AW:
Kern der Diskussion und gleichzeitig Inhalt meiner gewagten These: Boll = Bay nur ohne Geld und Hollywoodverbindungen. Über die handwerkliche Ausführung (Schnitt, Kamerawinkel, Inszenierung) kann man sicherlich streiten, nur frage ich mich, ob Bay da tatsächlich um Welten besser oder begabter ist. Wenn ich mich an die Bay-Filme entsinne, dann fallen mir auf Anhieb NUR die Effektszenen ein. Die Autojagd aus Bad Boys 2. Die Bombardements aus Pearl Harbor. Die Kometeneinschläge aus Armageddon. Die CGI-Kämpfe aus Transformers. Die Szenen auf der Autobahn aus "Die Insel". Solche Szenen ordentlich zu choreographieren ist kein Meisterwerk, wenn man doch bedenkt, dass große Teams solche Szenen planen, aufbauen und realisieren. Dies kostet Geld. Ich glaube z.B. nicht, dass Boll mal eben 50 CGI- bzw. Effektberater bei Postal oder Alone in the Dark hatte, die ihn beraten haben, wie man welche Szene am besten hätte aufbauen und realisieren sollen. Dann hat bei den Hollywoodproduktionen auch noch das zahlende Studio großen Einfluss auf Stil und Realisierung - gerade wenn es um Budgets um 100+ Millionen Dollar geht. Ein beratender Produktionsstab von 100+ Personen wird freilich mehr künstlerisch umsetzen können, als Boll mit seinen 20 Mitarbeitern und billigen Produktionskräften.
Olsen84 am 09.04.2008 12:51 schrieb:
Hier sollte wirklich der eigene Anspruch an einen Film überprüft werden. Denn wenn ich unterhalten werden möchte, kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen - ebenso wie Bad Boys 2. Armageddon und Pearl Harbor waren mir persönlich auch "zu viel des Guten". Es steckt einfach viel zu viel Hollywood drin.
Anspruch und Unterhaltung sind immer zwei Aspekte, die man auf sehr unterschiedliche Art interpretieren kann. Ich fand z.B. Casino Royale sehr unterhaltsam, obwohl der Film inhaltlich auch kein Meisterstück war. Mir hat Die Hard 3 (1995) sehr gut gefallen, obwohl die Geschichte auch eher bodenständig - wenn auch recht kreativ und mit intelligenten Grundzügen inszeniert - war. Bay übertreibt es jedoch immer. Er macht aus Unterhaltung ein unfreiwillig lächerliches und patriotisch angehauchtes Massenevent für eine Zielgruppe von +5. Er verkauft inhaltlich absolut falsche und flache Filme wie Pearl Harbor als "genau", und rechtfertigt mit dieser Lüge den Launch des Films zum Jahrestag des Angriffs. Bei Armageddon war es nicht viel anders. Die menschliche Seite ging im Film fast völlig unter, was darin resultierte, dass quasi alle Figuren nebensächlich waren (auf dem Kometen sind nach und nach Figuren verreckt - ich konnte mich nicht einmal an die Namen oder Gesichter erinnern). Den zeitnah veröffentlichten Film "Deep Impact" kritisierte man damals jedoch dafür, weil die Figuren im Vergleich zu Armageddon zu sehr im Vordergrund standen, und die Effekte nicht mithalten konnten.
Bay macht aufdringliche und extrem seichte Filme, die in meinen Augen wirklich nur geeignet sind, um die einmal anzugucken. Das kann natürlich jeder anders sehen, weil jeder einen anderen Filmgeschmack hat, aber unter banaler (nicht völliger konfuser) Popcornunterhaltung verstehe ich etwas anderes. Bay ist imho 2 Schritte unter dieser Schwelle, die man "Popcornkinolinie" nennen könnte.
Regards, eX!