orangenen Overall und zusammengebunden Füßen, was seine Fortbewegung auf das Niveau eines Pinguins einschränkte
Begleitet wurde er von zwei Justizvollzugsbeamten in schwarzen Anzügen. Einer war durch eine Handschelle mit meinem Großvater verbunden. Der andere hielt ein Gewehr betriebsbereit vor seiner Brust.
Er stand zwei Reihen hinter uns. Als ich von dort das Zischen eines Streichholzes wahrnahm, gab ich einem der extra engagierten Ordner per Kopfnicken eine Order, die Nikotinverpestung dieser sakralen Luft zu unterbinden. Mein Großvater bemerkte das und entgegnete grummelnd:
"Hat wohl Augen im Arsch der kleine Scheißer."