AW: Allez Borussia Dortmund! Allez, allez!
Homeshitter am 17.07.2004 02:16 schrieb:
Ich war grad auf einer coolen Party, in einem coolen Stadtpark, wo alles cool dekoriert war. War auch der einzige nüchterne, downe Mensch da. Ihr glaubt gar nicht wie verstörend das ist...
Danach bin ich von einem sehr volltrunkenen Menschen nach Hause gefahren worden, weil die einzige Alternative eine Nacht in besagtem Stadtpark gewesen wäre. Trotzdem sehr sehr dumm von mir. Also wenn ihr nicht so todessehnsüchtig

wie ich seid, LASST ES!!!!
Ihr glaubt nicht was es für einen Krach macht, wenn man mit hoher Geschwindigkeit über einen dieser Geschwindigkeitsbegrenzungshuckel fährt...
Wahrscheinlich werde ich eine kleine Geschichte dazu verfassen. Ich weiß. Ihr könnt eure Freude kaum im Zaum halten.
Als wir im Park ankommen schlängeln die gekrümmten Körper weggeworfener Zigaretten ihren Rauch in die Luft rund um die stylische Partyfläche.
Hinter leicht transparenten Tüchern wummert chillige Elektromucke. Alles ist cool. Denn solange wir cool sind ist alles cool. Das sagt Patrick jedenfalls.
Hier sind allesamt reiche Kids. Das rieche ich, weil die Joints nicht kreisen sondern jeder mit einem eigenen ausgestattet ist.
Unser Franzose schwenkt seine Digicam vor den Gesichtern irritierter Mädchen, denen es aber mehr schmeichelt als unangenehm ist.
Ein dürrer Typ mit Spliff im Mund sagt: "Scheiß auf das hier." Und ich denke: der erste gute Satz des Abends. Er holt einen Stofffußball aus einer Sporttasche zu seinen Füßen und kurz darauf spielen wir amerikanischen Football. Vier gegen Vier. Zu cool um Fußball zu spielen rannten und zogen und hielten und fielen wir.
Ohne das wir es bemerkt hatten, hatte sich der Franzose am Rand unserers mit Pullovern markierten Spielfelds postiert und filmte unsere ungelenken Kämpfe um den mit Schmutz und Gras behafteten Stoffball.
Ich checke ob die Leute unser kleines Spiel auslachen, aber die Unterhaltungen plätschern weiter.
Ich schaffe einen mega Alleingang. Weiche aus, schüttel ab, renne, renne. Bis ich die imaginäre Linie zwischen Marks grünen und Patricks blauen Pullover überquert hatte.
Es wird Abend. Mein Zustand ist immer noch nüchtern, während Marihuana geschwängerte Lachanfälle aus allen Ecken schallen. Ich kann den Gesprächen, die müde Münder unter noch viel müderen Augen hervorpressen, nicht mehr folgen und verlasse unser abgetrenntes Habitat.
Vor mir erstreckt sich eine gewaltige Rasenfläche. Die Dunkelheit ist noch schwach aber Leute in dunklen Klamotten wirken schon wie schwarze Flächen. Ein dünnes Nebeltuch setzt sich grau am Boden ab. Ich gehe los.
Immer weiter auf die Rasenfläche hinaus und ich erinner mich plötzlich an unsere Urlaube und wie ich auf meiner Luftmatratze immer weiter aufs Meer hinaus bin, in der kitzelnden Hoffnung das ich nur tief genug raus müsste, um vom Meer verschluckt zu werden. Obwohl ich es wahrscheinlich nur tat, weil ich wusste das nichts geschehen würde, war dies zu einer Art Ritual in allen unseren Urlauben geworden.
Ich blicke zurück. Die Lichter und die Menschen sind nagelgroß und ich fühle mich wohler mit dem Gedanken, dass ich in ihren Augen nur noch ein winziger dunkler Fleck bin.
Die starke Lampe der Digicam streift kurz an der Schulter einer Person vorbei über die Rasenfläche.
Wieder flammt Gelächter auf. Mir wird klar das die Physik meines Zimmers anders ist. Das sie innerhalb der Spannugsfelder einzelner Menschen nicht funktioniert und bei vielen, sich überlappenden Feldern völlig lahm gelegt wird.
In meinem Zimmer kann ich an der Decke gehen, wo ich 2+2=5 an die Decke pinsel und von einer Band aus den Lautsprechern bestätigt werde.
Als ich zurückkomme sind ein paar angetrunkene, fremde Kids an die Absperrung herangetreten und versuchen alles mögliche zu erschnorren. Anna und ein paar andere haben sich ihnen zugewendet und scheinen hoch belustigt von der trunkenen Unbekümmertheit der fremdem Kids. Sie füttern sie mit Smirnoff Lemon Flaschen, wie interessante Tiere im Zoo.
Ich trete dazu und erhalte gleich die ganze Aufmerksamkeit. Sie fragen ob ich Bier hätte oder was zu rauchen. Sie geben mir die Hand und fragen nach dem Markennamen auf meiner Jacke.
Ich finde es lustig und füttere sie mit der geschwollenen Sprache, die sie von mir erwarten. Irgendwie hat einer es geschafft, eine Becks Flasche zu ergattern und guckt mich groß an. Er versucht zu scherzen: "Haust du mir jetzt auf die Fresse?"
Ich lache. "Ich haue niemandem auf die Fresse. Ich krieg immer auf die Fresse."
Sie wissen nicht mit meiner Antwort umzugehen und lachen dezent.
Kurz darauf kommt ein weiterer angejogt und ruft: "Da drüben gibts was zu rauchen!". Und schon ist ihre Aufmerksamkeit an meiner Person verflogen. Sie gehen und verschwinden aus dem Licht der Lampen.
"Ich will nach Haus." sage ich. Gehe von Person zu Person. Ich frage Patrick wieviel Bier er intus hat. Er sagt fünf und macht ein sechstes auf.
"Ich will nach Hause. Fährst du mich?"
"Ich trink nur aus."
Es dauert zehn Minuten.Währendessen schlender ich zu einer kleinen Gruppe die sich um den Franzosen versammelt hatte und das Filmmaterial des heutigen Abends begutachtet. Ich versichere mich das mein Alleingang mit drauf ist und gehe zurück.Patrick steht auf und wir gehen. Durch das Dunkel über von Tau glitschigem Gras. Ich blicke zurück, die Partyfläche ist von Nebelschichten umhüllt und leuchtet verwaschen wie hinter Milchglas. Er geht ein wenig schräg.
Im Auto dreht er Techno auf. Wir fahren los. Ich bin überrascht wie galant er die Kurven nimmt. Ein paar Straßen weiter fährt er in voller Fahrt über einen dieser Huckel, welche die Geschwindigkeit begrenzen sollen. Es gibt einen gewaltigen Schlag mit einem lauten metalenen Knall aber Patrick sagt nur "Scheiße" und fährt weiter.
Auf der Autobahn gibt er Vollgas. Meine linke Hand krallt sich in den Sitz, der Rest meines Körpers verkrampft.
Dann denke ich an mich und wie ich mich in letzter Zeit gefühlt habe und die Situation kommt mir gar nicht mehr so fremd vor.
Homeshitter