Tatsächlich ist struktureller Rassismus extrem schwer nachzuweisen, schon schlichtweg deshalb, weil es sehr schwer ist, in diesem Zusammenhang zu definieren, was genau eine Struktur begründet.
Was eine Struktur begründet, ist eigentlich sehr einfach. Dazu hatte ich in einem vorherigen Post schon was geschrieben. Oder hab ich den Part jetzt falsch verstanden?
Strukturen gibt es überall. Die sind (meistens) durch Hierarchien geprägt. Auch innerhalb der Familie, in Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen. Diese Hierarchien begünstigen Diskriminierung. Und Diskriminierung muss nicht bewusst oder aus Boshaftigkeit erfolgen.
Wie viel Prozent aller Polizisten müssten zum Beispiel fremdenfeindliches Gedankengut als vollkommen akzeptabel ansehen, damit man der gesamten Polizei unterstellen kann, dass diese ein strukturelles Problem hat?
Es geht nicht darum, ob es eine Mehrheit oder eine Minderheit ist, sondern dass es Rassismus innerhalb dieser Struktur gibt und diese Strukturen Rassismus begünstigen.
Die Frage sollte aus meiner Sicht auch gar nicht sein, ob es strukturell ist oder nicht. Sondern, wie man damit umgeht und was man tun kann (sowohl präventiv als auch unmittelbar).
Man darf aber auch folgendes nicht vergessen - geltendes Gesetz beschreibt keine perfektes Recht. Oder zumindest nur in den wenigsten Fällen. Und zu glauben, man könne über Gesetze einen perfekten Gesellschaftszustand herstellen, ist ebenfalls linke Phantasie. Daher muss in vielen Fällen ja auch eben die Einzelprüfung herangezogen werden.
Unsere Gesetze sind - so möchte ich meinen - sowieso eigentlich sehr gut aufgestellt. Vor allem unser Grundgesetz schließt da niemanden aus. An was es mangelt, ist die Umsetzung dieser Gesetze.
Oder, um es platter, aber deutlich verständlicher auszudrücken - wenn du Polizist in Berlin bist und du Drogendealer im Görlitzer Park aus dem Verkehr ziehen sollst, dann macht es wenig Sinn, dort eine weiße Oma zu kontrollieren. Du wirst nach jungen Schwarzafrikanern Ausschau halten. Das mögen linke Politiker und Aktivisten und natürlich auch zu unrecht kontrollierte Betroffene als unfair und ungerecht empfinden. Und tatsächlich mag das auch ungerecht sein. Tatsache ist aber auch, dass es sinnvoll ist. Denn von weniger Drogendealern profitieren alle Menschen gleichermaßen - egal welcher Ethnie...
Genau das ist dann doch aber der Punkt: Man hält nach Schwarzafrikanern Ausschau, weil...? In solche Fälle sind nachweislich ja nicht nur Schwarzafrikaner involviert. Somit setzt man eine Ethnie unter Generalverdacht und das ist, wenig überraschend, Rassismus.
Das gleiche Prinzip ist auch beispielsweise bei Männern anzuwenden, die in einer Kita arbeiten und die man aufgrund ihres Geschlechts unter Generalverdacht stellt, potentielle Triebtäter zu sein. Das ist Sexismus in Reinform.
Bei deinem Beispiel fehlen noch einige andere Faktoren, die es zu berücksichtigen gäbe. Für eine Kontrolle muss ja auch ein begründeter Verdacht bestehen und da reicht die Ethnie/die Hautfarbe allein nicht. "Wir suchen einen Schwarzafrikaner, der unter Verdacht steht, Drogen zu verticken" ist was anderes als "Wir schauen nach Schwarzafrikanern im Görlitzer Park, weil dort Drogen vertickt werden."
Wie
@xaan schon schrieb, Migranten sind häufiger von Armut betroffen, was Verbrechen natürlich begünstig.
Dazu kommt: Integration ist außerdem nicht nur Aufgabe der Migranten, sondern auch Aufgabe des Staates und hier wurde gewaltig versagt. Marodes Bildungssystem, Anlaufstellen für Migranten etc. Das ist eine absolute Katastrophe. Daran hapert es seit Jahrzehnten. Es fehlt einfach an Möglichkeiten und vor allem bestimmten Gruppen wird es zusätzlich noch durch strukturellen Rassismus erschwert. Dadurch entstehen ja auch erst Parallelgesellschaften und das Problem, dass viele Migranten zwar schon Jahrelang hier leben, aber unsere Amtssprache nicht gut genug sprechen.
Und selbst gut integrierte Migranten, aus welchem Land auch immer, haben es nach wie vor schwer.