Das Problem ist, dass da in den Redaktionen teilweise noch immer Chefs sitzen, die komplett auf Quote aus sind, keine Ahnung haben UND etwas "reißerisches" wollen, zudem auch wirklich komplett das Sagen haben. Da sind einige, die wollen eine Art Bild-Zeitung als TV-Version - und die unterstellten Redakteure sind oft genug unterbezahlte arme Schweine, die es dann gar nicht wagen, etwas journalistisch handfest und gut recherchiert zu präsentieren, was der "Meinung" des Chefs widerspricht. Man wird auf Fortnite aufmerksam, der Chef dann so "Was isn das?" - ein Praktikant "eine Art Shooter, wo der letzte Überlebende gewinnt" - der Chef "Oh - Robert [ein Redakteur, der wie ein Praktikant bezahlt wird], such doch mal alles dazu raus, was zu Killerspielen und so passt, und frag mal einen Psychologen oder so, warum so was schlimm sein kann" - für die gante Recherche hat er dann vlt auch nur ein paar Stunden Zeit, und schon hat man den Salat, weil der Redakteur auf keinen Fall mit einer Story zurückkommen darf "es handelt sich um einen lustigen comicartigen Shooter, bei dem auch Kinderfachleute keine Sorge haben, dass jemand ab 12 Jahren davon einen Knacks bekommt", bzw. durch den Zeitdruck wäre er vielleicht so oder so nicht in der Lage, die "Wahrheit" rauszufinden", außer er kennt das Spiel selber ganz genau.
Das würde bei einem ÖR-Sender inzwischen nicht mehr passieren, die haben das schon längst gelernt UND genug junges Redaktions-Personal, das NICHT bedingungslos vor dem Chef kuscht, das sich auch mit solchen Themen auskennt bzw. nicht mit Vorurteilen rangeht und weiß, wie man rausfindet, was wirklich dahintersteckt. Zudem müssen die auch nicht komplett auf Quote hin produzieren, haben bis auf GANZ aktuelle News auch keinen Zeitdruck, und sie müssen nicht etwas auf Teufel komm raus zur Sensation oder zum Skandal machen. Natürlich würde je nach dem, um welche Redaktion es sich genau handelt, das Thema trotzdem eher negativ bewertet werden - manche Redaktionen sind halt "so drauf", dass sie jede Gewalt per Se schon mal doof finden. Aber einseitig und schlecht recherchiert, das wird denen IMHO nicht mehr passieren. Grad auf dem ZDF habe ich schon oft in den Nachrichten völlig neutrale Berichte sogar über Shooter gesehen, die man um 2005 herum, als es die ganze "Killerspiel"-Diskussion gab, so unaufgeregt niemals für möglich gehalten hätte. zB Spiele als Kunst, Call of Duty als Action-Unterhaltungsmarke mit Umsatzzahlen, von denen Hollywood nur träumen kann, ganz ohne "Killerspiel"-Zeigefinger usw.
Das ZDF hat "sogar" in einer Doku (
siehe hier) über "Killerspiele" u,a die eigenen Fehler mit aufgearbeitet, da kommen auch ehemalige Gamer und Gaming-Redakteure zu Wort und schildern, wie die Medien versagten und - was das eigentlich schlimme ist - sich bei jungen Leuten den Ruf versauten. Es führt vlt ein bisschen zu weit, aber wenn heute die Leute unter 40 was von "Lügenpresse" labern, dann kann es AUCH mit den damaligen Vorgängen zu tun haben. Denn - das wird in der Doku auch geschildert: wenn normale Zuschauer bei einem Bericht hören, was ein Professor über Atomphysik sagt, dann gibt es kaum jemanden, der merken würde, wenn er was falsches erzählt. Als aber damals 2005-2008 ausschließlich Gegner und selbsternannte Experten, die bei Gaming an sich Laien waren, zu Wort kamen, dann haben 100% aller Leute, die ab und an auch spielen, gemerkt: "Äh, das ist völliger Quatsch - die lügen uns an!", und das haben die natürlich auch den Freunden und Bekannten erzählt, die nicht spielen, so dass damals eben bereits die Mehrheit aller Leute unter 30 das Gefühl hatte: entweder die Medien wollen bewusst etwas so darstellen, dass die Unwahrheit propagiert wird, oder aber sie arbeiten unglaublich unprofessionell, so dass man denen daher nicht vertrauen kann.
Das eigentliche Problem war aber nur, dass die Killerspiel-Sache zu einem Zeitpunkt aufkam, als "Gamer" noch zu jung waren, um in seriösen News-Medien Fuß gefasst zu haben. Die Redakteure damals haben ihre Berichte sicher im besten Wissen erstellt, aber eben mit deren Lebenserfahrungen, in denen "Gaming" nicht vorkam. Und anerkannte Experten in wissenschaftlichen Stellen für Gaming gab es damals eben auch noch nicht - man muss sich das mal klarmachen: damals gab ja noch nicht mal das iPhone, so rückständig waren wie damals

Wenn man es mal auf - vielleicht was weit hergeholt, aber durchaus denkbar - den Punkt bringt: dank eines Irren aus Erfurt entstand damals möglicherweise etwas, was heute bei einigen das Vertrauen in die Medien zerstört hat. Wäre so was vlt 5 Jahre später erst passiert, hätte es anders ausgesehen, weil dann schon mehr Ex-Gamer auch im TV oder bei Zeitungen gearbeitet hätten, oder auch an Unis&co.