AW:
Hier mal meine Geschichte zum unerlaubten Kopieren:
Ich hab so in den frühen 90ern richtig angefangen zu spielen, vorrangig auf Konsolen. Damals war alles neu, quasi jedes Spiel konnte mich begeistern (4D Sports Driving/Stunts und Doom, Super Mario und Zelda sind mir immer noch in guter Errinnerung), ich freute mir nen Ast über grobpixelige Grafiken und schrecklichen Midi-Sound.
Später, als man dann den ersten eigenen Rechner hatte, griff ich als Halbwüchsiger immer mal wieder zu den damals so verbreiteten Spielesammlungen, wo man 10 bis 12 Spiele für den Preis eines Vollpreisspieles abstauben konnte. Da meine Eltern Computerspielen ect. sehr kritisch gegenüberstanden, und ich mir deshalb Konsolen/Rechner ect. selbst kaufen musste, blieb auch nicht viel Geld für Software übrig. Als das Internet in immer mehr Haushalten einzog, war ich hin und wech darüber, dass einem mehr oder weniger das gesamte Angebot der Spieleindustrie im Internet kostenlos zur Verfügung stand. Zu dieser Zeit habe ich mir dann auch ordentlich Spiele gezogen.
Dann begann sich so langsam das Empfinden zu entwickeln, dass ein gekauftes Spiel mit Packung und so doch einen Mehrwert hat, und es auch den Entwicklern ein Mittagessen beschert. Allerdings wurden sie trotzdem vor dem Kauf oft noch heruntergeladen, bei Gefallen aber auch nicht selten zum Vollpreis gekauft. Das Runterladen von Spielen wich immer mehr dem Kauf der Originalversionen, bis ich es eigentlich fast komplett aufgab.
Allerdings stellte ich zu meinem Bedauern auch fest, dass das Angebot von Titel, die mir das bezahlte Geld wert waren, sich immer weiter ausdünnte. Man hatte irgendwie schon alles in diversen Variationen gesehen, es gab kaum noch Spiele, die mich wirklich zu begeistern wussten, viele Käufe waren einfach ein Griff ins Klo. Das in Kombination mit den anscheinend salonfähig gewordenen "Beta-Releases" von Spielen schmälerte dann immer mehr meine Bereitschaft, Geld für Spiele zu bezahlen, sie waren es m.Mn nicht mal mehr wert, runtergeladen zu werden, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso wie die Originale vergammeln würden.
Seit mehreren Jahren habe ich das Runterladen von Spielen komplett aufgegeben, allerdings kaufe ich mir auch kaum mehr welche, da ich zu oft entäuscht wurde. Als die größten käuflich erworbenen Entäuschungen fallen mir spontan Söldner: Secret Wars, Assassins Creed und Crysis (das ich mir Gott sei Dank nur geliehen hatte) ein. Daneben gibts noch viele gekaufte Spiele, die ich zwar nicht wirklich als schlecht empfand, sie aber trotzdem wegen fehlender Motivation nicht durchgespielt habe. Das aktuelleste Spiel aus meiner Sammlung ist Dawn of War II (Februar

), das zur Abwechslung mal sein Geld wert war, und das auch auch immer noch begeistert spiele. Daneben löhne ich noch den monatlichen Obulus für Eve Online.
Die Essenz von meinem ganzen Bla Bla hier: früher war bei mir der Grund eine Kombination aus Sammlertrieb und Geldmangel, wobei ersteres überwog, da viele Spiele nicht selten bis gar nicht gespielt wurden. Später kam dann die Einsicht, dass der Spieleentwickler an seiner Arbeit auch was verdienen sollte, und so kaufte ich auch die Spiele, die mir gefielen. Vor einigen Jahren stellte ich das Runterladen komplett ein, allerdings ging auch der Spiele-Kauf auf ein Minimum, ca 2 bis 4 Spiele pro Jahr, zurück. Einerseits dürfte das an meinen gestiegenen Ansprüchen liegen, andererseits ist die Spieleindustrie durch durch den massenhaften Release von aufgewärmten/verbuggten Spielen daran nicht ganz unschuldig. Auch ist es so, dass man mit einem Spiel wie mit keinem anderen Medium eine 50€ teure Katze im Sack kauft. Da helfen auch Demos nicht wirklich, denn über die Qualität des späteren Spielverlaufs, sowie über den trauigerweise zur Pflicht gewordenen Patch-Support sagen diese nicht wirklich was aus. Zudem sind sie oft auf eine lächerliche Art und Weise beschnitten, die eher noch vom Kauf abhält, anstatt zu motivieren: man erinnere sich an die BF2-Demo, wo man nicht mal eine Karte beenden durfte (gekauft habe ich es dann trotzdem

).
Insgesamt denke ich auch, dass das Raubkopieren eher jüngere Personen betrifft, die einerseits nur wenig Geld für Spiele zur Verfügung haben, andererseits aber auch einen möglichst großen Teil der erscheinenden Spiele haben möchten. Wenn die Einsicht fehlt, dass man nicht alles haben kann und muss, und dann noch ein Medium wie das Internet zur Verfügung steht, wo man mehr oder weniger alles herbekommen kann, ist es kein Wunder, dass ein Spiel nach dem anderen runtergeladen wird. Umgekehrt sind mir kaum Personen bekannt, deren Teenie-Zeit schon einige Jahre vorbei ist, die, sollten sie ein Spiel haben wollen, es aus dem Internet laden würden (es sei denn, sie halten das für den normalen Vertriebsweg von Software

). Ich vermute, das ist einfach eine Mentalität, die man mit einem gewissen Alter ablegt, ich zumindest bin mittlerweile ein Gegner von kopierten Spielen, da man sich langfristig damit m.Mn eher schadet. Spiele die kaum gekauft aber massenhaft kopiert werden, werden beim Publisher kaum die Erkenntnis wecken, dass ihre Spiele zu verbuggt/zu verbraucht sind, um gekauft zu werden, nein, sie werden sich eher in ihrer bisherigen Meinung bestätigt fühlen, dass ihre Spiele von der potentiellen Kundschaft durchaus angenommen werden würden, gäbe es nicht den kostenlosen Verbreitungsweg über das Internet. Das wird sie dann immer weiter motivieren, die Spiele mit einem Account zu verdongeln, sonstige mehr oder weniger funktionierende Kopierschutzmaßnahmen einzusetzen, oder gar nur mehr auf Konsolen zu setzen, da dort das Problem nicht so verbreitet ist.