Doch, (völker)rechtlich wird aus dir dann ein Spanier. Wie gesagt, moderne Staaten sind zuallererst Verfassungsstaaten. Der kulturelle Hintergrund ist völlig nebensächlich, solange er nicht klar den freiheitlichen Grundrechten unserer Verfassung widerspricht. Deshalb gibt es für Einwanderer ja auch Aufnahmetests, um dem auf den Zahn zu fühlen. Wer die besteht, darf sich mit Erhalt des deutschen Passes deutscher Staatsbürger nennen und das ist IMO auch richtig so.
Ich bin mir nicht sicher, ob das so tolle Beispiele sind, insbesondere das mit den Hugenotten...
Natürlich darfst du gegen Multikulti sein. Aber Multikulti ist die Realität und daran wird sich in einer globalisierten Welt prinzipiell nichts ändern, auch wenn sich dem Trend einige mal für eine Zeit lang widersetzen wollen. Übrigens findet Assimilation immer statt, auch unterbewusst. Wir haben in Deutschland z.B. zig Speisen, Techniken und Teile von Ideologien über die Jahrhunderte in unsere eigene Kultur (bzw. Kulturen) assimiliert. Ebenso wird natürlich auch jeder, der in Deutschland lebt, von seine Umwelt beeinflusst und davon geprägt. Wenn du mit Assimilation aber Selbstaufgabe im Sinne von einer kompletten Verleugnung der eigenen kulturellen Herkunft meinst, dann bin ich da klar dagegen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Menschen dazu unter normalen Umständen überhaupt in der Lage sind.
Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, warum Menschen im 21. Jahrhundert immer noch wert auf Nationen legen. Was ist der große persönliche Unterschied, ob ich jetzt z.B. einen deutschen oder einen österreichischen oder einen französischen oder einen spanischen Pass habe? Ernst mal nicht viel. Der einzige Unterschied sind die Rechte und Pflichten, die damit als Teil einer Gesellschaft einhergehen. Aber kulturell ist der Pass doch völlig bedeutungslos, zumal sich Kulturen so gut wie nie an künstlichen Landesgrenzen orientiert haben. Eine moderne Nation bzw. eine moderne Gesellschaft ist per se ein rechtliches (und einigermaßen willkürliches) Konstrukt, kein kulturelles. Natürlich liegt der Rechtsordnung eine bestimmte Ideologie zugrunde, aber die ist inzwischen auch längst kulturübergreifend. Eine allgemeine Achtung von Menschenrechten und progressiven Rechten z.B. ist ja wohl keineswegs auf den deutschen Kulturraum begrenzt.
Es überrascht mich übrigens nicht, dass du den Rest meines Posts ignoriert hast, nur so am Rande. 