Boesor am 13.07.2007 20:42 schrieb:
Ra-Tiel am 13.07.2007 20:36 schrieb:
Wie war der Vorschlag von Beckstein gleich nochmal? http://www.shortnews.de/start.cfm?id=646933
"Becksteins Plänen zufolge sollen zukünftig auch die Herstellung, der Vertrieb und der Kauf von Killerspielen in dem Paragraphen erfasst werden, deren Zweck es ist, "grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit" auszuüben."
Na das klingt doch ganz nach Super mario, Anno 1701 und Siedler
Wenn es denn so wäre...
Schauen wir uns den Forderungenkatalog doch mal in einigen Auszügen an:
Ergänzung des §131 als §131a im Strafrecht:
"... bestraft wird, wer Spielprogramme, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen, ..."
Änderung des Jugendschutzgesetzes (JuSchuG) §15 Absatz 2 (Verbot von Trägermedien):
"(wird in allen Punkten neu gefasst, wesentlich sind diese Erweiterungen)
...
5. grausame und sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewaltätigkeiten ausdrückt (...); dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen,
6. Spielprogramme enthalten, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen,
..."
Ergänzung von Paragraph 18 JuSchG (Definition jugendgefährdender Medien) Absatz 1:
"Eine Verrohung liegt bei Spielprogrammen auch dann vor, wenn die Begehung von Verbrechen keine nachteiligen Wirkungen auf den Erfolg des Spieles hat."
Also Super Mario wahrscheinlich noch nicht, aber "Die Siedler" oder "Anno" könnten sehr wohl von diesen Paragraphen erfasst werden, insbesondere wenn man den gesonderten Umstand der "Kriegsverherllichung" mit einbezieht...
Höchstwahrscheinlich sind derartige Spiele zwar gar nicht gemeint, das Problem ist jedoch - sie könnten gemeint sein, und in Zukunft könnten Politiker sie aus einer Laune heraus ebenfalls erfassen (beispielsweise wenn sich die verschärfte Verbotspraxis beim nächsten Amoklauf als abermals untauglich erwiesen hat) und müssten dafür dann nicht einmal mehr das Gesetz ändern. Zudem wären selbst Spiele die jetzt als eher "harmlos" eingestuft sind, wie "Gothic", "The Elder Scrolls" oder "Final Fantasy", nach dieser Gesetzesverschärfung verboten. Und verboten heißt wirklich verboten, nicht einfach nur dem Zugriff von Jugendlichen entzogen, sondern für niemanden mehr legal erhältlich. Und da das Gesetz auch das "Verbreiten und Zugänglichmachen" umfasst, dürften bei restriktiver Auslegung sogar bislang legale Spiele nicht einmal mehr über Ebay oder sonstwie gehandelt werden.
Was mich also an dre Gesetzesinitiative stört, sind genau diese beiden Aspekte - die absolut schwammige, und so willkürlicher Interpretation überlassene, Definition und das damit einhergehende Totalverbot einmal als "zu gewalttätig" eingstufter Spiele. Das geht meiner Ansicht nach zu weit, insbesondere dann, wenn diese Verbotsmaßnahmen durch den Versuch einer Internetzensur begleitet werden...
Und genau dieselben Aspekte machen den jetztigen Versuch Bayerns, sich bei der Computerspielindustrie einzuschmeicheln, so lächerlich. Denn selbst Sportspiele, besonders Kampfsportspiele, wie "DoA", "MC" oder Boxen und Wrestling, sowie eben auch Aufbau-Strategiespiele a la "Die Siedler", zwingen den Spieler Gewalt gegen menschenähnliche Wesen einzusetzen, um Spielziele zu erreichen. Wieso bitteschön sollten sich Entwickler, denen aufgrund derart schwammiger Definitionen, ständig Haft- und Geldstrafen drohen, sich denn bitteschön in Bayern (oder überhaupt in Deutschland) niederlassen?!
Alles wird verboten
Vassenego