aph am 21.01.2006 23:58 schrieb:
Meinereiner am 20.01.2006 21:39 schrieb:
Es gibt also doch Dinge am Menschen, die die Wissenschaft nicht erklären kann?
Nein, das glaube ich nicht. Bedenke bitte, dass ich das Wörtchen "wir" in dem Satz hatte, der von dir zu einer allgemeingültigen Aussage umformuliert würde. Einer solchen würde ich aber grundsätzlich nicht zustimmen.
Ah, ok, mein Fehler. Aber eine Frage dazu: Wenn du sagst, dass alles wissenschaftlich begründbar sei durch irgendwen, was bedeutet dann für dich „Wissenschaft“? Verstehst du den Begriff so, wie wir ihn heute verstehen (Theorie, Experiment, Vorhersage, etc.) oder wird sich das, was Wissenschaft ist, auch noch ändern können, so dass
die Wissenschaft, die dann einmal alles erklären könnte, womöglich eine andere ist, als die, die wir heute betreiben?
War eigentlich der ontologische Beweis ernst gemeint? Ich hoffe nicht, denn das war für mich nur Kinderkacke. Sorry, wenn ich das so hart sagen muss. Da halte ich es wie Gaunilo ... aber das hatten wir hier schon auf Seite 1 des Threads -> Spaghetti-Monster. So gut wie der christliche Gott lässt sich bisher alles und nichts beweisen.
Der Canterbury’sche Beweis ist tatsächlich der problematischste aller Gottesbeweise (der ebenfalls ontologische von Descartes ist ziemlich billig). Was ElNonsk leider vergessen hat, ist der letzte Satz: Nachdem die Argumentation dahin gelangt, dass das, über das größeres nicht gedacht werden kann, existieren müsse, folgt noch: Und dieses, über das größeres nicht gedacht werden kann,
nennen wir „Gott“ (den genauen Wortlaut kenne ich nicht, aber so ist es gemeint). Dein Einwand mit dem Spaghettimonster führt daher den Beweis auch nicht ad absurdum, sondern ändert nur den letzten Satz zu: „Und dieses, über das Größeres nicht gedacht werden kann,
nennen wir ‚Spaghettimonster’“. Ob wir dieses größtmöglich Denkbare aber nun „Gott“, „Spaghettimonster“, „Superman“ oder „Hirschkuh“ nennen, ist ja doch völlig unerheblich.
Was sich gegen Gaunilo (ich kenne den Typen nicht, aber ich versuch’s trotzdem^^) vorbringen lässt, ist, dass ein Satz wie „es lässt sich eine Insel denken...“, empirisch, wohingegen der Satz „es lässt sich
etwas denken...“ analytisch ist. Um eine Insel zu denken, muss ich wissen, was eine Insel ist. Wenn ich aber noch nie eine Insel gesehen habe und mir niemand erklärt hat, was eine Insel ist, so kann ich sie mir nicht denken. Für einen blinden und tauben Menschen funktioniert dieser Inselbeweis nicht. Ich muss also erst
vermittelst der Erfahrung wissen, was eine Insel ist.
Hingegen
etwas sich denken, kann jeder, der denken kann. Um mir
etwas zu denken, benötige ich keine Wahrnehmung. Diese Prämisse funktioniert also auch für jemanden, der überhaupt keine Sinneswahrnehmung besitzt.
Der beste Einwand, den ich kenne, ist der von ElNonsk erwähnte kantische. Der ontologische Beweis von Canterbury setzt auf drei (!) Prämissen.
1) Es lässt sich etwas denken, über das Größeres nicht gedacht werden kann. – Diese Prämisse ist einleuchtend.
2) Existenz ist eine Eigenschaft. – Darüber streitet man noch heute, doch geht der Konsens zunehmend dahin, dass Existenz keine Eigenschaft sei.
3) Existenz als Eigenschaft ist steigerbar. – Das klingt im ersten Moment ziemlich bescheuert, ist aber so gemeint: Etwas, dass nur der Möglichkeit nach existiert, ist seiend (existierend), nämlich existierend im Denken. Etwas aber, das der Wirklichkeit nach seiend ist, ist ja irgendwie stärker seiend, als nur ein Gedachtes. Daraus kann man schlussfolgern, dass Existenz steigerbar sei (das geht zurück bis zu Platon und seinem Höhlengleichnis: Die Schatten von Dingen sind weniger seiend als die schattenwerfenden Dinge).
Das Kantische Gegenargument bezweifelt nun eben – wie ElNonsk schon ausführte –, dass Existenz eine Eigenschaft sei (mit Einschränkungen). Damit könne es aber auch nicht steigerbar sein und darum wiederum könnten wir nicht von einer möglichen Existenz auf eine wirkliche schließen mit der Begründung, diese sei seiender als jene.
Das aber nur, um ElNonsk ein wenig Arbeit abzunehmen
