So wie Leute über BG3 reden, frage ich mich, ob die wirklich BG2 und auch mal Dragon Age: Origins gespielt haben. Die Charaktere sind nichts Besonderes, die Story ist nichts Besonders und über 20 Stunden fast gar kein Faktor, die Quests sind generell nichts Besonderes, insgesamt ist die Motivation nicht gut. Der sehr lange, schleppende Anfang, in Größe mancher Spieltrilogie, ist eine komplette Nullnummer. Flow wird in dem Spiel aktiv zerstört.
Der Absturz des Gedankenschinder-Schiffes mag noch "spektakulär" wirken, doch das war schon der "Blockbuster"-Aufhänger, der vor Millionen Jahren (ja, es wirkt länger her als BG2) im Early Access angezeigt wurde. Aber schon existiert keine Motivation mehr. Also, man hat jetzt diese Larven. Bisschen eklig, aber sonst? Ich weiß ja, dass man überlebt... Das Spiel endet ja nicht in 3 Stunden. An und für sich ist die Situation auch nicht besonders motivierend undd bringt mich dazu "unbedingt" etwas tun zu wollen. Tatsächlich würde das Spiel das ja sowieso verhindern. Sofort versumpft man in jeder Kleinigkeit und Nebensächlichkeit und Alltäglichkeit.
Ich komme über dieses Druidenlager. Okay, ich würde denen schon ganz gerne helfen, warum nicht? Aber warum dauert das eigentlich so ewig, so fasziniert oder "bewegt" bin ich davon nun auch wieder nicht. Ich bin eben einfach mal bei denen vorbeigeschlendert.
Dann schau ich mal bei Goblins um, immerhin liegt da der Hase im Pfeffer. Denen werd ich mal die Leviten lesen, weil sie offenbar meinen strengen Brief ignoriert haben... Schon wird manb von jedem einzelnen Goblin vollgelabert, und ich versprech jedem, ihr Anliegen weiterzugeben... Und da sind die drei Anführer wie Maden im Speck unter lauter Goblins in einer grottenhässlichen, gewaltigen, verlassenen Tempelanlage bzw. Grotte. Ich soll die beseitigen, was einigermaßen vernünftig klingt, weil obwohl man ständig mit dem "das sind auch nur Menschen"-Schtick genervt und am Verüben von Lösungen gehindert wird, sind die ziemlich toxisch und wollen zumindest teilweise mir hinterrücks ein Leid tun.
Doch sobald man mit dieser Beseitigung beginnt - und die nicht ultrapräzise plant und zig mal durchspielt - hat man gleich dutzende andere Goblins, die einer nach dem anderen mit einem kämpfen. Riesige Horden von Goblins, die alle der Reihe nach ihre Züge in aller Ruhe durchgehen: offensichtlich versteht Larian nicht, welches Kampfsystem sie verwenden, oder versteht es nicht, das sinnvoll einzusetzen.
Denn eine wirkliche Motivation gibt es für diese unendlich schleppenden rundenbasierten Gruppenkämpfe in einer hässlichen Grotte nicht. Nach wie vor ist das nur eine Nebensache.
Diese beliebige Nebensache wird dann tangentiell mit dem angeblich persönlichen Anliegen verknüpft: Die Anführer der Anführer (also nicht die, wo man jetzt ist) wissen irgendwas über die Larven bzw. haben 'se auch welche. Wow, wie spannend.
Und um zu denen zu gelangen, muss man mysteriöse Wege mit mysteriösen Gefahren (welche alle nach 20 Minuten aber schon unglaublich langweilig wirken) und einer milliarde weiterer zufälliger Situationen und Ablenkungen gehen.
Und im Camp werd ich ständig von den jugendlichen Problemen der Gefährten vom Ausruhen und Weitermachen verhindert. Auch hier gibt es also nur Unterbrechungen und Ablenkungen. Interessant ist das nur ganz selten, und kein einziges Mal originell verglichen mit anderen Beispielen.
Eines der wenigen Male, die ich im ersten Gebiet persönlich motiviert war, etwas zu erledigen, war um Tantchen Ethel zu beseiten. Doch dies geschieht natürlich nur über eine unglaublich zähe Grotte, in der Mysterien lauern, die so beliebig wie bedeutungslos erscheinen. Und damit der Kampf dann letztlich auch gut klappt, muss ich sowieso erst andere Sachen machen.
Sachen im Spiel detailliert auszufüllen ist kein Qualitätsmerkmal. Die Planung geschieht offenbar in groben Zügen und bleibt auch über Jahre bestehen. Was aus der Ferne im Early Access uninteressant schien, ist es auch bei Release persönlich. Und diese groben Planungen und Strukturen sind eben überhaupt nichts Besonderes. Ebenso wenig wie die "Gefühlchen" und Sprüche der Begleiter. Ich denke da z.B. an den "Star" Astarion, wie der eingeführt wurde: Ich biete dem an zu helfen, ein paar Bedrohungen aus dem Schinderschiff zu beseitigen, denn wir waren schließlich auch zusammen Gefangene auf dem Schinderschiff. Sofort hält der mir ein Messer an den Hals... Warum: Wir könnten doch Agenten des Feindes sein. Aha, wie hat er das begründet? Indem wir ihm helfen wollten, gegen den Feind zu kämpfen, obwohl er uns auch als Gefangene gesehen hat?
Wenn das geklärt ist, kommt da noch eine bessere Begründung, oder sollen wir dem trotzdem gleich gestatten sich uns "anzuschließen" ?!
Nein, es kommt keine Begründung, vom Spieler wird erwartet, den "Star", der überall vorgezeigt wird und groß auf dem Cover ist, aufzunehmen, auch wenn eine halbwegs gute Begründung völlig vermasselt wurde, und zwar vom Standpunkt jeder Moralität, außer "niedriger Intelligenz".
Larian hatte ja vor Divinity Original Sin immer 80er und 70er-Wertungen... Ich fand aber nicht, dass sie in der Qualität der Inhalte je besser geworden sind als das, außer in den Produktionswerten,.
Hingegen hatte BG2 fantastischen "Flow", und der Anfang mit der Gefangenschaft und der darauffolgenden Freiheit und dem Gefühl des Abenteuers, mitsamt Grund für Rache (und gleichzeitig Interesse am Bösewicht), ist hervorragend umgesetzt. Usw.
Nur mal so nebenbei.