Sehr geehrtes Frontal21 - Team.
Ich habe in der Sendung vom 9.11.2004 den Bericht "Video-Gemetzel im Kinderzimmer" gesehen und mich damit kritisch auseinander gesetzt. Durch mein Hobby verfüge ich über enorme Kenntnisse über dieses Thema und möchte ein paar Sachen richtig stellen und erklären.
Ich zitiere wörtlich:
""Doom 3" ist eines der brutalsten Computerspiele. Es gibt nur ein Ziel: Töte Deine Gegner!"
Jeder, der diesen Satz hört, und das Spiel nicht gespielt hat entnimmt diesem Satz, dass das Spiel nur gespielt wird, weil man auf auf andere schießt. Auf der einen Seite haben sie damit recht, auf der anderen aber wieder nicht. Wieso lassen sie dabei außer acht, dass Doom 3 vorrangig gespielt wird, weil es gruselig ist, weil jeden Moment ein Ungeheuer aus der Dunkelheit springen könnte, der Spieler aber nicht weiß, wann? Wenn man durch einen langen Gang geht, und nacheinander die Lichter ausgehen, man ein "grunzen" hört, aber nichts sieht, erzeugt das Spiel Angst, genau das, was der Benutzer haben möchte. Er möchte das Spiel abends oder nachts spielen, um sich zu gruseln und Spannung zu erleben.
Ihre Aussage beinhaltet dergestalt etwas wahres, dass das Spiel nicht gespielt werden würde, wenn man die Monster nicht auch erschiessen könnte.
"Es gibt nur ein Ziel: Töte Deine Gegner!"
Bitte sagen sie mir: Besteht das Ziel in einem Spiel wie "Rome - Total War" (Strategiespiel) etwa nicht auch darin, seine Gegner zu töten? Zwar mit dem Unterschied von "Befehlen und selbst handeln", aber das Spielziel ist in beiden Spielen gleich.
Man kann also auch sagen: ""Rome - Total War" - Es gibt nur ein Ziel: Töte Deine Gegner!"
Warum tun sie das nicht? Ach ja richtig ... bei Strategiespielen muss man ja denken ... jaja ... als ob ich beim Spielen von Doom 3 meine grauen Zellen abschalten könnte ...
"Das Gemetzel ist beliebt bei Jugendlichen: Stundenlanges "Splattern", wie das Verstümmeln von Opfern in der Computerszene genannt wird, ist die einzige Handlung."
Zawr definieren sie den Begriff "Splattern" einigermaßen korrekt (gemeint ist eigentlich das gezielte Entfernen von Körperteilen) jedoch kenne ich kein Spiel, das nicht indiziert ist, und in dem das möglich ist. Auch in Doom 3 ist es nicht möglich, Körperteile abzutrennnen. In der Englischen Version von GTA 3 ist es möglich, aber das Spiel ist hierzulande indiziert.
"Schieß ihm in die Birne", sagt einer. Ein anderer meint: "Das Spiel ist realistischer beim Lebensverlust. Wenn man zum Beispiel mit einem Schraubenschlüssel geschlagen wird, sieht man richtig wie das Blut spritzt." Wieder ein anderer sagt: "Es ist brutaler als bei den anderen Spielen."
Diese Jugendlich sind meines Erachtens nicht representativ für die Computer-Szene. Hauptschüler und Schüler aus einem bestimmten Milieu reden vielleicht in der Weise, nicht aber Schüler von z.B. Gymnasien oder Schüler einer "höheren Sozialschicht".
"Sie soll sich bewährt haben? Ein Hohn bei Spielen wie "Hitman Contracts": Sinnloses Morden im Sanatorium ist hier Spielinhalt."
Diese Aussage dürfte von der Mehrheit ihrer Zuschauer falsch verstanden werden. ES IST NICHT DAS SPIELZIEL, INSASSEN ZU TÖTEN! Das Ziel in dem von ihnen gezeigten Level ist schlicht und ergreifend aus dem Sanatorium zu fliehen. Wer die Insassen verwundet, bekommt am Ende des Levels eine schlechte Bewertung und demzufolge keine Belohnung. Nur wer das Missions-Ziel erfüllt und niemand (!!!) anderen verletzt, bekommt eine Belohnung.
"In den Kaufhäusern wird aggressiv dafür geworben."
Also mir ist im Kaufhaus noch nie jemand vor die Füße gesprungen und hat gesagt "Kauf Hitman 3! Kauf Hitman 3!". Plakate sind normal, auch für Zigaretten wird mit Plakaten geworben. Sogar direkt neben Schulen ... ist das nicht auch agressive Werbung? Was ist gefährlicher? Ein Jugendlicher der Doom 3 spielt oder ein Jugendlicher der raucht und sich betrinkt?
"Dass nunmehr durch die unabhängige Selbstkontrolle Filme und solche Spiele nicht indiziert und damit verboten werden, ist nicht akzeptabel."
Zwar stammt diese Aussage nicht von ihnen direkt, jedoch ist sie unüberlegt. VOR Erfurt waren Altersfreigaben für den Handel NICHT BINDEND, d.h. jeder konnte jedes Spiel kaufen, dass nicht indiziert war. Spiele ab 18 konnten ohne weiteres von 13Jährigen gekauft werden. Aber auch indizierte Spiele waren alles andere als schwer zu bekommen. Ich kenne Jugendliche (14 Jahre), die waren in 12 Geschäften und in keinem einzigen wurde ihnen Doom 3 verkauft.
"Auch die Vorgängerversion war früher indiziert. Dieses Gewaltspiel ist heute erhältlich."
Diese Aussage ist in sich widersprüchlich. Indiziert heißt "erhältlich ab 18 Jahren". Indiziert heißt nicht "nicht erhältlich". Das Gewaltspiel, von dem sie reden ist eingestuft ab 18, d.h. "erhältlich ab 18 Jahren". Der Handel macht sich strafbar, wenn er ein solches Spiel an einen Minderjährigen verkauft. Warum wird nicht der Handel für soetwas angegriffen? Immerhin ist er verantwortlich dafür, dass das Spiel in Umlauf kommt.
Jürgen Hilse trifft mit folgender Aussage den Punkt:
"Es ist die Frage: Darf man diesen Inhalt Erwachsenen zumuten!"
Das ist die Frage. Ab 18 heißt: Erwachsenen kann der Inhalt dieses Spiel zugemutet werden, Jugendlichen nicht. Jetzt werden sie natürlich fragen, wieso das Spiel dann offen beworben werden darf. Ganz einfach: Weil für den Hersteller des Spiels eine Benachteiligung herrschen würde. Ohne Werbung werden weniger Erwachsene auf das Spiel aufmerksam. Der Hersteller fühlt sich zurecht benachteiligt, in anderen Ländern darf das Spiel beworben werden. Im Übrigen sind manche Spiele in den USA sogar ab 13 zu bekommen, hierzulange muss man dagegen 16 Jahre sein (Beispiel "Vietcong"). Der deutsche Jugendschutz ist viel strenger als in anderen Ländern. Und jetzt fordern sie allen ernstes eine weitere Verschärfung?
"Rentner werden erschlagen: Die Inhalte der Gewaltspiele sind immer brutaler, Mord wird zum Spielspaß. Ein Jugendlicher sagt uns: "Wenn ich ehrlich bin, die Aufträge habe ich eigentlich nie so richtig gelöst und das Ziel des Spiels kenne ich auch nicht. Das lustige ist eigentlich nur, dass man überall herumfahren, Autos umrammen und Leute abschießen kann. Das ist eigentlich der Spaß an dem Spiel."
1.) Auch hier gilt: Rentner müssen nicht erschlagen werden. Werden sie erschlagen, muss der Spieler mit den Konsequenzen rechnen. Erschlägt man bei GTA 3 einen Rentner, so wird man von der Polizei festgenommen.
2.) Die Aussage des Jugendlichen nicht pauschal richtig. Wie jemand das Spiel spielt, hängt von den persönlichen Vorraussetzungen ab. Ist jemand aggressiv, unzufrieden oder wütend, spielt er das Spiel in der Weise wie es der Jugendliche schildert. Ist man entspannt, zufrieden und fröhlich, macht es überhaupt keinen Spaß, "Leute abzuschiessen", weil es keinen Sinn hat und keine Belohnung gibt. Für die Erfüllung der Aufträge bekommt man jedoch neue Autos, Geld und die Stadt wird erweitert, sodass man noch mehr Freiheit hat.
"Wir brauchen Herstellungsverbote. Denn die Technik hat sich so entwickelt, dass der einzelne Träger dieser Spiele nicht mehr sehr viel kostet, so dass der Preis für Verleihen und Verkaufen nicht mehr sehr unterschiedlich ist. Wenn etwas auf dem Markt ist, dann wird es immer von Jugendlichen erworben und dann auch schwarz kopiert und weiter vertrieben."
Das ist die dämlichste Aussage, die ich je zu diesem Thema gehört habe. Denkt der werte Herr Beckstein eigentlich mal daran, wieviel Umsatz die Spieleindustrie jährlich macht, und was für ein Schlag ein Verbot von Spielen für die Wirtschaft wäre, wo wir doch sowieso zu Zeit alles anderere als eine Hochkonjunktur haben? Wieso spricht Frontal21 dieses Thema nicht an?
"Bis jetzt schafft es die Politik aber noch nicht einmal, bestehende Gesetze anzuwenden: ein Armutszeugnis."
Der Handel ist das Schlupfloch. Wenn der Handel die Gesetzt strikt einhalten würde, würden Minderjährige auf legalem Wege nicht mehr an die Spiele kommen. HIER muss die Politik eingreifen, und nicht bei den Wertungen der USK.
Soviel zu ihrem Bericht.
Darüber hinaus war ich auch gestern im Frontal21 Chat und habe die Diskussion verfolgt.
Ihre Äußerungem im Chat stehen im krassen Gegensatz zu ihrem Bericht. Im Chat erweckten sie den Eindruck, dass es ihnen nur darum geht:
"Warum müssen Spiele so brutal sein?"
Diese Frage kann ihnen nur der Hersteller beantworten. Aber auch ich kann es versuchen.
Stellen sie sich die "Alien - Reihe" ohne Blut vor. Stellen sie sich vor, es käme immer ein Schnitt, wenn das Monster aus seinem Versteck springt. Ist das spannend? Eher weniger, weil man sehen möchte, was das Monster denn macht.
Doom 3 ohne Blut: Ein Monster torkelt auch mich zu. Ich schiesse, das Monster fällt um. War das jetzt ich oder hat das Viech einen Herzinfakt erlitten?
Aber ich gebe ihnen Recht. Doom 3 ist teilweise an der Grenze. Beispielsweise an der Stelle als eine Spielfigur, schreind, ausgeschlitzt und druchgespießt an der Decke hängt. Das muss nicht sein. Es ist aber so und es ist nicht jugendgefährdend. Haben sie Fahrenheit 9/11 gesehen? Die Bilder von toten Menschen, echten Menschen, zerfetzt und verstümmelt. Menschen aus Fleisch und Blut. Warum darf sowas um 20.15h gezeigt werden. Oder warum werden Erotikfilme oder Filme wie "From Dusk till Dawn" oder "Starship Troopers" um 23.00 h gezeigt. Glauben sie ernsthaft, dass dann alle minderjährigen im Bett sind und brav schlafen?
Ich hoffe sie kommentieren meine Aussagen und Fragen und nehmen dazu Stellung.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Klein