AW: ...wie halt jeden Abend...
ich bin zur Zeit echt durch den Wind. Ich glaube das liegt an den komischen Tabletten. Mich dünkt, es handele sich dabei um pharmazeutisches Speed, mein Arzt jedoch sagt das sei harmloses Zeug, die mein Hirn von diesen üblen Brocken lösen und ein bissel auflockern könnten.
Ich höre z.Z. fiel Lou Reed. Vornehmlich die Platte Magic & Loss. Eine Konzeptalbum über Tod, Verlust und das Leben. Das Titelstück bringt meine momentane Lebenslage ziemlich gut auf den Punkt, auzch wenn es Teile darin gibt die ich nicht wirklihc verstehe. Lou Reed ist halt einer der größten Poeten diese Jahrhunderst. Irgendwann wird das auch mal die scheiß Literaturelite verstehen.
Außerdem habe ich gerade "Unter Null" oder wie die Fachmänner sagen: "Less Than Zero" von Bret Easton Ellis gelsen. Trotz seiner dumpfen Erzählweise war ich völlig fasziniert. Es machte mich zutiefst traurig. Zum einen weil ich die EInsamkeit des Protagonisten, Clay, nur zu gut nachvollziehen konnte, zum anderen weil sein Leben genau das Gegenteil von dem meinigen darstellt. Das Ergebniss ist das beide Extreme ziemlich scheiße sind und nur die Menschen auf einem gesunden Mittelweg einigermassen glück werden.
Für all die das Buch nicht kennen hier eine Zusammenfassung: Es ist wie ein cooler, James Dean artiger Typ, der dich locker anlächelt und dann plötzlich auf die Kniee fällt und schreit: ICH BIN LEER!!!!ICH BIN LEER!!!!!!ICH BIN EINSAM. Und dann blinzelst du und merkst plötzlich das du dir das alles nur eingebildet hast. Etwas unterbewusstes in der weiß aber. Das du gerade genau die Wirklichkeit gesehen hast. Verseht Ihr, meine Freund?
Es geht um Clay, der über WEihnachten nach Hause zu seiner Familie fährt. Das Buch hat keine Handlung, genau wie mein Leben und besteht nur aus einer nicht enden wollenden aneinanderreihung von Partyszenen und Exzessen. Von Beispielen jugendlicher Dekadenz in den Achtziger. Auf jeder Seite steht das Wort KOKAIN mindestens 10 Mal, oder so.
WIe gesagt. Mein Leben ist genau wie dieser Roman. Er hat keine Handlung. Clay und ich suchen nach Extremen um ein bissel näher als Leben zu zurücken. An den PLatz. Den irgendein Gott vor langer Zeit uns zugedacht hatte.
Als wolle er das Buch ergänzen, singt Lou Reed auf Magic und Loss dann "WALK THROUGH THE FIRE TO THE LIGHT". Und diese Wahrheit bedrückt mich mehr als alles andere. Ich muss zurück zum Leben. Unabhängig werden.
Ich gucke auf das Transformer Cover und sehe Lou Reed. Geschminkt, cool, mit von Downern beringten Augen und ich denke mir: Scheiße. DIeser Mann hat gelebt. Dieser Mann hat gelebt. Wenn ich jetzt sterbe, dann wäre es so als wäre ich nie auf dieser Welt gewesen. Ich hätte so gut wie keine Spuren hinterlassen und was noch viel schlimmer für mich ist: diese Welt hat auch keine Spuren in mir hinterlassen.
Lou Reeds Gesicht hingegen scheint die ganz Welt in sich zu vereinen. Ein voll etablierter Fremdkörper würde das jetzt in Selbstmitleid baden nennen, aber ich viel zu hibbelig um zu baden.
Und so flüchte ich mich unter die warme Decke der Generation X. Diese "Ich weiß nicht was ich mit meinem Leben tun soll" Sache und da fühle ich mich wohl, obwohl es bestimmt nur ein weiterer Decktmantel ist, der meine Trägheit kaschieren soll.
Jetzt gerade lesen ich die Selbstmordschwestern. Das Buch, auf dem der Film The Virgin Suicides von der unglaublich hübschen, arrogant anziehenden Sofia Coppola, basiert. Er hat etwas so warmes an sich. Wäre dieses Buch ein Bild wäre es in vollen, warmen Farben gemalt worden. Es geht um den Verlust von Unschuld und ich denke mir, dass ich auch da ein Wörtchen mitreden kann.
Dieser Tag, heute, ist der schlimmst. Ich bin aufgeputscht für nix. Wie ein Auto das bereit ist mit 200kmh loszubrettern, aber vor einer soliden Wand steht. Auch wenn ich gerade wieder einen schönen Satz in mein Notizbuch geschrieben habe, fühlt sich dieser Tag irgendwie scheiße an. Ich glaube ich werden mich wieder hinlegen und danach Fifa spielen und dann wieder einen Film gucken und dann einen Downer nehmen und dabei weiter "DIe Selbstmordschwestern lesen". Ich habe das Gefühl das man dieses Buch unbedingt auf Downern lesen muss. Das es geradezu dafür gemacht wurde um auf Downern gelesen zu werden.
Die leichtigkeit meiner Muskeln und die angenehme Schwere passt so gut zu dem dort dargestellten Status der Unschuld der dann unmerklich vom Schlaf weggerissen wird.