Hm... ich schreibe in letzter Zeit relativ selten in diesem Forum, aber das Thema interessiert mich aus vielerlei Perspektiven:
a) war ich zig Jahre lang Abbonent dieses Magazins, habe es mir aufgrund von Internetreferenzen, die ich für meine Bedürfnisse besser finde, abbestellt (dazu später noch mehr)
b) ist die Frage eines "Tests" immer eine schwierige und hab auch in den letzten Jahren viele Änderungen des Magazins mitbeobachtet und wie die Tests immer mehr verfeinert und präzisiert wurden
c) zeigen die sinkenden Absatzzahlen, dass die Branche scheinbar ein Problem hat, die Forcierung auf Webseiten scheint auch nicht recht erfolgreich zu sein (soweit ich weiß kämpfen fast alle deutschen Spielemagazine mit sinkenden Absatzzahlen im Printbereich und sinkenden Klickzahlen im Webbereich)
d) ist es außerdem schwierig, solch ein Thema im Forum kritisch zu behandeln, da sich hier meistens die "Hardcore" Leute tummeln, was bedeutet, dass Sichtweisen fehlen. Finde daher auch die Aussage komisch, wenn Frau Fröhlich meinte, beurteilen zu können was der Markt benötige weil sie einen Kollegen bei der Kaffeemaschine getroffen habe. Repräsentative Populationen sind eben nicht hier im Forum oder in der Kollegschaft zu finden, sondern, wie beim Spiegel Online Artikel auch angemerkt, in der Mitte der Gesellschaft. Hier besteht meiner Meinung nach eine Korrelation zwischen den sinkenden Absatzzahlen und der Allgemeinen Akzeptanz von Computerspielen (vor allem im Bereich der Konsolen, beim PC wird scheinbar noch immer mehr die Hardcore Klientel angesprochen, vermute ich zumindest).
Zu a) Ich verzichte mittlerweile ganz bewusst darauf, mir dezidierte Berichte über zig Seiten in einem Magazin durchzulesen. Das hat mehrere Gründe: ich verfüge erstens, durch mein fortschreitendes Alter, über mehr finanzielle Möglichkeiten und muss daher nicht mehr so genau darauf achten welches Spiel ich mir nun kaufe bzw. nicht so stark darauf achten, dass dieses Spiel auch zu 100% das richtige für mich ist. Ich sehe mir daher lieber Rezessionen auf gamestrailer.com an, da es sehr kurz und prägnant in 5 Minuten vermittelt was ich gerne wissen möchte. Einen Ausführlichen Test mit Spielspaßkurve etc. lese ich meist einfach nicht mehr, da mir ein Grobüberblick nach dem Ampelsystem rot, gelb, grün, in Kombination mit dem üblichen Hype und den Bericht von ein paar Usern durchaus ausreicht. Meine Erfahrung hat auch gezeigt, dass ich damit bis jetzt nicht verkehrt liege und die Erwartungen, die ich an ein Spiel habe, auch nicht mehr so überproportional hoch sind. Dadurch habe ich auch mehr Spaß am Spiel selbst, anstatt dass ich mir ein halbes Jahr vorher den ganzen Hype antue und dann vom Spiel auch erwarte, dass dieses Jahrelange mitfiebern auch qualitativ gewürdigt wird.
Außerdem haben die Berichterstattungen sowieso ein Problem, denn wirklich "objektiv" können sie sowieso nicht sein und jegliche Versuche dies in der Vergangenheit zu objektivieren (Spielspaßparameter über zig Stunden, doppelte Rezessionen, genaue Auflistung von allen Möglichen Details) interessiert mich überhaupt nicht und kann das, was ich an einem Spiel schätze, sowieso nicht einfangen: Spielspaß ist manchmal eben subjektiv, ansonsten müsste Super Mario Galaxy, ganz objektiv, eine miese Note bekommen da es über keine nennenswerte Story verfügt, es ist trotzdem ein grandioses Spiel was ich immer wieder gerne Spiele. Ich hab außerdem immer das Gefühl, dass ein Spiel zu Tode geschrieben wird, bedingt durch die Seitenlange Rezession.
Wenn Frau Fröhlich recht hätte, dass die breite Masse sich vorher ausführlich, typisch deutsch, darüber auch ganz genau informiert, dann wäre die Diskrepanz zwischen Absatzzahlen von Spielen in Deutschland und Absatzzahlen der dazu passenden Printmedien nicht so hoch, wovon ich aber ausgehe. Ich behaupte jetzt mal ganz dreist, dass sich, was früher vielleicht anders war, der typische Spieler eben nicht ein Spielemagazin kauft sondern Impulsiv handelt und ein Test auch diesem Impuls folgen sollte um dem Bauchgefühl eine Grundlage a la "gutes Spiel" oder "das ist Schrott" zu liefern. Wenn jedoch der typisch durchschnittliche Spieler diese ausführliche Ausführung wünschen würde, dann würden die Verkaufszahlen von Printmedien die sich damit beschäftigen auch proportional zu der spielenden Bevölkerung steigen oder fallen, das tun sie aber nicht. Spielemagazine sprechen eben nicht den breiten Markt an, sondern eine sehr spezielle Nische an Leute, die sich ausführlich darüber informieren möchte. Daran ist per se auch nichts verkehrt, wenn die Nische auch gleich bleibt kann man damit gutes Geld verdienen. In Zeiten von Onlinerezessionen und ständig abrufbarer kostenloser Informationen ist das aber nicht mehr der Fall und den otto normal Spieler erreicht man mit Hardcore Tests und einem solchen Spielemagazin eben nicht. Die Frage, die sich PCGAMES stellen sollte ist, ob sie das auch möchten: Wenn Frau Fröhlich als Chefredakeurin sagt, dass Spielemagazine nicht die Mitte erreichen, aber auch nicht diesen Anspruch haben, ist das in Ordnung. Wenn sie jedoch die Mitte erreichen will, das Spielemagazin jedoch auf die Hardcoregamer ausgerichtet ist, braucht man sich nicht wundern wieso die Absatzzahlen sinken oder eben die Mitte damit nicht erreicht. Ich weiß leider nicht, welchen Anspruch das Magazin hat und ob es hier einen Widerspruch gibt oder ob das die allgemeine Ausrichtung des Magazins ist, eben nur diese spezielle Nische anzusprechen, die dann aber auch detailierte Informationen haben möchten. Repräsentativ für die gesamte Population der "Spieler" ist das natürlich nicht, was auch in Ordnung ist, wenn man das nicht möchte. Von der Stellungnahme von Frau Fröhlich meine ich jedoch zwischen den Zeilen zu lesen, dass hier sehr wohl ein Widerspruch besteht, den gilt es zu bearbeiten um auch für das Magazin zu entscheiden, was es denn möchte. Problematisch ist, dass der Hardcoremarkt eben sinkt, was auch die stagnierenden oder zurückgehenden Absatzzahlen in der Branche der Spieleredakteure meiner Ansicht nach auch bestätigen würde.
Wenig hilfreich scheint da auch noch die Tatsache zu sein, dass man sich, um auf d) Bezug zu nehmen, die Bestätigung unter dieser Nische sucht und sich denkt "ach ge, die wollen ja eh alle die Detailierten Informationen". Wenn ich einen fanatischen FC Schalke Fan frage, was er sich vom Fußballspiel erwartet und vom Merchandising, werde ich eine andere Antwort erhalten als von den Personen, die sich spontan entscheiden ins Stadion zu gehen. Die Frage ist aber: an wen verkauft der Verein seine Tickets? An den spontanen Stadionbesucher oder an den fanatischen Fan? Die Spielebranche ist hier normalverteilt: auf der einen Seite habe ich einen kleinen Teil der Spieler, die sich ausführlich mit dem Thema beschäftigen und Stundenlang informationen nachlesen oder recherchieren. Auf der anderen Seite habe ich die totalen Impulsivkäufer, die sich gar nicht informieren und spontan ein Spiel kaufen, wenn überhaupt. In der Mitte, der großen Mehrheit, wären meiner Ansicht nach jedoch Spieler, die nur ein wenig Information haben möchten, die eben nicht den so starken Bedarf an 3-Seitigen Tests haben, sondern wo eine kleine Zusammenfassung über die groben pro und kontras genügen würde um eine Kaufentscheidung zu treffen. Da liegt auch meiner Meinung das Problem, denn Herr Schmidt spricht von der Mitte, Frau Fröhlich spricht von einer Randgruppe, im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung der Spieler, und sieht sich darin auch noch bestätigt weil sie, soweit ich das verstanden habe, diese Bestätigung durch eben dieses Forum oder ihr Umfeld, was auch aus Hardcorespielern besteht, wie ich mal behaupte, auch bekommt und darin keine Diskrepanz sieht. Gefragt werden sollten aber nicht die Leute hier im Forum, sondern auch andere Vertreter der gesamten Population. So hat das ganze den Geschmack von einem tautologischen System, welches sich ständig selbst bestätigt. Das ich darin keine oder wenig kontroversielle Meinung finde, liegt wohl auf der Hand....
So, das war jetzt sehr ausführlich und auch etwas verschachtelt. Ich hoffe dennoch, dass der/die ein oder andere, speziell Frau Fröhlich, auch damit etwas anfangen kann und hoffentlich auch eine, für die Zukunft des Magazins, entsprechend gute Entscheidung treffen kann.