Eines vorneweg:
Ich bin der Haupttester des Spiels und auch Autor des Artikels. Das Spiel begleite ich redaktionell und als Fan, seit es 2008 angekündigt wurde. Ich habe an mehreren Beta-Test-Phasen in diesem Jahr teilgenommen und war auch mehrfach auf Bioware- bzw. EA-Events, wo ich The Old Republic mal mehr, mal weniger spielen durfte. Während der Beta konnte ich eine recht zusammenhängede Spielerfahrung bis etwa Level 30 erleben, als der Test gestern online ging, war ich im auf dem regulären Server Level 33. Dazu habe ich vor dem Launch Fokus-Tests mit Level 32 und 50 mitgemacht. Während der Beta hatte ich Gelegenheit, alle acht Klassen anzuspielen. Manche nur bis Level 10, einige aber - wie gesagt - deutlich darüber hinaus. Den Jedi-Botschafter sogar mit Level 50. Das nur zu meinem Wissensstand, da ja einige Poster hier geschrieben haben, wir hätten das Spiel nur bis Level 20 gesehen. Das ist falsch.
Zu einzelnen Kritikpunkten hier im Forum:
Crafting-System
Das Handwerk ist in SWTOR weder innovativ, noch besonders umfangreich. Einzig die Tatsache, dass man die Begleiter einen großen Teil der Drecksarbeit erledigen lassen kann, sticht hervor. Und wer schon mal das Crafting-System des ersten Star-Wars-MMOs Galaxies kennegelernt hat, der kann über das Handwerk in SWTOR nur müde lächeln. Dazu gibt es auch noch andere MMORPGs wie zum Beispiel Everquest 2, die ein deutlich komplexeres, anspruchsvolleres und spannenderes Crafting bietet. Und gerade mit Galaxies muss sich The Old Republic messen, da beides Star-Wars-MMORPGs sind. Und bevor jemand besonders klug sein will: Dafür schneidet Galaxies in vielen Bereichen deutlich schlechter ab als The Old Republic, was zum Beispiel die Inszenierung und die Quests angeht.
Testnote: ja oder nein?
Die einen wollen sie, die anderen nicht. Hätten wir nur eine vage Meinung geschrieben, würden sich genau so viele hier beschweren, dass PC Games nicht Stellung beziehen will. Außerdem gibt es noch andere Publikationen, die bereits eine Wertung vergeben haben. Da wir die Testbedingungen exakt umrissen haben (ersten Tage nach Release plus umfangreiche Beta-Erfahrungen), sollte auch jeder Leser einordnen können, wie diese Wertung zu verstehen ist: als erster Benchmark. Und natürlich, MMORPGs entwickeln sich. Wir können aber keine Luftschlösser mit einbeziehen. Wenn die Entwickler versprechen, dass sie irgendwann in der Zukunft dieses oder jenes Feature einbauen, können wir das heute noch nicht berücksichtigen. Wer weiß denn schon, ob es auch wirklich so kommt?
KotOR "light"
Diese Aussage war eindeutig auf die Story bezogen und die ist für jede Klasse nun mal eine etwas weniger spektakuläre als in einem Singleplayer-Rollenspiel. Wir haben das im Text auch ausreichend begründet. Es kann halt nicht 10.000 Weltenretter pro Server geben, das ist dem Genre geschuldet. Das verstehen wir, wir müssen den Leser jedoch darauf hinweisen, dass die persönliche Story nicht ganz so episch ist wie etwa der Werdegang Revans im ersten Knights of the Old Republic.
Subjektivität in Tests
Ja, jeder Spieletest ist zum Großteil subjektiv. Es gibt nur sehr wenige Dinge, die man objektiv messen kann, wie etwa die Spieldauer oder etwa die Auflösung der Texturen und die Anzahl der Polygone. Aber auch hier kommt bereits wieder Subjektivität hinzu: Der eine mag kurze, knackige Games, der andere episch lange. Der eine mag einen nüchternen, spartanischen Grafikstil, dem anderen kann es nicht verspielt genug sein. Daher muss sich am Ende jeder sein eigenes Bild machen, wir geben nur unsere Meinung ab, die natürlich nicht jeder teilen muss. Wir halten es aber auch nicht für groben Unfug, wenn jemand SWTOR persönich lieber 105 Punkte geben würde, weil ihm oder ihr einzelne Features so gut gefallen, dass man über Schwächen gern hinweg schaut. Uns dagegen haben ein paar Kleinigkeiten gestört, weshalb wir (noch) keine 90er-Wertung gegeben haben. Aber wie gesagt, MMORPGs sind ständig in Bewegung, wer weiß, wie es in wenigen Wochen oder Monaten ausschaut.
Grüße,
Oliver Haake