Meinereiner am 18.01.2006 22:38 schrieb:
Naja, wenn sich die Maschine auf q festgelegt hat, dann muss sie diese Auswahl auch verfolgen.
Ich denke, diese genannten Operationen, die eine Maschine ausführen kann, könnte man durch aus als Wollen interpretieren.
Um es an dieser Stelle aber mal frei herauszusagen: Ich glaube nicht, dass es möglich ist, zu begründen, dass eine Maschine Wahrheit nicht erkennen kann, jedenfalls nicht auf dem Wege, den du eingeschlagen hast. Möglicherweise ist eine bessere Argumentationsstrategie, die Erkenntnis von Wahrheit mit Selbstbewusstsein in Beziehung zu setzen. Selbstbewusstsein nämlich haben Maschinen (noch) nicht. Allerdings wäre auch diese Argumentation noch empirisch und damit nicht völlig überzeugend. Der Königsweg ist noch immer, rein über die Logik zu argumentieren bzw., für unseren Fall, dann einfach weniger problematische Prämissen zu verwenden (je weniger erfahrungsabhängiges in einer Prämisse steckt, umso besser), denn was logisch wahr ist, ...
Da crackajack ja so laut nach den Gottesbeweisen schreit *g*, werde ich an dieser Diskussion bis auf weiteres nicht mehr teilnehmen um seinen Wunsch erfüllen zu wollen. Da ich damit auch deine letzten Argumente (bis auf weiteres *g)
nicht widerlegt habe, gilt folgendes:
Ich habe diese Behauptung aufgestellt:
"Wäre der Mensch nichts anderes als Biologie und Chemie, so wäre er nur eine (allerdings ziemlich komplizierte) Maschine.
Eine Maschine spult ihr Programm ab - aber sie erkennt nicht die Wahrheit, noch nicht einmal die Wirklichkeit. Sie reagiert unter Umständen auf Eingaben (Knopfdruck, Videoaufnahmen oder Bewegunsgmelder), aber sie kann keiner Theorie zustimmen.
Wäre der Mensch tatsächlich eine Maschine, dann könnte er auf einen Reiz (zum Beispiel hört er jemanden reden, der behauptet, der Mensch sei eine Maschine) entsprechend seiner Programmierung reagieren (er sagt zum Beispiel "Ich stimme dem zu!") - aber über die Qualität des Reizes sagt das nichts aus (also im Beispiel über die Wahrheit der Behauptung).
Eventuell ist der Materialismus wahr. Aber dann kann man seine Wahrheit nicht erkennen - ja, noch nicht einmal behaupten. Der Materialismus - insofern er seine eigene Richtigkeit behauptet - setzt voraus, dass der Mensch mehr ist als Materie.
Noch einmal zusammengefasst:
Prämisse 1: Wenn der Mensch nur Materie ist, dann ist er nichts anderes als eine (komplizierte) Maschine.
Prämisse 2: Man braucht den Willen um eine freie Entscheidung treffen zu können.
Prämisse 3: Man braucht die Freiheit um die Wahrheit erkennen zu können.
Prämisse 4: Eine Maschine hat keinen (freien) Willen und somit keine Entscheidungsfreiheit.
Prämisse 5: Da der Maschine die Freiheit fehlt, kann sie nicht zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Conclusio: Wenn der Materialismus stimmt, kann der Mensch diesen nicht erkennen (und somit auch nicht behaupten).
Da Meinereiner die Prämissen 2 bis 5 angezweifelt hat, stimmt die Conclusio (bis auf weiteres) nicht.
Dies bedeutet aber auch nicht, dass der Materialismus stimmt, da ich ja nur davon ausgegangen bin, dass, sollte er wirklich stimmen, der Mensch ihn gar nicht erkennen könnte. Um den Materialismus zu widerlegen, müssen die Vertreter desselben zuerst einmal die Argumentation von Meinereiner widerlegen, der ja einige "Beweise" gegen den Materialimus angeführt hat (nur so am Rande bemerkt: Ich fand es urkomisch, dass Meinereiner und ich über meinen Beweis gestritten haben, obwohl wir beide davon überzeugt sind, dass der Materialismus nicht stimmt. Auf der anderen Seite kommen wir dadurch natürlich der Wahrheit näher

).
Ich hoffe, ich habe jetzt nichts vergessen. Ich werde mich zu dem Thema aber zu einem späteren Zeitpunkt noch äußern (irgendwie kommt mir an der Sache etwas faul vor

, vielleicht hängt da etwas bei der Gleichsetzung von "Materiemensch" mit "Maschinenmensch"). Die Erkenntnis die wir (bis auf weiteres -> ich kann es einfach nicht lassen *g*) gewonnen haben, ist also folgende: Der Mensch kann den Materialismus erkennen, wenn es ihn gibt. (Persönliche Frage an Meinereiner: Wusstest du schon, dass die Diskussion so verlaufen würde (= habt ihr an der Universität schon davon gesprochen), oder ist das auch für dich eine neue "Erkenntis"?)
Ich hoffe, dass mir hier alle zustimmen.
Kommen wir jetzt zu den Gottesbeweisen:
a) Der mathematische Gottesbeweis
Einen Gottesbeweis, zwingend wie in der Mathematik, gibt es in der realen Welt nicht.
Die erste bekannte Version des ontologischen (man könnte ihn zu den mathematischen Beweisen zählen) Gottesbeweises wurde von Anselm von Canterbury (1033-1109) im Proslogion formuliert. Bereits Thomas von Aquin kritisierte Anselm von Canterburys Version so überzeugend, dass der ontologische Gottesbeweis erst wieder an Bedeutung gewann, nachdem der Philosoph Descartes ihn aufgegriffen und in eine neue Fassung gebracht hatte, welche der zeitgenössischen Kritik standzuhalten schien.
Er lautet ungefähr so:
1.) Das, als was [über dem] nichts Größeres gedacht werden kann, existiert nicht in Wirklichkeit, sondern nur im Verstand.
2.) Wenn das, als was nichts Größeres gedacht werden kann, nicht in Wirklichkeit, sondern nur im Verstand existiert, dann kann etwas gedacht werden, was größer ist als das, als was nichts Größeres gedacht werden kann
3.) Wenn etwas gedacht werden kann, was größer ist als das, als was nichts Größeres
gedacht werden kann, dann ist das, als was nichts Größeres gedacht werden kann,
etwas, als was Größeres gedacht werden kann
4.) Das, als was nichts Größeres gedacht werden kann, ist etwas, als was Größeres
gedacht werden kann
5.) Daher: das, als was nichts Größeres gedacht werden kann, existiert in Wirklichkeit und
nicht nur im Verstand.
Der Beweis ist vom Typ her ein sog. indirekter Beweis oder Widerspruchsbeweis, der das Gegenteil des zu Beweisenden annimmt:
Prämisse 1. Diese Annahme wird dann auf einen Widerspruch geführt: Prämisse 4. Daher kann das zu Beweisende als Konklusion – 5 – erschlossen werden.
Mögliche Einwände gegen den ontologischen Gottesbeweis sind folgende: Gegen die logische Korrektheit wurde eingewandt, dass der Beweis einen Zirkelfehler enthält, d.h. dass er das zu Beweisende implizit voraussetzt. Sind die Prämissen wirklich plausibler als die Konklusion? Zumindest die Prämissen 2 und 3 sind wenigstens genausowenig plausibel wie die Konklusion.
Zwei wichtige Kritikpunkte stammen von Gaunilo und Immanuel Kant:
Nach Gaunilos Einwand erlaubt uns die Struktur dieses Beweises, alle Arten von Dingen in die Existenz zu definieren, z.B. eine Insel, als die keine lustvoller gedacht werden kann. Nach Kants Einwand ist Existenz ist kein Prädikat (keine Eigenschaft), denn Existenz fügt der Definition eines Begriffes keine weitere Eigenschaft hinzu, sondern ist Vorbedingung dafür, um überhaupt Eigenschaften zu haben, genauso wie der Begriff von 100 Talern nichts mit der Existenz oder Nichtexistenz der Taler zu tun hat.
Frei nach Wikipedia
Das ist aber für den Christen nicht weiter schlimm, da es grundsätzlich keinen mathematischen Beweis in der realen Welt gibt - auch nicht in den Naturwissenschaften. Und da Gott als etwas Reales erwiesen werden soll, können wir nicht mehr erwarten. Überdies sähe ich in einem zwingenden Gottesbeweis die Entscheidungsfreiheit des einzelnen Menschen für oder gegen Gott in Bedrohung.