aph am 17.01.2006 14:06 schrieb:
Meinereiner am 17.01.2006 13:01 schrieb:
Die Fragen stellen sich dann, wenn du analysiertest, wie du die von dir genannten Fragen beantworten würdest. Ich unterstelle dir mal, du würdest Hormone etc. aufzählen, erklären, wie die sich so untereinander verhalten usw. und abschließend würdest du behaupten: „Und darum empfindet jemand Schönheit.“ Aber wo ist da das Warum? Das ist wiederum wie mit dem Kind und seinem Elektrobaukasten, das sagen würde: „Baue dieses Teil dahin und jenes Teil dorthin und DARUM leuchtet die Lampe.“ Ist das eine Erklärung? Nein, natürlich nicht. Dass es eine Erklärung wäre, wird nur durch die Verwendung des Wortes „darum“ suggeriert, aber eine Erklärung ist viel mehr, als nur ein Satz, der mit „darum“ oder „deshalb“ beginnt.
Eigentlich nicht. Der Vergleich hinkt insofern, dass ich dem Kind nicht sagen würde: "Die Lampe leuchtet, weil du den Knopf drückst." Ich könnte ihm genau erklären, wie das mit dem Strom funktioniert, und wie der einen Wolfram-Faden zum Leuchten bringt. Ok, vielleicht müsste ich ein Buch bemühen, aber ich könnte es ihm lückenlos erklären. Also unterstell mir nicht, ich würde hier irgendwas nur kindsgemäß erklären.
Das Warum zum Schönheitsempfinden beinhaltet natürlich auch Evolutionstheorie und Selektion. Da bleibt kein "Warum?" offen, auch wenn ein Kind diese Frage ja immer stellt, egal wieviel man ihm erklärt hat. Aber das ist nun wieder ein psyschologisches Problem.
Also nochmal: Dass eine Lampe leuchtet, lässt sich in einem gewissen Grade erklären. Die Erklärung rekurriert dabei auf eine Menge von Wenn-dann-Aussagen: „Wenn du den Schalter drückst, dann wird ein Kontakt geschlossen. Wenn dieser Kontakt geschlossen wird, kann Strom fließen. Wenn du Strom zuführst und Strom fließt, dann....blahblahblubb....wenn Draht in der Glühbürne...blubbblubbblah,
dann leuchtet die Lampe.“
Wir können diese Erklärung so zusammenfassen: Wenn dieses und jenes gegeben ist, dann leuchtet die Lampe. Dieser Satz hat eine ganz bestimmte logische Form, die deutlich alle Elemente zeigt, die in ihm vorkommen. Zuvörderst aber kurz einige Erklärungen:
Sätze werden in der Aussagenlogik durch Buchstaben abgekürzt, für uns „p“ und „q“.
Das Zeichen, das zeigt, dass wir es mit einer Wenn-dann-Aussage zu tun haben, ist ein Pfeil, der vom „wenn“ in Richtung „dann“ zeigt.
Dementsprechend können wir den Satz „Wenn dieses und jenes gegeben ist, dann leuchtet die Lampe“ so formalisieren:
(p -> q)
p = Dieses und jenes ist gegeben.
q = Die Lampe leuchtet.
Wir haben es also mit
drei Elementen („p“, „->“, „q“) zu tun, die für eine
vollständige Erklärung alle erklärt werden müssen. „p“ und „q“ haben wir bereits erklärt, aber nicht „->“ (Konditional heißt das Ding). Was du nun tust, ist, von p einfach auf q zu schließen, ohne das Konditional zu erklären. Du behauptest einfach, q folge aus p, ohne diese Folge zu erklären, worin sie besteht. Jedes mal allerdings, wenn du versuchst, dieses Konditional zu erklären, könntest du gewiss immer kleinlicher und detaillierter aufzählen, was für Vorgänge daran beteiligt sind, dass die Lampe leuchtet. Damit erklärst du aber
nicht das Konditional, sondern du erweiterst lediglich p um bestimmte Dinge. Selbst wenn du jedes einzelne Atom in seiner Wirkung beschreiben würdest, erklärtest du nicht das Konditional, denn deine Aussage wäre noch immer: „Wenn die und die Atome gegeben sind und so und so wirken (=p), dann leuchtet die Lampe (=q).“
Die Frage nach dem Warum ist die Frage nach der Erklärung des Konditionals, die Frage danach, WORIN die Beziehung
genau zwischen p und q besteht. Es genügt nicht, zu sagen,
dass dort eine Beziehung besteht, wenn wir sie erklären wollen. Die Frage ist ja nicht,
ob dort eine Beziehung ist, sondern
was diese Beziehung ist. Doch
was diese Beziehung ist,
worin sie besteht,
warum (nicht
dass!) dort eine Beziehung ist, dass ist die ungeklärte Frage.